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Dr. Joachim Rumpf

Aufsätze zur Pädagogik

 


Werte und Normen in der Erziehung

 

Die Treue - ein Beispiel für einen zeitlos gültigen Wert

 

Das Treueverhältnis findet sich im alten Testament ebenso wie in den germanischen Stämmen oder im hohen Mittelalter. Im Christentum begründet die Treue Gottes zu den Menschen die Verpflichtung der Treue zwischen den Menschen und gewinnt besonders in der Trauung gesellschaftlich gültige Realität.

Die Treue (ein althochdeutsches Wort) bedeutet die feste Haltung in eine eingegangene Bindung, auf die der jeweils andere vertrauen kann und beruht stets auf Gegenseitigkeit. Im Lehnseid des Mittelalters finden wir dieses Treueverständnis ebenso wieder, wie zum Beispiel später in Preußen. Bekanntlich orientierten sich im vergangenen Jahrhundert alle deutschen Staaten an jene „preußischen Tugenden“ zu denen neben Pflichterfüllung, Gehorsam und Opferbereitschaft die Treue einen hohen Rang besaß. Auch in Baden wurde 1715 vom Markgrafen der „Treueorden“ als höchste Auszeichnung gestiftet. „Üb immer Treu und Redlichkeit...“ (ein Lied nach einem Gedicht von Ludwig Hölty) klang vom Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche ins Land und war bis 1945 das Pausenzeichen des Deutschlandsenders. Und bis 1945 lernten wir in der Schule das Gedicht „Deutscher Rat"„ von Robert Reinick, der in der Zeit vor 1848, als in Deutschland um Einigkeit und Freiheit gerungen wurde, schrieb:


"Vor allem eins mein Kind: sei treu und wahr!
Lass nie die Lüge deinen Mund entweih´n.
Von alters her im deutschen Volke war
der höchste Ruhm, getreu und wahr zu sein."

Vom Glockenturm der Potsdamer Garnisonkirche hörten die Potsdamer seit 1797 weithin das Glockenspiel mit der Melodie (Papageno- Motiv aus Mozarts Zauberflöte) des von Ludwig Hölty (1748 - 1776) geschriebenen Gedichtes:

"Üb immer treu und Redlichkeit
bis an dein kühles Grab
und weiche keinen Finger breit
von Gottes Wegen ab"

Und in der Schulzeit lernten wir Freundestreue und Verlässlichkeit am Beispiel der Ballade "Die Bürgschaft" von Friedrich Schiller kennen, an deren Ende es heißt: "Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn - ..."

Diese Gedichte mit ihren hohen ethischen Normen gingen verloren. Da der deutsche Faschismus Missbrauch mit ihnen trieb und zum Beispiel mit der SS (auf deren Koppelschloss das Gelöbnis stand: „Meine Ehre heißt Treue“) deutsche Tugenden einen üblen Geruch bekamen, schütteten die Besatzungsmächte und wir selbst das Kind mit dem Bade aus und entfernten radikal alles, was uns in der Werteerziehung hätte helfen können.

Gültig sind Wahrhaftigkeit und Treue jedoch geblieben! Denken wir nur an folgende Beispiele:

Wir finden Treue als Verpflichtung anlässlich der Gelöbnisse bei der Rekrutenvereidigung wieder. Der Bundeskanzler und seine Minister müssen schwören, dem deutschen Volk „treu zu dienen“, wir lesen fast täglich in den Zeitungen von Mitbürgern, die über Jahrzehnte einem Verein „treu“ geblieben sind.
Sogar in der Wirtschaft, im Arbeitsrecht zum Beispiel, finden wir den Begriff der „Betriebstreue“. Oder denken wir an die „Treuhandgesellschaft“ oder, aus dem Wirtschafts- und Zivilrecht an die Formel von „Treu und Glauben“.

Nein, lassen wir uns von niemandem einreden, Werte seien verloren gegangen oder Politik und Ökonomie hätten nichts mit Moral oder Ethik zu tun! Diejenigen, die beides trennen, tun das nur zu eigenem Nutzen und zum Schaden all jener, die auf „Treu und Glauben“ vertrauen.

Mein Beispiel in diesem Zusammenhang ist das Verhältnis von gegenseitiger Treue und Verpflichtung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Sollte ein Arbeitnehmer innerbetriebliche Vorgänge nach außen tragen (die Verschwiegenheitspflicht ist ein zentrales Element des Treueverhältnisses), so wird er fristlos entlassen und hat mit schweren Strafen zu rechnen.

Umgekehrt aber schließen Unternehmen und setzen selbst ihre treuesten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Straße, wenn es ihnen aus wirtschaftlichen Gründen (noch höhere Gewinne u.a.m.) zweckmäßig erscheint. Sogar rentabel arbeitende Unternehmen werden aufgekauft und geschlossen, wenn dadurch Konkurrenz beseitigt oder noch mehr Gewinn für Unternehmer und Aktionäre herausguckt. In unserem Turbokapitalistischen System gilt: die höchsten Gewinne für wenige Privatleute. Für die sozialen Folgekosten fordern Unternehmer und Politiker unisono "Solidarität" ein.
Ethische Kategorien gelten also nur für die Arbeitnehmer und vergleichbar Abhängige und Ohnmächtige. Den Wert "Treue" und andere werden in unserer Gesellschaft von jenen missachtet, die einen ökonomischen oder politischen Vorteil daraus ziehen. Und das sind in der Regel genau jene, durch deren Vorbildverhalten Werte vermittelt werden sollten. Und alles dies wird von Recht und Gesetz gedeckt! Hier ist "etwas faul im Staate Dänemark" .

Ich möchte, angesichts dieser Praxis behaupten, dass allein bei jenen Persönlichkeiten, die Macht in Wirtschaft, Politik und Kultur anstreben, haben und erweitern wollen, jene Werte verraten werden, die in unserer Gesellschaft gelten. Und wenn vom Vertrauensverlust in die Politik (bzw. zu den Politikern) gesprochen wird, dann hat das genau darin seine Ursache (vgl. dazu auch die Ausführungen über die doppelte Moral!).

Bei derartigen Schlussfolgerungen wird das Denken eines Pädagogen wie jedes nachdenkenden Bürgers stets auf ökologische, politische, soziale oder ökonomische Rahmenbedingungen gelenkt und darauf, dass alles im Zusammenhang gesehen werden muss. Diese Feststellung gilt auch für die Gestaltung der Seiten auf dieser Homepage, die bei derartigen Gedankengängen durchaus in Beziehung zu Inhalten auf der Salpererer-Homepage stehen.

Im privaten Bereich, im Alltag jedes Menschen - und auch im Gewissen jedes Einzelnen - aber haben Werte, wie Treue, Verlässlichkeit oder Nächstenliebe noch einen hohen Wert! Das Kölner Meinungsforschungsinstituts "You-Gov

" ermittelte im April 2011, dass "Treue" und "Zuverlässigkeit" bei 22 Prozent der Befragten als bedeutsame Werte vornean stehen. Bemerkenswerter Weise spielt bei den befragten Politikern die "Treue" überhaupt keine Rolle (vgl. auch: Badische Zeitung v. 29.06.2011)

Wenn wir beschreiben, was "Freundschaft" ist, dann stehen gegenseitige Treue, Vertauen, Verlässlichkeit und Hilfe ganz oben an. Friedrich Schiller hat in seiner Ballade "Die Bürgschaft" ein hohes Lied der Freundestreue gesungen. Und dieser Wert ging verloren? Nein! Denken wir nur an die Ehe:

Für Eheleute beziehungswiese eheähnliche Lebensgemeinschaften besitzt eine auf Gegenseitigkeit beruhende und so verstandene Treue eine besonders hohe Gültigkeit. Wir geloben uns gegenseitige Treue bei der Eheschließung. Dieses Gelöbnis aber ist keineswegs eine leere Formel, die man beliebig vergessen darf! Wie wichtig Frauen und Männern die eheliche Treue ist, das beweisen uns die negativen Beispiele: Treuebruch gehört zu den häufigsten Scheidungsgründen und zerstört darüberhinaus auch zahllose nichteheliche Beziehungen zwischenPartnern. Treulosigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen, belastet das Gewissen des Einzelnen und ist in nicht wenigen Fällen Grund für seelische Erkrankungen.

Vgl. dazu auch die Ausführungen über den Sinn als Grundbedürfnis.

"Der Sinn des Lebens besteht darin, sich zu fragen: Was sind unsere Werte,
welche halten wirklich
und aufgrund welcher standhaltenden Werte müsstest du dein Leben einrichten?"

(Margarete Mitscherlich. In: Bad. Ztg. v. 14.07.07, S. III)

Und einer der sinnstiftenden Werte, die zeitlos stand hielten, ist die Treue!

© Dr. Joachim Rumpf
zuletzt überarbeitet: 30.09.2007



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