3.
Persönliche
Eigenschaften und fachliches Können - ich verstehe beide Faktoren als berufliche
Kompetenz - lassen sich einmal fördern durch eine solide praktische und theoretische
Grundausbildung. Ein qualifizierter Ausbildungs- bzw. Studienabschluss berchtigt
in unserem Erziehungs- und Bildungssystem, eine berufliche Position mit der vorgesehenen
Dotierung einzunehmen. Zu mehr nicht; ich will damit sagen, dass über die
Eignung, diese Position gut auszuüben damit nichts präjudiziert ist.
Weder Eltern, die ja in der Regel überhaupt keine theoretischen Kenntnisse
über die seelische und geistige Entwicklung von Kindern oder gar von der
Familienerziehung haben, noch Sozial- und Schulpädagogen müssen - gleichsam
"von Natur aus" - für die mit der Erziehung und Bildung von Kindern
verbundenen Voraussetzungen geeignet sein. Günstigenfalls haben sie neben
einer Ausbildung noch einen guten Willen.
Die,
ich will einmal sagen: "echte", Berufseignung stellt sich erst in der
Praxis heraus. Allerdings meine ich damit nicht, dass die Berufsanfänger
erst einmal "vergessen sollen, was sie gelernt haben" (Mit genau diesen
Worten empfingen mich mein erster Schulleiter und seine Stellvertreterin vor vierzig
Jahren bei Dienstantritt!). Ganz im Ggegenteil, hätten die berufserfahrenen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den sozial- und schulpädagogischen Einrichtungen
darauf zu achten, dass die von dem Berufsabfänger mitgebrachten Kenntnisse
sich mit der Praxis vor Ort so verbinden, dass eine gegenseitige "Befruchtung"
ermöglicht wird. Dies geschieht nicht von selbst. Und schon gar nicht steht
der Neuling in der Bringschuld und muss die Initiative ergreifen. Innerhalb einer
Schule (einer Kindertagesstätte ...) müssen die hier gemeinten Integrationsprozesse
in der Konzeption beschrieben und in der Praxis organisiert werden.
Doch
auch bei einer optimalen Einarbeitungspraxis darf nicht stehen geblieben werden.
Wir dürfen nicht nur vom "lebenslangen Lernen" reden, wir müssen
das auch vorleben. Fortbildungsangebote sorgen dafür und können unter
bestimmten Voraussetzungen die Qualität der Erziehungs- und Bildungsarbeit
in einer Einrichtung verbessern. Wenigstens genau so wichtig ist ein laufendes
Beratungsangebot. Sich theoretisches Wissen anzueignen, die Fülle an eigenen Erfahrungen
und der Austausch mit dem Wissen und den Erfahrungenen Anderer, aber auch eine Selbstvergewisserung über den eingeschlagenen Weg sind zweckmäßig.
Vor allem dann,
wenn in einer konkreten Situation eigne Grenzen erfahren werden oder neue Erkenntnisse
"auf den Markt" kommen, hat jeder von uns Beratungsbedarf. Aber auch
Für diese Aufgaben stehen in unseren pädagogischen Institutionen
Fachdienste, wie Schulräte, Bildungsberater, Schulberater, Supervisoren oder
Fachberater
bereit. Allerdings in völlig unzureichendem Umfang und gelegentlich auch für
die vorgesehenen Aufgaben nicht geeignet.
In
einer großen Jugendhilfeeinrichtung mit angegliederten Schulen gibt es einen
psychologischen Dienst. Die Diplompsychologinnen und Diplompsychologen, die in
dieser selbständigen (also der Gesamtleitung direkt unterstehenden) Abteilung
tätig sind, lehnen es ab, den Lehrerinnen und Lehrern mit Rat und Tat zur
Seite zu stehen. Der Wunsch der Schulpädagogen nach gesonderter, an die Schule
angebundener Unterstützung und Hilfe durch hierfür ausgebildete Fachdienste
aber, wird mit dem Hinweis auf das Vorhandensein eines psychologischen Dienstes
abgelehnt.
Die Diplompsychologen, in der Regel mit therapeutischen Zusatzausbildungen,
fühlen sich in erster Linie für Kinder zuständig, und auch nur
für die, die zu ihnen geschickt und von ihnen getestet oder mit anderen Verfahren
untersucht werden. Sie nehmen an Hilfeplankonferenzen teil und wären auch
bereit, Lehrkräfte in Bezug auf deren persönliche Probleme im Beruf
zu beraten, wenn sie in ihren Sprechstunden Zeit erübrigen können. Da
aber die Lehrer vormittags arbeiten (da hätten die Psychologen vielleicht
Zeit) und nachmittags Kinder getestet und therapiert werden müssen, können
beide Berufsgruppen nicht zueinander kommen. In die Schulen hinein zu gehen, weigern
sich die psychologischen Dienste.
Noch ein interessantes Detail: über
die Ziele, die Ergebnisse und den Verlauf der Arbeit mit den Kindern in der psychologischen
Abteilung erfahren die Lehrerinnen und Lehrer nichts. Eine Kooperation findet
nicht statt. Sie ist auch nicht institutionalisiert.
Erziehung
und Bildung in Familien, sozialpädagogischen Einrichtungen, Schulen und Berufsausbildungsstätten
wird gefördert, wenn Bildungsmaßnahmen die Praxis begleiten (Fortbildungen
von Fachkräften, Elternbildungsmaßnahmen u. dgl.) und eine ebenso fachlich
kompetente wie kooperationsfähige fachliche
Begleitung (Fachberatung, Supervision) für eine optimale Arbeitsqualität
sorgt.