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Schriften zur Erziehung und Bildung im WWW
von Dr. Joachim Rumpf

 


Über die Grundbedürfnisse von Kindern

Erster Teil:    Eine Einführung 

 
1. Schicksale, die in die Thematik einführen

Vor einiger Zeit suchte eine Mutter mit zwei Töchtern eine Familienberatungsstelle auf. Die etwa vierzigjährige Mutter war mit den beiden acht und zehnjährigen Töchtern daheim aus- und in das Haus ihrer Eltern gezogen, weil sie ihren Kindern und sich selbst den Ehemann und Vater nicht mehr zumuten wollte. Der Ehemann, er ist Mitte vierzig und von Beruf Verwaltungsbeamter irgendwo im öffentlichen Dienst, ist alkoholabhängig. Diese Suchtkrankheit belastet schon seit mehreren Jahren das Zusammenleben. Wenn er getrunken hat wird er aggressiv, plagt Frau und Töchter mit gravierenden Ausfällen in den Bereichen zwischenmenschlichen Umgangs. Beleidigende Anwürfe und Diskriminierungen vor allem gegenüber seiner Frau verstörten die beiden Mädchen so sehr, dass auch sie nicht mehr mit ihm die Wohnung teilen und seine Verhaltensweisen aushalten wollten. Zwei Therapien hatte er bereits abgebrochen. An Vereinbarungen, die zu einer Verbesserung der Situation geführt hätten, vermochte er sich nicht zu halten. Seit geraumer Zeit war die Ehe das, was man als „zerrüttet“ bezeichnet. Der Trennungsschritt war wegen der Mädchen, von denen vor allem die Ältere sehr betroffen ist, weil sie, wie die Mutter erklärte, viel Mitleid mit dem Vater habe, bisher vermieden worden. Nun also war er, mit dem Einverständnis der Mädchen vollzogen worden. An jedem Wochenende aber gingen sie für einige Stunden zum Vater in den Stall, in dem sie seit mehreren Jahren ihre Pferde stehen und hielten auf diese Weise den Kontakt zu ihm aufrecht. Wenn sie aber am Abend zurückkamen, dann waren sie doch recht verstört, da der Vater in ihrer Gegenwart eine alkoholisches Getränk nach dem anderen konsumierte und, mit zunehmendem Alkoholspiegel, die abwesende Mutter in aller Öffentlichkeit (also in Anwesenheit der anderen Pferdehalter bzw. Reiterinnen und Reiter) beschimpfte bzw. „schlecht“ machte.

Die räumliche Trennung war verbunden mit der Einleitung eines Scheidungsverfahrens der Mutter. Während die Scheidung der Ehe angesichts der geschilderten Umstände kein Problem war, stellten sich die rechtlich zu fixierenden Beziehungen zwischen dem Vater und seinen Töchtern als schwieriger dar. Wie sollten zum Beispiel Sorgerecht und Umgangsrecht gestaltet werden, um mögliche Schädigungen  der Entwicklung beider Mädchen zu vermeiden? Auf welche Erkenntnisse und Einschätzungen werden die Richterinnen und Richter ihre Entscheidungen gründen?

Die Mutter: „was könnte ich tun?“



Antwort: Da es in erster Linie nicht um die Wünsche bzw. Vorstellungen der beteiligten Eltern, sondern um das Wohl dieser  Kinder geht , müsste zunächst unter Beteiligung der beiden  Mädchen sorgsam geprüft werden, unter welchen Bedingungen die Grundbedürfnisse jedes der beiden Mädchen am ehesten gewahrt werden könnten. 

 
 In unserer Nachbarschaft wohnen Frau und Herr Honig. Sie ist von Beruf Heilerziehungspflegerin und arbeitet in einer Behinderteneinrichtung. Er ist als Fachlehrer an einer Gewerbeschule angestellt und seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Fußballtrainer weithin bekannt. Von ihren Nachbarn unterscheiden sich Honigs dadurch, dass sie von uns allen die meisten Kinder haben: sechs sind es, vier Buben und zwei Mädchen. Der Jüngste bereitet sich gerade aufs Abitur vor. Ein anderer Bub studiert noch und wählte die Fächer Geographie und Islamwissenschaft. Eines der beiden Mädchen, sie hatte den Beruf der Mutter erlernt, hat seit wenigen Wochen selbst ein kleines Mädchen und ist zurzeit daheim. Die zwei ältesten Buben, ein Wirtschaftsingenieur und ein Bankangestellter und die ältere Tochter, sie hatte Bürokauffrau gelernt, leben schon länger nicht mehr in der Nähe ihrer Eltern. Es gibt im Grunde überhaupt nichts Aufregendes von Mitgliedern der Familie zu berichten. Und als wir im Freundeskreis, zu denen die Honigs gehören, beieinander saßen und die Geburt des Enkels feierten, sprachen wir über die Kinder der Honigs und unsere eigenen. Wir tauschten uns lange aus über die Erfahrungen, die wir mit unseren Kindern gemacht hatten, über deren Wege und Umwege. Die Bilanz unserer Erfahrungen war im Grunde verblüffend einfach: Jedes unserer Kinder unterscheidet sich deutlich vom Anderen. Auch die sechs Kinder von Honigs sind verschieden. Verschieden im Aussehen, im Temperament, in ihren beruflichen und außerberuflichen Neigungen, in ihren Vorstellungen über ihr Leben und vieles andere mehr. Gemeinsam ist ihnen ihre Herkunft und dass sie alle in der gleichen Familie und in der gleichen Umgebung herangewachsen waren.

 
Diese, wegen ihrer Selbstverständlichkeit doch recht banale Erkenntnis, dass alle Menschen verschieden sind, so wie die Kinder der genannten Beispielfamilie, verdient aber unser aller besonderen Aufmerksamkeit, wenn die – nach meiner Überzeugung ebenso selbstverständliche - Erkenntnis hinzugefügt wird, dass alle Kinder, sobald sie ins Leben treten, die gleichen Bedürfnisse haben. Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen, wenn diese Kinder gedeihen sollen.

 Die Psychologin in einer Beratungsstelle wurde von der Mutter von Mark um Rat und Hilfe gebeten. Der Junge war in der Schule aufgefallen, weil er extrem unruhig und unaufmerksam war. Nun hatte er sogar noch gestohlen.

Die Mutter von Mark, beteuerte ihrer Besucherin immer wieder, dass sie ihren  zwölfjährigen Sohn liebe, dass sie alles für ihn getan habe, dass sie nicht verstehe, warum er angefangen habe in Geschäfte zu gehen und dort zu klauen. „Er hat doch alles, was er braucht“, ich verstehe das nicht.“ Nervös drückt sie die Zigarette aus und zündet sich gleich wieder eine an.

Mark sitzt dabei, schaut demonstrativ zum Fernseher, der durch die offen stehende Tür drüben in seinem Zimmer zu sehen ist und läuft und läuft… „Nun sag doch auch mal was“ drängt die Mutter, warum hast du denn schon wieder gestohlen?“ Mark zuckt nur mit den Schultern, schaut kurz vor sich hin dabei und dann wieder hinüber zum Fernseher. 

Dies ist eine Szene, die sich beinahe täglich wiederholt und die alle Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter kirchlicher oder öffentlicher Jugendhilfe bei ihren Hausbesuchen erleben. Kinder rutschen ab, Eltern verstehen das nicht und sind davon überzeugt, alles für ihr Kind getan zu haben. Sie haben, so kann man sagen, ihre Kinder nach "bestem Wissen" erzogen. Doch nicht immer reicht dieses "beste Wissen" aus. Nicht selten belasten Faktoren wie Scheidungen, Arbeitslosigkeit, Armut oder Krankheit den Lebensbereich Familie und beeinträchtigen eine für die Entwicklung von Kindern positive Atmosphäre[1]. Wenn Familien in Not sind, dann geraten auch die Kinder in Not und brauchen Hilfe. Hilfsangebote für Familien gibt es viele. Doch stimmen weder Eltern noch Helferinnen und Helfer darin überein, wenn es darum geht, die Ursachen der Probleme herauszufinden und die Strategien der geeigneten Hilfen zu vereinbaren. Beiden Teilen fehlt, wie oft auch den anderen Beteiligten, den Kindergärtnerinnen oder Lehrerinnen und Lehrern, das Wissen um die kindlichen Grundbedürfnisse und damit die Maßstäbe, aus denen sich die Konsequenzen für das Zusammenleben mit Kindern ergeben. Mit meinem Beitrag wird diese Lücke gefüllt und Auskunft darüber gegeben, was Kinder brauchen, um sich gut entwickeln zu können[2].
Ein zurzeit aktuelles Thema der Bildungspolitik in unserem Lande ist der zu geringe Anteil von Kindern aus bildungsfernen Schichten unter den Hochschulabsolventen. Zu den Ursachen dieses Defizits gehört, dass den Grundbedürfnissen, die als Vorbedingung jeder Lernbereitschaft zu sehen sind, in Familie, Tagesstätte oder Schule von der Bildungs- und Sozialpolitik zu wenig Beachtung geschenkt wird.
In sein Leben bringt ein Kind Grundausstattungen mit, die wir als „angeboren“ bezeichnen. Welche das sind und wie sie sich im Verlaufe der Entwicklung bemerkbar machen und sich mehr oder weniger durchsetzen, das wissen wir Eltern bei der Geburt noch nicht. Was wir aber kennen sollten, das sind jene Grundbedürfnisse in dessen Netzwerk sich die angeborenen körperlichen, geistigen und seelischen Eigenschaften – und zwar relativ unabhängig von Berufen der Eltern und ihren Einkünften - entfalten können. Und über die möchte ich Sie, liebe Eltern, Großeltern und Ihnen allen, die beruflich an der Erziehung und Bildung von Kindern mitwirken oder über deren Schicksal zu entscheiden haben, informieren


 2. Kindeswohl und Grundbedürfnisse 

Die Bedürfnisse von Kindern waren und sind zu allen Zeiten und in allen Kulturen oder in jeder Bevölkerungsgruppe die Gleichen. Bei näherem Hinschauen ist erkennbar, dass die hier vorgetragenen "Grundbedürfnisse" konkreter Ausdruck der in der deutschen Rechtsprechung zentralen Formel vom "Wohl des Kindes" sind. Was mit "Wohl des Kindes" begrifflich gefasst und mit den "Grundbedürfnissen" konkretisiert wird, ist in ihrer kulturübergreifenden Gültigkeit zugleich ein hochbedeutsames Element der allgemeinen Menschenrechte.  In einer Schrift des Deutschen Jugendinstituts finden wir  Beiträge  der Psychologin Annegret Werner in denen sich - u. a. unter der Überschrift "Was brauchen Kinder, um sich altersgemäß entwickeln zu können?" ergänzend zu meinen Beiträgen und mit anderen Akzenten bedseutsame Hinweise. Andere Schriften bekräftigen die hier vorgetragenen Grundbedürfnisse und ergänzen sie auch.

Zu denken ist hier an das Buch von Alfred Weinrich u. a. "Die sieben Grundbedürfnisse von Kindern" (Weinheim u. Basel 2002), an die im Internet von der Stadt Bielefeld als Pdf - Datei angebotene Schrift der Deutschen Liga für das Kind in der Familie, Berlin http://www.bielefeld.de/ftp/dokumente/WasKinderbrauchen.pdf oder die Informationen unter der Internetadresse http://dokumente-online.com/grundbeduerfnisse-von-kindern.html.

 Weder Veränderungen in politischen und ökonomischen Systemen noch in den Bereichen der Kultur, wie zum Beispiel unterschiedlicher Akzentuierungen von Wertvorstellungen, haben etwas an diesen Grundbedürfnissen geändert.In einem Interview in der Zeitschrift Diskurs (2/1992) sprach Urie Bronfenbrenner in diesem Zusammenhang von den in der Erziehung gültigen "Universalien". Diese  "Universalien in der Kindererziehung" sind genau die, die sich in den Forschungsergebnissen der verschiedenen humanwissenschaftlicher Disziplinen widerspiegeln.Die us-amerikanischen Professoren Thomas Berry Brazelton und Stanley Greenspan ziehen nach ausführlichen Recherchen eine niederschmetternde Bilanz:"Die elementaren Bedürfnisse der Kinder werden weder bei uns noch in anderen Ländern wirklich befriedigt"[3]. Beide Mediziner haben folgende Grundbedürfnisse" ("irreducible needs", d. i.: nicht ableitbare, unabdingbare Bedürfnisse) herausgearbeitet:

Beständige liebevolle Beziehungen,
körperliche Unversehrtheit,
Sicherheit und Regulation,
Erfahrungen, die auf individuelle Unterschiede zugeschnitten sind,
entwicklungsgerechte Erfahrungen,Grenzen und Strukturen,
stabile, unterstützende Gemeinschaften und kulturelle Kontinuität,
globales Verantwortungsbewusstsein, das auch die Kinder in armen Ländern einbezieht. 

Diese, von den Amerikanern so bezeichneten Grundbedürfnisse sind zwar sehr abstrakt formuliert und erinnern eher an Erziehungsziele, sie enthalten aber durchaus Elemente, die sich auch auf den auf diesen Seiten veröffentlichten Bedürfnissen - wenn auch in konkreterer Gestalt und aus dem Erfahrungshorizont betroffener Eltern sowie Pädagogen und Psychologen aus theoretischen und praktischen Arbeitsfeldern, wieder finden.

 Stephan Hessel geht von einer Ethik des Mitfühlens aus, die in unserer Zeit dir Basis allen Tuns und Lassens zu sein hat, wollen wir - als Menschheit - überleben. „Wir müssen eine neue Art Erziehung realisieren, die nicht zum Egoismus, sondern zum Mitgefühl führt“ fordert der Philosoph Stephane Hessel (An die Empörten dieser Erde. Vom Protest zu Handeln. Hrsg. von Roland Merk. Berlin 2012, S.28). Mitgefühl, das sind für ihn menschliche Eigenschaften wie Anteilnahme, Mitleid, Einfühlungsvermögen und Verständnis (Berlin 2012, S. 82).

Diese Ethik als Ausgang und Ziel aller pädagogischen Bemühungen braucht Antworten auf die Frage nach den praktischen Schlussfolgerungen im alltäglichen Zusammenleben in Familien und pädagogischen Einrichtungen.  Antworten erschließen sich  aus dem Wissen um und die Beachtung von den Grundbedürfnissen unserer Kinder.

Dass auch in Deutschland Mediziner nach optimalen Bedingungen für die kindliche Entwicklung fragen, das zeigen uns die Vertreter der Gehirnforschung. Deren Forschungsergebnisse bestätigen in sehr eindrucksvoller Weise den Erfahrungsschatz und die Handlungsempfehlungen maßgeblicher Pädagogen seit Johann Amos Comenius im 17. Jahrhundert bis heute[4].Es handelt sich dabei weniger um bestimmte pädagogische Strategien, als vielmehr um bestimmte allgemeine Verhaltensweisen und menschliche Haltungen, wie sie Begriffe wie "Achtung" vor jedem Kind, "Verantwortung für ein Kind und seine Entwicklung" oder sehr wohl beschreibbare "Familienatmosphären" andeuten. Gerald Hüther zum Beispiel geht davon aus, dass sich zwei "Grunderfahrungen" in der kindlichen Entwicklung: "die Erfahrung engster Verbundenheit und die Erfahrung eigenen Wachstums und des Erwerbs eigener Kompetenzen..." zu Grundbedürfnissen heranbilden, die während unseres Lebens erhalten bleiben (Hüther, Gerald: Was wir sind uns was wir sein könnten. Frankfurt a. M. 2011, S. 46).

Auch der relativ junge Zweig der Genforschung, die "Epigenetik" entdeckt immer mehr Zusammenhänge zwischen der Lebensweise unserer Vorfahren - und hier besonders der Eltern und ihrem Erziehungsstil - und der Disposition für bestimmte Erkrankungen und Verhaltensweisen. Sowohl während der Schwangerschaft als auch in den ersten Lebensjahren werden in - für die Zukunft eines Menschenlebens entscheidender Weise - Weichen gestellt:

Der Wissenschaftsjournalist und Experte für die Epigenetik sagte dazu in einem Radiovortrag (SWR Aula v. 16.10.2011: Der zweite Code - Wie wir unser Erbgut steuern können) u. a.:

"Forscher in Montreal haben Suizid-Opfer untersucht, die als Kinder missbraucht wurden, und sie fanden in deren Gehirnen ganz ähnliche Veränderungen wie in den Gehirnen der Ratten, die von ihren Müttern nicht richtig umsorgt worden sind. Moshe Szyf, einer der Autoren dieser Arbeit, sagt dazu: Das Verhalten der Eltern, Erzieher, Freunde und Lehrer hat einen tiefen Einfluss auf das gesamte spätere soziale Verhalten eines Menschen und auf seine Physiologie. Das sollte uns wirklich zu denken geben. Wir denken oft, erst in der Schule werden die entscheidenden Weichen gestellt oder in der Pubertät. Nein, das beginnt alles viel früher...


Welches Einzelthema wir auch betrachten: unsere pädagogische Wirksamkeit in Erziehung und Bildung in den Familien und in Pädagogischen Einrichtungen ist von jenen universellen Bedingungen beeinflusst. Und wenn ich die Formulierung gewählt habe: „Jedes Kind hat das Bedürfnis nach…“ dann sollte das nicht missverstanden werden. Es ließe sich dafür auch setzen: „Jedes Kind hat Anspruch auf…“ Dies zu vermitteln, ist mir ein ganz zentrales Anliegen. 

Die Bedeutung des "Kindeswohls", das auf diesen Seiten in einer für jede Leserin und jeden Leser plausiblen Weise unmittelbar und anschaulich fassbar wird, hat nicht nur soziale Dimensionen, sondern auch juristische und politische:Die Juristen, und hier vor allem die Familienrichter, bekommen Maßstäbe an die Hand, mit Hilfe derer sie die Gefährdung des Wohls eines konkreten Kindes in seiner konkreten Situation bewerten können.Den Politikern, und hier vor allem jenen, die familienpolitische, bildungspolitische und sozialpolitische Prozesse beeinflussen, können hinter die hier vorgetragenen Voraussetzungen nicht zurück. Es gibt komplexe Situationen, die politische und juristische Entscheidungen erschweren können. Für das Schicksal eines Kindes aber gibt es nur einen Maßstab: sein Wohl. Und hierfür die Voraussetzungen zu schaffen, sie zu bewahren und weiterzuentwickeln, ist Aufgabe aller, die Verantwortung tragen. Hierzu gehören die Eltern, die Berufspädagogen und Sozialarbeiter, die Polizisten, die Richterinnen und Richter in Familiengerichten bis zur höchsten Instanz. 
 

3. Elternverantwortung und Grundbedürfnisse 

 

Kinder sind nicht - zumindest nicht in erster Linie - für ihre Eltern da. Wohl aber Eltern für ihre Kinder!
Die Entscheidung für ein Kind ist stets zugleich die Entscheidung für eine ganz besondere Form der Verantwortung!
Ein Kind ist kein Besitz, wie ein Fahrrad oder ein Möbelstück. Es gehört also nicht uns, auch wenn wir als Mutter oder Vater von "meinem" Kind sprechen. Doch das ist so selbstverständlich und banal, dass es eigentlich keiner gesonderten Erwähnung bedürfte, wenn, - ja wenn! - es nicht doch Eltern gäbe, die meinten, das ist mein Kind und ich allein habe zu bestimmen, ich allein weiß, was ihm gut tut, ich ..., ich..., ich...". Sogar die Entscheidung über Gesundheit und Leben ihres Kindes behalten sich einige Eltern vor, wie die folgende Episode aus Zürich beweist:

…Die Frau fuhr ein Velo mit Anhänger, in dem ihr Kind saß und überquerte seelenruhig bei Rot die Kreuzung. Als der Polizist sie zur Rede stellte, schimpfte sie über die Autofahrer und die Bullen... Sie gefährde aber nicht nur sich, sondern auch das Kind, warf der Polizist … ein. Es ist mein Kind entgegnete die Frau.“ („NZZ am Sonntag“ vom 14. März 2010, S. 81)


Jedes Kind aber ist und hat eine eigenständige Persönlichkeit von Anfang an, das über die gleichen Persönlichkeitsrechte verfügt, wie jeder Erwachsene, das sich entwickelt und ausformt im Dialog mit uns. Und Dialog heißt unter anderem auch, den eigenen Willen und das eigene Streben unseres Kindes mit unseren Erfahrungen, Einsichten und Erkenntnissen in einer für unser Kind fördernden Weise in Beziehung zu bringen.
Was Eltern in Bezug auf Ihr Kind wirklich und zunächst unteilbar "besitzen", das ist die Verantwortung für ihr Kind. Über die Inhalte von Elternverantwortung wird hier unter den Stichworten "Kindeswohl" und "Grundbedürfnisse" Auskunft gegeben.
Eltern zu unterstützen, diese Verantwortung auch wirklich wahrnehmen zu können, die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, dies forderte zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits Ellen Key mit eindringlichen Worten in ihrem Buch „Das Jahrhundert des Kindes“
(1902, S. 41):

„Die verantwortungsvolle Verpflichtung gegen die Kinder wird umso strenger werden, je mehr die Gesellschaft es lernt, als eine ihrer vornehmsten Aufgaben die Verhinderung alles unverschuldeten, sinnlosen Leidens zu betrachten.“

 

4. Grundbedürfnisse und Erziehung 

Die Entwicklung eines Kindes lässt sich auch als ein von der Natur her angelegtes ständiges Streben nach Kompetenz und Autonomie, nach Selbständigkeit und Unabhängigkeit betrachten. Diese Bestrebungen begleiten und unterstützen Eltern und Berufserzieher nach besten Kräften. In unseren Zielvorstellungen, wenn wir Antwort auf die Frage geben, wohin wir das Kind führen wollen, bringen wir das gern zum Ausdruck. Die Prozesse unserer Begleitung, Unterstützung oder Führung bezeichnen wir - etwas verkürzt - als "Erziehung".  Erziehung wird in dem Ausmaß erleichtert, in dem wir Erwachsenen bereit und in der Lage sind, auf die Grundbedürfnisse eines Kindes zu achten und sie zu befriedigen. Zu diesen Grundbedürfnissen gehören neben den physischen die nach Liebe, Sicherheit, Anerkennung, Vertrauen, Verständnis, Orientierung bzw. Führung, Förderung, Freude, Frieden oder Sinn.Wenn wir uns deutlich machen, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, wie sie im Alltag unseres Familienlebens umgesetzt werden, dann wird uns bald klar, dass diese Grundbedürfnisse universell sind für das Wohlbefinden eines Menschen. Haben wir Erwachsenen das erkannt, dann ist der Schritt nicht mehr weit zu der Erkenntnis, dass wir dann von günstigen Entwicklungsbedingungen für unser Kind sprechen können, wenn in unserer Familie eine ausgewogene Balance zwischen der Befriedigung der Grundbedürfnisse unseres Kindes und unserer eigenen besteht. Diese Balance ist bei allen folgenden Erörterungen mitzudenken. Für diese Ausgewogenheit freilich kann nicht unser Kind sorgen. Ein Beispiel: Wenn Kinder zu ihrem Gedeihen "Frieden" brauchen, die ihnen wichtigen Erwachsenen aber im Unfrieden miteinander leben, dann sind alle Betroffenen sehr unglücklich darüber. Und es ist die Aufgabe der Erwachsenen, dafür zu sorgen, dass sich dieser Zustand ändert.

Ralf Caspari bringt ganz aktuell auf den Punkt, was wir anzustreben haben, wenn er schreibt:

In erster Linie wollen wir glückliche Kinder, die sich frei entfalten können, für die Wissen nichts mit Leistungsschau zu tun hat, sondern mit lebenspraktischen Strategien, die ihnen helfen, entscheidungsfähig zu sein, das Leben autonom und sinnvoll zu gestalten, den Verführungen der Medien- und Konsumgesellschaft zu widerstehen. Die vor allem umgehen können mit Widrigkeiten aller Art, mit Erfahrungen von Schmerz, Trennung, Tod..."
("Alles Neuro? Was die Hirnforschung verspricht und nicht halten kann". Freiburg 2010, S. 212).


     

5. Zur Auswahl der Grundbedürfnisse. 

"Liebe allein genügt nicht" Mit diesem Satz überschrieb der Kinderpsychologe Bruno Bettelheim eines seiner Bücher. Ist denn elterliche Liebe nicht die Hauptsache oder die Grundvoraussetzung für das Gedeihen eines Kindes? Ohne Zweifel ist das so. Es ist aber bei diesem Gedanken an einen anderen Buchtitel zu erinnern und sich vor Augen zu halten, dass Liebe nicht nur "ein Wort" bleiben darf, sondern sich im Familienalltag zeigen muss. 

Da ist zum Beispiel an die Mutter von Ralf zu denken. Der Junge war elf Jahre alt, als die Mutter einer Sozialarbeiterin gegenüber erklärte: "Ich halte es mit meinem Kind nicht mehr aus; er nervt mich total. Da muss etwas geschehen ...!" Obwohl die Mutter ihren Sohn sehr lieb hatte, fühlte sie sich am Ende ihrer Kräfte. Die Ursachen hierfür waren zwar rasch zu finden, aber sehr schwer zu verändern. Eine der vielen Ursachen war, dass die Mutter ihrem Sohn keinen Wunsch abschlagen konnte. Sie schaffte es einfach nicht, "nein" zu sagen. Folglich wandelte sich das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn allmählich. Nicht Ralf orientierte sich an seiner Mutter, noch ließ er sich auf ihre pädagogischen Bemühungen ein, sondern er dominierte seine Mutter, bestimmte allein, was sie zu tun und zu lassen hatte. 

Kinder und ihre Eltern brauchen also außer Liebe noch vieles andere mehr, wenn sie gedeihen wollen.Woher kennen wir Erwachsenen diese Bedürfnisse, die selbstverständlich auch in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen wirksam sind? Vor allem sind es die Kinder selbst, die ihre Bedürfnisse aus gegebenem Anlass ausdrücken können und, je älter umso klarer sagen, was sie wollen. Darum ist anzumerken, dass mein "Katalog" keineswegs vollständig ist und, je nach eigener Erfahrung erweitert werden kann.
Es haben sich aber auch Psychologie, Pädagogik, Anthropologie oder Neurobiologie mit diesen Fragen beschäftigt. Viele ihrer Vertreter kommen hier zu Worte. Eltern und Erzieher werden immer wieder feststellen, dass sich alle Bedingungen, die wir für eine positive Entwicklung unserer Kinder brauchen, überschneiden. Eine säuberliche Trennung ist nicht immer möglich. Es ist oben bereits angemerkt worden, dass die hier als Grundbedürfnisse einer gedeihlichen körperlichen und seelischen Entwicklung von Kindern vorzustellenden Lebensbedingungen auch für Erwachsene Geltung besitzen. Ich denke da besonders an unser Bedürfnis, von anderen Menschen freundlich und höflich angesprochen zu werden. Unsere Kinder wünschen sich das von uns auch. Daraus folgt, dass wir unsere Kinder nicht anders behandeln, wie wir möchten, von anderen Menschen behandelt zu werden. Diese Grundbedingung eines friedfertigen zwischenmenschlichen Umgangs kommt nicht aus der Pädagogik oder der Psychologie, sondern aus der chinesischen Philosophie und ist zugleich ein Fundament christlicher Ethik[5].
Dass diese „Goldene Regel“ so schwer zu verwirklichen ist und wir deren Verletzung noch heute und an jedem Tag erleben, zeigt uns, dass es nicht leicht ist, ein als wertvoll anerkanntes Verhalten in die Tat umzusetzen. Insofern auch wollen wir uns bescheiden: Alle von pädagogischen Fachkräften als sinnvoll und richtig erkannten Verhaltensweisen von Eltern ihren Kindern gegenüber, stehen unter dem Vorbehalt unserer eigenen Unzulänglichkeit. Wir wollen zwar immer das Beste - aber wir "sind halt auch nur Menschen".
Diese Selbsterkenntnis soll uns jedoch nicht daran hindern, darüber nachzudenken, darüber zu sprechen und uns zu vergewissern, was denn - von unserer Lebenserfahrung und von den Wissenschaften her bestätigt - für unsere Kinder gut und schlecht ist. Am Anfang der Entwicklung eines Menschen stehen die Kindheitsphasen in Elternhaus, Tagesstätten und Schulen. Diese Lebensbereiche sind es, die für eine Entwicklungsfördernde Befriedigung der Grundbedürfnisse jede Unterstützung verdienen. Sowohl die politischen Gremien, die staatliche Verwaltung wie auch jeder Einzelne in seiner Eigenschaft als Staatsbürger tragen die Verantwortung dafür, dass alle Mittel bereit gestellt und alle Möglichkeiten genutzt werden, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Grundbedürfnisse unserer Kinder sichern. 

Oder denken wir an andere Elemente der hier zusammen gestellten Grundbedürfnisse, die allgemein gültig sind, wie zum Beispiel das Bedürfnis nach "Vertrauen". Am 29. Januar 2012 sprach Professor Jens Beckett, Direkor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln zum Thema "Vertrauenskrise - Ökonomie und Vertrauen" (SWR Aula) und hielt fest:
"Vetrauen ist die zentrale Ressource gerade moderner Volkswirtschaften... Vertrauen ist der Anfang von allem" (Manuskript, S. 3). Gerade im Finanz- bzw. Bankgeschäft gilt Vertrauen als eine "zentrale Grundlage" und dem "Vertrauensmanagement" wird große Aufmerksamkeit zuteil (daselbst). Gegenseitiges Vertrauen haben ist aber auch eine bedeutsame Voraussetzung für positive zwischenmenschliche Beziehungen überhaupt. Und wieder begegnen sich wirtschaftliche - aber auch politische - und soziale Bedingungen eines gelingenden menschlichen Zusammenlebens.

Mit der Bedürfnisauswahl werden Akzente gesetzt ohne damit andere Lebensbedingungen, die dem Kindeswohl dienen, ausschließen zu wollen. Für die Entwicklung von Kindern sind zum Beispiel Bewegung, Musik, Räume, Begegnungen mit der Natur ebenfalls von großer Bedeutung. Gläubige Menschen in den verschiedenen Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften werden ihre Glaubensinhalte als Bedürfnisse betrachten.Bruno Bettelheim schrieb ein Buch mit dem Titel "Kinder brauchen Märchen" (München 1980) eine Einsicht, die auch die Waldorfpädagogik teilt, wie es Arnica Esterl in "Erziehungskunst" (Nr. 9/2000, S. 919- 928) darstellt.
Andere Autoren widmen noch anderen Bedürfnissen ihre Aufmerksamkeit, wie zum Beispiel Armin Krenz: "Was Kinder brauchen. Entwicklungsbegleitung im Kindergarten"
(Freiburg 1995). Einige, der hier erwähnten Bedürfnisse überschneiden sich auch oder widersprechen sogar den Auffassungen anderer Pädagogen. So grenzt zum Beispiel Armin Krenz "Erziehung" ab von "Entwicklungsbegleitung". Wir finden ähnliche Unterscheidungen auch im Konzept der "Antipädagogik", wie es Ekkehard von Braunmühl (Weinheim 1975) oder etwas modifiziert Hubertus von Schoenebeck ("Unterstützen statt erziehen..." München 1982) vertreten. Dagegen wird gegenwärtig von einigen Autoren, von Eltern und Berufspädagogen mehr "Mut zur Erziehung" gefordert und der Erziehungsprozess gleichgesetzt mit Befehl und Gehorsam (vgl. z. B.: Bernhard Bueb: Lob der Disziplin: München 2006).

Derartig unterschiedliche Vorstellungen trugen und tragen nicht zuletzt zu den bereits erwähnten Unsicherheiten bei, von denen vor allem die in Ausbildung befindliche Berufspädagogen betroffen waren. Ob ein Kind Erziehung, verstanden als bewusste direkte und indirekte Formen der Beeinflussung von Haltungen und Verhaltensweisen durch Erwachsene überhaupt braucht, wird von einigen Autoren in Frage gestellt. Über diese Fragen nachzudenken ist legitim. Wer aber Eltern und Berufspädagogen keine andere, sich in der Lebenswirklichkeit bewährte, alternative Orientierung anzubieten hat, handelt leichtfertig. Jeder von uns Eltern und Berufserziehern hat erlebt, dass unsere erzieherischen Bemühungen in jeder Entwicklungsphase an Grenzen stießen. Grenzerfahrungen aber sollten zum Nachdenken über uns selbst, über unser Verhalten dem Kind gegenüber und nicht in die Resignation führen oder uns zu einer Haltung veranlassen, das Kind sich gleichsam selbst zu überlassen. Wer nach vergeblichen Anläufen der Einflussnahme auf ein Kind das Handtuch wirft und sagt "mach doch was du willst", öffnet dem Kind, das Orientierung wünscht und Grenzen fordert, die Tür hin zu anderen, durch uns nicht beeinflussbaren Ansichten und Verhaltensweisen. Wenn Eltern sich sagen (lassen) müssen, dass Fehlentwicklungen ihrer Kinder in Umständen ihre Wurzeln haben, die in den Familie beziehungsweise im familiären Umfeld gesucht werden müssen, oder wenn Fehlentwicklungen in der Schule ausgelöst werden, weil dort die Grundbedürfnisse nicht beachtet wurden, dann steht nun eine Plattform zur Verfügung von der aus die Situation eines Kindes geprüft und diskutiert werden kann mit dem Ziel, eine optimale Entwicklung dieses Kindes zu ermöglichen. 

Zunächst eine Übersicht der Grundbedürfnisse, die auf den folgenden Seiten erläutert werden:  

 

Beschreibung: Wabe

Dies sind die Links zu den Grundbedürfnissen

 

Die Darstellung in Wabenform symbolisiert, dass alle Bedürfnisse als Elemente eines Systems zu denken sind und sich u. a. gegenseitig beeinflussen und durchdringen und dass alle den gleichen Stellenwert in einem Menschenleben haben. Dieser Wert kann zwar von Situation zu Situation variieren. In Krankheitsphasen werden zum Beispiel physiologische Bedürfnisse eher im Vordergrund stehen, als das Bedürfnis nach Förderung. Dennoch haben alle die hier genannten Bedürfnisse eine wichtige Funktion und tragen gemeinsam das Ihre zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Wenn aus diesem System ein Element beschädigt ist oder gar ganz ausfällt und kein anderes diesen Ausfall zu kompensieren vermag, dann kommt es zu Störungen in der seelischen Entwicklung. 


Anmerkungen

[1] „Erziehung ist Atmosphäre, weiter nichts“ meinte Thomas Mann. In: Tagebücher 1918 - 1921, hrsg. Von Peter de Mendelsohn, Frankfurt a. M. 1979, S. 18 (28.09.1918). Über Begriff und Inhalt der „Pädagogischen Atmosphäre“ vgl. u. a.: Bollnow, Otto Friedrich: Die pädagogische Atmosphäre. Heidelberg 1964. Lewin, Kurt: Experimente über den sozialen Raum (1939) II. In: Die Lösung sozialer Konflikte. Bad Nauheim 1953, S. 116 - 121

[2] Ich habe über dreißig Jahre für ein Kinderheim gearbeitet, dort die familiären Verhältnisse von mehr als dreihundert Kindern kennen gelernt. Für Bildungswerke begleitete ich zahlreiche Familienwochenenden und sprach mit Eltern und Kindern über deren Probleme. Seit 1976 wurden, die in den Familien beobachteten vielfältigen Phänomenen beziehungsweise die von ihnen mitgeteilten Erfahrungen ausgewertet und in eigenen theoretischen und empirischen Studien verarbeitet. Die Ergebnisse dieser Arbeiten, in denen der Akzent auf der Analyse von realen Lebensverhältnissen lag, ermöglichten es, die Grundbedürfnisse von Kindern herauszufiltern. Im Zusammenhang mit der Entwicklung didaktischer Konzepte für die Kindergärten und unter Bezug auf Kinderschicksale arbeitete Christoph Maurer (Probleme pädagogischer Zielformulierungen am Beispiel vorschulischer Institutionen. Freiburg 1986) elementare kindliche Bedürfnisse heraus, die als Operationalisierungen des Kindeswohls gelten können.

[3] "Die sieben Grundbedürfnisse von Kindern. Was jedes Kind braucht, um gesund aufzuwachsen, gut zu lernen und glücklich zu sein" Weinheim und Basel 2002, S. 9
       vgl. weiter die sehr interessanten und aus der Kenntnis der Not mancher Kinder heraus gewachsenen Ausführungen aus dem Landreis Görlitz:         http://www.sfws-goerlitz.de/cms/index.php?article_id=43

[4] Vgl. hierzu den Aufsatz: „Die Gehirnforschung aus pädagogischer Perspektive“

[5] Von Konfuzius, der von ca. 551 bis 479 v. Chr. Lebte, ist überliefert: „Zigong fragte: Gibt es einen Begriff, nach dem man das ganze Leben hindurch handeln kann? Der Meister antwortete: Das ist wohl die Gegenseitigkeit: Was man selbst nicht wünscht, das tue man anderen nicht an.“Im Evangelium des Matthäus, Kap. 7.12 heißt es: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch; das ist das Gesetz und die Propheten.“Und hier noch ein ganz aktueller Bezug: Franz Josef Wetz, Professor für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gemünd erklärte in einem Vortrag über Menschenwürde: „Man sollte wollen, dass dem anderen als Mindestmaß gewährt wird, was man auch für sich selbst beansprucht“. Wetz deutet diesen „Gestaltungsauftrag“ als Bestimmungselement von Menschenwürde als ein „ethisch egoistisches Motiv…, weil man selbst (nur dann) mittelfristig und auf Dauer seine eigenen Wünsche und Interessen erfüllt bekommt.“ (Aus: SÜDWESTRUNDFUNK SWR2 AULA - Manuskriptdienst (Abschrift eines frei gehaltenen Vortrags) Die Menschenwürde, eine Illusion? Teil 1: Die Entzauberung eines Ideals (Sendung: Sonntag, 13. Januar 2008, 8.30 Uhr)  

Weitere Literaturhinweise im Zusammenhang mit Grundbedürfnissen

 

Dr. Joachim Rumpf

(erste Fassung 1988)

Wie alle andern Aufsätze auf dieser Homepage, werden auch
 die Aussagen über die Grundbedürfnisse von Kindern laufend
auf ihre Gültigkeit überprüft und gegebenenfalls ergänzt.

j.rumpf@gmx.de  

 

In den Familien, in denen die Grundbedürfnisse von Kindern ungenügend beachtet werden, kann die Not von Kindern so groß werden, dass sie ihre Hilferufe unübersehbar und unüberhörbar aussenden. In Kindergarten und Schule werden diese "Kinder in Not" als auffällig erlebt. Gelegentlich stößt auch ein aufmerksamer Arzt auf die Not eines Kindes, wenn er Spuren von Misshandlungen entdeckt aber die Eltern beteuern, dass das Kind nur hingefallen sei (so aus der Stadt Wehr im Kreis Waldshut in diesen Tagen berichtet. BZ am 14.01.08).

Es wird aber immer schwerer, diesen "Kindern in Not" und ihren Familien zu helfen. Was ich dazu zu sagen habe, lesen Sie bitte auf der Seite "Kinder in Not"!

Dieser Aufsatz wurde ergänzt mit Ausführungen über Hürden, die in der Jugendhilfe vorhanden sind, wenn Kindern in Not geholfen werden müsste.

 

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