Schriften zur Erziehung und Bildung im WWW
von Dr. Joachim Rumpf

 

Kooperation in Erziehung und Bildung

Über die Ökologie der menschlichen Entwicklung und das Zusammenwirken von Berufspädagogen mit Eltern


 

Auf dieser Seite erläutere ich zunächst mit drei Sätzen jenes theoretische Konzept von Urie Bronfenbrenner, das Ihnen bereits auf der Seite "Kooperation Einführung" begegnet (1).

Es werden dann einige Voraussetzungen aufgezählt, um die Erzieherinnen und Erzieher oder Lehrerinnen und Lehrer sich zu bemühen haben, wenn sie mit Eltern einen positiven, die Entwicklung der betreffenden Kinder förderlichen Kontakt haben wollen (2).

Auch wenn sie längst bekannt und bewährt sind, sollen die verbreitetsten Formen der Elternarbeit noch einmal benannt werden (3).

 
Anmerkung:
Wenn von "uns", "unseren" und "unserer"
 die Rede ist, dann entnehmen Sie diesen Formulierungen bitte, dass ich mich in meiner Eigenschaft als Berufspädagoge äußere und darum mit einbeziehe.

 

1. Satz
Alle menschliche Entwicklung vollzieht sich in Interaktion mit verschiedenen Umwelten

 
Urie Bronfenbrenner sieht die Entwicklung des einzelnen Menschen im Kontext ihrer sozialen Umwelten und bezieht die komplexen Beziehungen verschiedener sozialer Umwelten beziehungsweise Lebensbereiche, in denen eine Person gleichzeitig heranwächst, in seine Entwicklungspsychologie mit ein. Das Bild auf der Einführungsseite deutet schematisch auf die Bedeutung der Beziehungen zwischen den Lebensbereichen Familie und Schule (oder Kindergarten), die durch ein Kind miteinander verbunden sind. Es ist der Charakter der Beziehungen zwischen den verschiedenen Lebensbereichen, die die Situation eines Kindes beeinflusst. Haben ErzieherInnen / LehrerInnen eine gute Beziehung zum Elternhaus (und umgekehrt), wirkt sich das auf die seelische Befindlichkeit des Kindes aus. Haben sie keine gute Beziehungen, mögen sie sich nicht oder haben ständig am jeweils anderen Partner in Erziehung und Bildung etwas herumzumäkeln, dann wird ein Kind früher oder später unter dem gespannten Verhältnis leiden.

        Die durch ein Kind konstituierte Verbindung von Lebensbereichen bezeichnet Bronfenbrenner als „Mesosystem“.Die von Außen auf das Mesosystem einwirkenden Systeme (z. B. Richtlinien, Verordnungen aber auch alle anderen von den einzelnen Lebensbereichen nicht beeinflussbaren Faktoren, die aber auf sie einwirken, wie z.B. Massenmedien, Verkehr u. a. ) bezeichnet Bronfenbrenner als „Exosysteme“.Das kulturelle Gesamt einer Gesellschaft bis hin zu den ökonomischen und politischen Verhältnissen in der Welt bezeichnet er als „Makrosysteme“. Diese sehr verkürzte Darstellung lässt sich unschwer mit Hilfe des Buches (Die Ökologie der menschlichen Entwicklung. Stuttgart 1981) ergänzen.Diese (und andere) Theorien sind darum recht wertvoll, weil sie mit unserer Alltagserfahrung übereinstimmen. Insofern stellen diese Ausführungen lediglich eine Systematisierung dessen dar, was wir ohnehin wissen und - vor allem in unserem beruflichen Wirken - anwenden.   

 

 

2. Satz
Alle Beteiligten stimmen sich ab

 

Man könnte statt "Abstimmung" auch Kooperation sagen. Zu einem Team oder einer kooperierenden Gruppe gehören alle, die an der Erziehung und Bildung eines Kindes Beteiligten. Wir wissen genau, dass das so ist. Die Theorie von der Ökologie der menschlichen Entwicklung hat uns noch einmal unmissverständlich darauf hingewiesen. Nicht nur in der Phase des Handelns sollten wir übereinstimmend vorgehen, sondern bereits in der Analyse des Einzelfalls und/oder bestimmter als typisch erlebter Situationen (mit diesem Kind/dieser Gruppe). Es sollten sich zum Beispiel alle in einem Team über die Motive ihres Handelns verständigen und dann gemeinsam nach Strategien Ausschau halten. Gewiss ist es einleuchtend (z. B. weil effektiv), wenn erst einmal die/der Gruppenleiterin ihre Kenntnisse und Sichtweisen vorlegt und gleichsam federführend ist. Doch wenn nur eine/r das Problem bearbeitet, strampelt sie/er sich vergebens ab. Alle die in einem Boot sitzen, müssen auch in die gleiche Richtung paddeln und sich gleichermaßen anstrengen. Wie bei Mannschaftssportarten gehören auch im Kindergarten kooperative Arbeitsweisen zur Grundlage jedes Erfolges. Sie sind sozusagen die Mindestleistung, die erbracht werden muss. Ist hier bereits Sand im Getriebe, muss ein Kindergartenteam erst einmal diesen Sand entfernen, wenn sie Problemsituationen mit Aussicht auf Erfolg bearbeiten wollen. Dann - also erst, wenn wir uns im Kindergarten/in der Gruppe darüber einig sind, was zweckmäßiger Weise geschehen oder erreicht werden sollte, gehen wir auf die Eltern zu

 

 

3. Satz
Je weniger die an der Erziehung und Bildung eines Kindes Beteiligten übereinstimmend handeln, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind in seiner Entwicklung beeinträchtigt wird.

 

Ausgehend von dieser vielfach belegten Erfahrung, ist dem Berufserzieher eine möglichst enge Zusammenarbeit mit dem Elternhaus (und vor dem Wechsel in die Schule auch mit den Lehrern) selbstverständlich. Die Kooperation mit den Eltern ist darum ein ganz zentraler Gesichtspunkt der Beziehungen zwischen Kindergarten und Elternhaus. Sobald ein Kind in die Schule kommt, gilt das Gebot eines guten Zusammenspiels auch für Eltern und Lehrer. Dort, wo Eltern Erziehungsprobleme haben und/oder sich einer Kooperation verschließen, ist im Interesse eines Kindes und dem Ziel, Übereinstimmung zu erreichen, Elternarbeit nötig. Ein weiterer Gesichtspunkt für die positive Gestaltung von Beziehungen zu Eltern drängt sich dann, im Interesse einer übereinstimmenden Pädagogik, in unser Blickfeld, wenn Eltern meinen, ErzieherInnen oder LehrerInnen sagen zu müssen, was in Kindergarten oder Schule zu tun und zu lassen ist. Hier ist nicht an Verständnisfragen oder eine helfende Kritik zu denken - die sollten im Kindergarten und in der Schule immer willkommen sein. Vielmehr geht es um jene Eltern, die eine andere oder ihrer Meinung nach bessere Konzeption vertreten und durchsetzen möchten. In derartigen Fällen bzw. Situationen ist ebenfalls notwendig, mit Eltern zu sprechen und eine Übereinstimmung zu erreichen. Wo Böswilligkeit beziehungsweise eine bewusst und gewollt praktizierte Konfrointation von Seiten der Eltern oder gar Berufserziehern zu beobachten ist, wird das Kindeswohl erheblich gefährdet. Für derartige Fälle ist zu empfehlen, die sozialpädagogischen Fachkräfte der Jugendhilfe zu konsultieren..

 

 

2.
Einige Voraussetzungen unserer Wirksamkeit in der Begegnung mit Eltern

 


1. Satz
Unsere Wirksamkeit ist beeinflusst von den Beziehungen zwischen uns und den Eltern der Kinder

Die folgenden Punkte lassen sich den Elementen "Erwartungen", "Wahrnehmungen", "Gefühle", Kommunikation" oder "gemeinsame Tätigkeiten" zuordnen. Umgangssprachlich erkennen wir gute Beziehungen zwischen Menschen unter anderem daran, dass man sich freundlich grüßt, herzlich einander zulächelt, sich nicht aus dem Wege geht sondern miteinander spricht, wenn man sich trifft.Jede/r von uns weiß, dass wir zu jemandem, den wir nicht leiden können, nur schwer Zugang erhalten. Meistens beruhen Sympathien und Antipathien auf Gegenseitigkeit. Was aber im privaten Bereich mal mehr mal weniger konsequent "ausgelebt" wird, sollte in beruflichen Beziehungen kontrolliert und, im Interesse der betroffenen Kinder, auch beeinflusst werden. "Ich mag die Frau XY nicht, die hat mich mal so blöd angelabert" kann zwar in außerberuflichen Feldern dazu führen, dass ich den Kontakt mit Frau XY meide. In meiner Rolle als Erzieher/in oder LehrerIn aber habe ich zumindest auf Neutralität im Umgang mit ihr zu achten. Vor allem aber darf ich nicht am Kind auslassen, dass ich die Mutter/den Vater nicht mag. Sich zu einer entsprechend konstruktiven Haltung durchzuringen ist nicht immer einfach, im Interesse der Wirksamkeit unserer Zusammenarbeit aber geboten. In der Praxis heißt das, dass wir mit Hilfe unseres Verstandes (und gelegentlich mit Unterstützung anderer Personen) unsere negativen Gefühle unter Kontrolle bringen und uns entsprechend verhalten lernen.


2. Satz
Unsere Wirksamkeit ist beeinflusst von unserer Kenntnis der Familien, aus der unsere Kinder kommen.

Je besser wir die Familie und ihre Lebensbedingungen kennen, um so eher verstehen wir die Kinder, um so besser können wir aber auch - um an Sympathien und Antipathien anzuknüpfen - unsere guten und schlechten Gefühle den Familien gegenüber erklären. Wer die Ursachen für Verhaltensweisen von Kindern oder deren Eltern kennt, kann besser damit umgehen. Wir können auch nur dann raten und helfen, wenn wir wissen, wo eine Mutter Rat und Hilfe braucht.Der Situationsansatz geht, wie wir sahen, von der Kenntnis der Lebensumstände der Familien aus, aus denen unsere Kinder kommen, damit wir in Planung und Durchführung unserer Arbeit unter anderem auch jene Probleme und Themen ansprechen, die die Kinder und ihre Familien bewegen.


3. Satz
Unsere Wirksamkeit ist beeinflusst von unserer Bereitschaft, verschiedene (Eltern-) Persönlichkeiten und ihre Möglichkeiten zu akzeptieren und von unserer Fähigkeit, mit diesen Verschiedenheiten konstruktiv umzugehen

Wir sollten nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, wenn wir mit unserer Person oder unserer Konzeption nicht auf Gegenliebe stoßen. Im Grunde geht es bei dieser und den drei folgenden Bedingungen einer wirksamen Zusammenarbeit mit Eltern um die Anwendung von Erkenntnissen aus der "Humanistischen Psychologie". Jeder Mensch ist eine einmalige Persönlichkeit. So, wie wir uns in Partnerschaft, Freundschaftsgruppe oder Team selbstverständlich damit arrangieren, dass die anderen Personen anders denken, handeln oder fühlen als ich und diese Unterschiede den Reiz der Begegnung ausmachen, so nehmen wir in unserer Rolle als Erzieherin/Erzieher jede Mutter und jeden Vater als eine eigene Persönlichkeit an. Es fällt uns nicht immer leicht, auch die von uns als unangenehm erlebten Personen zu akzeptieren. Wenn wir es aber nicht schaffen, sie anzunehmen, auszuhalten und mit ihnen umzugehen, dann besteht keine Aussicht, irgend etwas zu erreichen. Damit ist nicht gesagt, dass jede Erzieherin, das schaffen muss. Wer sich zu einer akzeptierenden Haltung zu als "schwierig" erlebten Menschen (das können auch Kinder sein) nicht durchringen kann, muss wissen, dass er genau wegen dieser Unmöglichkeit nichts bewegen wird.


4. Satz
Unsere Wirksamkeit ist beeinflusst von unserer Grundhaltung Eltern gegenüber.

Zwei Aussagen deuten an, was gemeint ist:"Eltern sind im allgemeinen zuständig und fähig, für das Wohl ihres Kindes zu sorgen" (optimistische Grundhaltung)."Eltern sind im allgemeinen unfähig für das Wohl ihres Kindes zu sorgen" (pessimistische Grundhaltung). Jede/r von uns muss sich über die eigene Grundüberzeugung klar werden: sind andere Menschen prinzipiell in der Lage, die Aufgaben, die sie übernommen haben oder die ihnen ihr Leben (Schicksal) stellte, mit Erfolg zu meistern oder sind sie nicht dazu in der Lage. Wenn ich zum Beispiel in der Überzeugung lebe, dass Eltern (oder Auszubildende, Erzieher, Lehrer, Politiker ...) meistens nichts taugen oder sonst defizitär sind, also eine pessimistische Grundhaltung dieser Personengruppe gegenüber habe, dann übersehe ich leicht ein positives Signal. Gehe ich aber optimistisch an andere Menschen heran, dann müssen die mich erst durch Wort und Tat überzeugen, dass sie unfähig sind. In der Praxis werden wir, je nach Lebenserfahrung, in Bezug auf bestimmte Menschen oder Berufsgruppen eine eher optimistische oder eher pessimistische Erwartungshaltung haben. Im Umgang mit den Eltern unserer Kinder ist aber eine positive Sichtweise hilfreicher. Sie hindert uns freilich nicht, kritisch und aufmerksam zu sein! Wer seine Kinder misshandelt (zum Beispiel), ist dringend der Hilfe bedürftig und wird kaum allein aus dem Teufelskreis seiner Probleme herauskommen.


5. Satz
Unsere Wirksamkeit ist beeinflusst von einer angemessenen Offenheit im Kontakt miteinander.

Jede/r darf unbefangen ihre/seine Möglichkeiten und Fähigkeiten einschließlich der jeweiligen Grenzen einbringen und zur Diskussion stellen. Offenheit reduziert Erwartungsdruck. Da lässt sich sogleich an das eben erwähnte Beispiel anknüpfen: Nur wenn eine Mutter im Umgang mit uns erfahren hat, dass wir offen und ehrlich - wenn auch stets mit gebotenem Taktgefühl - Probleme angesprochen haben, wird sie Mut haben, mit uns über die eigenen Probleme zu sprechen. Wenn wir es dann noch schaffen, auf Wertungen zu verzichten und den erhobenen Zeigefinger weglassen, statt dessen aber "aktiv zuhören", also ermunternde Signale des Zuhörens aussenden (Gestik, Mimik, Bemerkungen), lassen sich Ängste abbauen und Grenzen erweitern.Andererseits aber akzeptieren wir, dass wir nicht Problemlöser der Familien sind. Von Kindergarten oder Schule aus lassen sich die Schwierigkeiten, die sich in dem komplizierten Beziehungsgeflecht der Familie ergeben können, nicht bearbeiten. Auch zu diesen unseren Grenzen bekennen wir uns offen und rücken damit ungerechtfertigte oder überhöhte Erwartungen zurecht.


6. Satz
Unsere Wirksamkeit ist beeinflusst von unserer Einsicht, dass die Einstellungen und Verhalten, die wir bei den Eltern erwarten, auch für uns selbst gelten.

Eine dieser Grenzen finden wir in der Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Nicht alle Eltern wollen Kontakte mit uns; einige drehen den Spieß herum und meinen, dass Zusammenarbeit heißt, alles besser wissen und in unsere Arbeit hinein regieren zu wollen. Hier kann die Haltung gegenseitig gleicher Erwartungen helfen. Wenn wir unsere Haltungen, Meinungen, theoretischen Wissensbestände und Erfahrungen so an die Eltern herantragen, dass sie sich nicht bevormundet fühlen, werden auch umgekehrt Eltern den "richtigen Ton" finden. Wenn das mal nicht klappt, dann schauen wir in unseren Arbeitsheften oder Büchern nach, die von den Ausbildungszeiten her noch in unseren Regalen stehen und in denen wir einiges über die Psychologie der zwischenmenschlichen Kommunikation finden. Gehen wir mit gutem Beispiel voran und leben den Eltern vor, wie wir uns wünschen, dass sie mit uns umgehen.


7. Satz
Unsere Wirksamkeit ist beeinflusst von den Beziehungen zwischen uns im Team.

Wenn wir uns in Bezug auf uns selbst, also die Kolleginnen und Kollegen untereinander, so verhalten, wie es hier im Blick auf die Eltern dargestellt wurde, dann sollte eigentlich alles recht gut laufen. Nicht immer und überall ist eine unserer Aufgabe dienende förderliche Zusammenarbeit vorhanden. Dann muss sie aber hergestellt werden, denn sonst gibt es Probleme, die bis hin zu Fluktuationen führen können. Eine der größten Sünden, die wir im Beruf begehen können, ist die heimliche Parteinahme. Wenn man zum Beispiel mit einer anderen Kollegin, mit einer Mutter o. a. gegen ein Teammitglied paktiert oder gar integriert. Offenheit, helfende Kritik, klare Aussprachen und Verabredungen sind zum Beispiel jene Strategien, die unserem Berufsstand würdig sind. Bei Unsicherheiten prüfen wir die Aussagekraft und Standfestigkeit unserer Konzeption, die unsere Freiheiten und Grenzen absteckt oder bemühen uns um Hilfe von Außen.


8. Satz
Unsere Wirksamkeit ist beeinflusst von unserem (der ErzieherInnen und LehrerInnen) Bild in der Gemeinde beziehungsweise in dem Stadtteil, in dem wir wirken

Unterschätzen wir nicht die Bedeutung, die wir als Erzieherinnen/Erzieher und Lehrerinnen/Lehrer in der Gemeinde haben. Die Meinung, die Trägervertreter oder andere Mitbürgerinnen und Mitbürger über uns und unserem Berufsstand haben, beeinflussen die Elternhaltung aber auch unser berufliches Selbstvertrauen. Selbst wenn wir wissen oder den Eindruck haben, dass wir diskriminiert werden, lassen sich Vorurteile nur durch offensives Verhalten beeinflussen. Damit ist in diesem Zusammenhang gemeint, dass wir Gemeindeveranstaltungen besuchen, in irgendeiner Weise aktiv am Gemeinde- und Vereinsleben teilnehmen und nicht stets durch Abwesenheit glänzen und auch selbst die Außenstehenden zu uns einladen. Wir achten darauf, dass wir eingeladen werden (zum Schulfest, zu Jubiläumsveranstaltungen) und ziehen uns nicht schmollend zurück, wenn man uns vergisst. Es gibt viele Beispiele, wo Kindergärten mit den Erzieherinnen öffentlichkeitswirksam wirken und damit ihr eigenes und das Ansehen ihres Berufsstandes heben. Offensiv treten wir aber auch dafür ein - und hier sind ganz besonders die Leitungen und die Elternvertretungen gefragt! - dass wir zur Kenntnis genommen werden. Wenn zum Beispiel die Leiterin einer Tagesstätte eine öffentliche Veranstaltung in ihrer Gemeinde oder in ihrem Stadtteil besucht, dann wird sie von den Veranstaltern genau so begrüßt, wie ein Schulleiter oder andere Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

 

 

3.
Formen des Zusammenwirkens mit Eltern

1.
Das KHJG schreibt vor, dass die Familie und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung zu beraten und zu unterstützen sind (§§ 1, 2, und 16 (1). Daraus lassen sich entsprechende Aufgaben ableiten für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen, die in die Zuständigkeit des KJHG fallen. Ergänzen lassen sich die Bestimmungen des KJHG durch die Kindergartenge­setze in den Ländern - aber auch, bezogen auf Familien mit schulpflichtigen Kindern - durch die Schulgesetze. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider pädagogischer Institutionen gilt, dass sie vertrauensvoll zum Wohle des Kindes zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen haben.

 

2.
Die Gesetze stimmen in diesem Bereich sehr gut überein mit wissenschaftlichen Erkenntnissen (Stichwort: verantwortete Elternschaft) und mit den tatsächlichen Erfordernissen. Man kann z. B. sagen, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass ein Kind sich ungünstig entwickelt, wenn die Beziehungen zwischen Elternhaus und Kindergarten gestört sind. Daraus ergibt sich eine erste Forderung an die Kontakte mit Eltern: Elternarbeit im Kindergarten hat das Ziel, in Bezug auf die Erziehung und Bildung von Kindern zusammen (und nicht gegeneinander) zu wirken. Diesen Prozess kann man als "Elternintegration" bezeichnen.

3.
Dieser Prozess wird unterstützt, wenn die klassischen Formen von Elternarbeit in Schule, Sozialarbeit und Sozialpädagogik realisiert werden. Hier müssen wir uns nicht auf den Kopf stellen, und ständig etwas Neues einfallen lassen. Wir dürfen heilfroh sein, wenn wir das tatsächlich tun beziehungsweise tun können - sofern die Kapazitäten ausreichen - was wir irgendwann einmal gelernt haben. Nachfolgend eine Tabelle mit den bekannten und bewährten Formen der Elternarbeit und ihrer Funktionen:

 

 

Elternmitarbeit

Vorbereitung und Durchführung von Festen, Feiern, Wanderungen

Familienhilfe

unterstützende und korrigierende Hilfen bei der Betreuung, Erziehung und Bildung

Familienberatung

Ist mein Kind schulfähig und andere Probleme, die Eltern bewegen

Elternmitentscheidung

Elternräte; bei der Planung der Arbeit

 

Elternbildung

Veranstaltungen zu lebenspraktischen pädagogischen und psychologischen Themen

Elternbegegnung

Gelegenheiten zu gegenseitigem Austausch, zu Geselligkeit und der Organisation von Elternsolidarität

 

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