Es
gibt also Schulen, in denen Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam mit Eltern, Schulträgern
und mit der Beteiligung von Schülerinnen und Schülern neue Wege in der
Gestaltung des Schullebens beschreiten. Diese gleichsam alternativen Schulen sind
keineswegs neu. Die reformpädagogische Bewegung setzte zu Beginn des zwanzigsten
Jahrhunderts ein. Deren Initiatoren wandten sich vom von ihnen als starr und Kinderfern
erlebten Staatsschulwesen ab und gründeten, gemeinsam mit sympathisierenden
Sponsoren, "Reformschulen". Die freien Waldorfschulen entstanden und
Internatsschulen wie Schulpforta bei Naumburg, die Schule Schloss Salem, der Birklehof
in Hinterzarten oder andere Landerziehungsheime. Diesen heute noch bestehenden
Schulen, die in vielfach weiterentwickelten Organisationsformen ihre innovativen
Kräfte vervielfachen und die Angebote differenzieren, wie zum Beispiel im
Feld der freien Waldorfschulen gut nachweisbar (vgl. dazu: www.waldorfschule.info)
treten in unserer Zeit andere Initiativen zur Seite. Da ist zu denken an das "Netzwerk
innovativer Schulen". Dies fand insofern eine neue Form des Verbundes, als
sich in ihm alle jene Schulkonzepte vereinen, die neue Wege in Unterricht und
Schulleben beschreiten. Das Neue in unseren Tagen ist, und hier eröffnet
sich ein große Chance, dass diese Schulen sich allen Interessierten
und dem Meinungs- und Erfahrungsaustausch öffnen, da sie virtuell zugänglich
sind. Aus den Sites der www.netzwerk-innovativer-schulen.de
hier ein Textausschnitt einer Kasseler Schule: |
"Vor
Beginn des Schuljahres 1999/2000 bestand bei einer Reihe von Kolleginnen und Kollegen
der Joseph-von-Eichendorff-Schule die Überzeugung, dass zur Überwindung
des traditionellen Unterrichts neue Lernformen eingeführt und ausprobiert
werden sollten. Dies sollte eine Antwort auf den wachsenden "Leidensdruck"
der Unterrichtenden sein, die zunehmend unmotivierte, mit den Mitteln des herkömmlichen
Unterrichts nicht mehr zu erreichende Schüler vorfanden. Unsere Schule liegt
im sozialen Brennpunkt Kasseler Osten, einem Stadtteil mit hoher Arbeitslosigkeit
und vielen ausländischen Mitbewohnern. Uns wurde bewusst, dass nur Schüler,
die in hohem Maße eigenverantwortliches und selbstständiges Arbeiten
gelernt haben, den Anforderungen, die auf sie in ihrem Berufs- und Privatleben
zukommen, gewachsen sein werden. Die Gesamtkonferenz der Schule beschloss
im April 1999 im Rahmen des Schulprogramms die Einführung neuer Lernformen
als Konzept für einen zeitgemäßen Unterricht. Ungefähr zeitgleich
ergab sich für die Schule die Möglichkeit, in einem Lernnetzwerk der
Bertelsmann Stiftung teilzunehmen. Diese Chance wurde aktiv aufgegriffen.
Die im Schulprogramm formulierten Ansprüche bezüglich der Einführung
neuer Lernformen ließen sich nach Auffassung vieler Kollegen am besten verwirklichen,
wenn auch die Lernumgebungen, d.h. die Klassenräume der Schüler, zu
Lernwerkstätten mit den entsprechenden Einrichtungen umgestaltet würden.Mit
dem selbstständigen Lernen in zu Lernwerkstätten hergerichteten Klassenräumen
wollen wir folgende konkreten Ziele erreichen:
" Die Schüler sollen in besonderem Maße selbstständiges,
eigenverantwortliches Lernen mit hoher Eigenaktivität praktizieren.
" Jeder Schüler soll seinem individuellen Lernvermögen entsprechend
optimal gefördert werden. " Die Schüler sollen ihre überfachlichen
Kompetenzen verbessern. " Die Schüler sollen sich mit ihrer
Lernwerkstatt und damit ihrem Klassenraum identifizieren. " Die
Arbeit mit den neuen Lernformen in den Lernwerkstätten soll zur Erhöhung
bzw. Wiedergewinnung der Berufszufriedenheit auf Lehrerseite beitragen.
" Die Arbeit mit den neuen Lernformen in den Lernwerkstätten soll die
berufliche Belastung der Lehrer reduzieren."
|
Das Eigenwillige
an diesem Konzept ist die sehr enge Verknüpfung von theoretischen mit praktischen,
werkstatthaften Elementen. Diese Verknüpfung erinnert u. a. an die Landerziehungsheime
aber auch an die Oberschulen in der ehemaligen DDR, in denen sogar mit dem Schulabschluss
der Lehrabschluss in einem handwerklichen Beruf angestrebt wurde. Leisten die
Kasseler und viele andere Schulprojekte Pionierarbeit für eine pädagogische
Neuorientierung, die zugleich Schulverdruss und der Schulverweigerung vorbeugen,
so wird diese Integration von praktischer Arbeit und theoretischem Wissenserwerb
sogar bei der pädagogischen Einflussnahme auf aktive schulverweigernde Jugendliche
geleistet. Es
gibt darüber hinaus eine unbekannte Zahl von Schulen, in denen Lehrerinnen
und Lehrer aus der Einsicht, dass es wie bisher nicht weitergehen kann, praktische
Konsequenzen ziehen. Hier möchte ich auf ein beispielhaftes Unternehmen einer
bayerischen staatlichen Schule verweisen, in der das Ausleseverfahren unseres
Schulwesens über Bord geworfen wurde. Haupt- und Realschule wurden zusammengeworfen,
alle Schülerinnen und Schüler werden gemeinsam unterrichtet und orientiert
an den "Einheitsschulen" Skandinaviens oder Japans, bleiben die Schülerinnen
und Schüler solange wie möglich, und vom ersten Schuljahr an, in einer
Klasse beisammen. Natürlich, so muss hinzugefügt werden, machen Gymnasien
da nicht mit. Das brauchen sie auch nicht, da mehr und mehr Eltern darauf verzichten,
ihre Kinder bereits nach der vierten Klasse in ein Gymnasium zu schicken, weil
in dieser "Einheitsschule" mehr und lieber gelernt wird. "Binnendifferenzierung"
wird an dieser Schule groß geschrieben. Alle Kinder werden je nach ihren
Fähigkeiten gefördert und gefordert. Verlierer gibt es an dieser Schule
nicht mehr. Die meisten Schülerinnen und Schüler, mehr als in allen
anderen Schulen dieser Region, kommen so zur mittleren Reife. Weitere Informationen
über: www.ghws-amtzell.de.
|
In
der "Aktion Humane Schule Baden-Württemberg e. V." bemühen
sich seit über zwanzig Jahren engagierte Eltern sowie Pädagogen aus
Schulen und Hochschulen um eine Veränderung der Schule. Diese Bürgerinitiative
gibt es inzwischen in fünf Bundesländern. Keines der Schülern und
Eltern auf den Nägeln brennenden Themen wurde ausgespart. Im Grunde weiß
heute jede Bildungspolitikerin und jeder Bildungspolitiker, was vernünftiger
Weise - also auf Grund unserer Erfahrungen - zu tun wäre. Aber auch aus wissenschaftlicher
Verantwortung heraus - gemeint ist auf Grund der Ergebnisse wissenschaftlicher
Forschung, wie sie auch auf diesen Seiten vorgetragen werden - hätten alle,
denen an effektiven Schulzeiten gelegen ist, eine genügend große Grundlage,
den Einsichten der "Aktion Humane Schule" und anderer vergleichbarer
Vereinigungen zu folgen. Es sei zum Beispiel auf die neueste Publikation der Aktion
Humane Schule verwiesen, in der Professor Kurt Singer nachweist, dass unsere Kinder
"Ohne Noten lieber lernen und mehr leisten." Über den Bundesverband
AHS finden Sie weitere Informationen unter www.ahs.uni-osnabrueck.de. |
Dass
es Schulen gibt, die bereits seit langem diesen Erkenntnissen folgen, weil sie
- noch heute - in der Tradition der reformpädagogischen Bewegung stehen,
die in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ihre Konzepte entwickelte
und umzusetzen begann, das wissen wir, wie eingangs bereits erwähnt, von
den Waldorfschulen, den Montessorischulen oder den Jenaplanschulen.
Am 20. November 2004 zum Beispiel strahlte der Südwestfunk in seinem 2. Hörfunkprogramm
eine Sendung über eine Jenaplanschule, die "Peter-Petersen-Schule"
in Berlin Neukölln aus. Die Hörerinnen und Hörer erfuhren, dass
sich in dieser Schule, in der kaum die Hälfte ihrer Schülerinnen und
Schüler Deutsche sind, die Arbeit nach dem "Jenaplan" bewährt
hat."Die praktischen Ideen der Jenaplan-Schule", so hieß es, sind
verbunden "mit Bausteinen demokratisch-politischer Elemente, wie unter anderemSchülerparlamenten".
Eine hohe Lernmotivation wird geförderte, wenn die Mädchen und Jungen
Mitverantwortung tragen.
In
der Nr. 1 / 2005 (S. 20 - 22) der Zeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
Baden-Württemberg berichteten Klaus Hermann und Bernd Rechel über eine
Klausurtagung des Landesfachgruppenausschusses Grundschule, in der Erfahrungen
über Schulen beziehungsweise Lehrer ausgetauscht wurden"die anders sind".
Dieser Bericht belegt, dass es nicht allein Schulen in privater Trägerschaft
sind (als Beispiel wurde die Montessori-Schule in Freiburg genannt), die eine
an den Fähigkeiten und Bedürfnissen von Kindern orientierte pädagogische
Konzeption umsetzen. Es gibt auch staatliche Schulen, in denen konsequent die
ausgetretenen Pfade verlassen werden (zum Beispiel in der Clara-Grunwald-Grundschule
in Freiburg, an der nur Lehrerinnen mit Montessori-Diplom arbeiten). "Was
in diesen Schulen umgesetzt und vorgelebt wird", so der Landesfachgruppenausschuss,
"müsste eigentlich für jede Schule möglich sein". Und
am Schluss heißt es: "Doch den eigenen Weg muss jeder für sich
finden". Mit diesem Hinweis wird zugleich auf das gewiesen, was im Schulrecht
als die "pädagogische Freiheit des Lehrers" (vgl. § 38 SchG
BW mit Kommentar) benannt ist. Folgen wir den entsprechenden Texte im Schulrecht,
liegt seit Jahrzehnten die Verantwortung dafür, Schule beziehungsweise Unterricht
zu gestalten, bei jedem einzelnen Lehrer und / oder dem Pädagogenteam einer
Schule. Unter "Erfahrungen und Empfehlungen" auf dieser Seite wird noch
einmal daran angeknüpft. |
Dass
es auch Gymnasiallehrer gibt, die in ihren Schulen die Einsichten und Konzepte
Maria Montessoris umzusetzen und zu verbreiten suchen, möchte ich als ein
gutes Zeichen der Hoffnung auf Verbesserungen in dieser Schulform deuten. Es hilft
wenig, wenn Kultusbehörden entsprechende Orientierungen den Lehrerinnen und
Lehrern gleichsam "per Dekret" aufzwingen. Stattdessen kommen Schulen
in Bewegung, wenn einsichtige Lehrerinnen und Lehrer ihrerseits die Initiative
ergreifen und mit einer Veränderung der Schule von sich aus anfangen, und
sie dies gemeinsam mit Eltern auf den Weg bringen. Ein wichtiger Schritt in diesem
Bemühen ist die Information. Bevor etwas - gemeinsam mit Schülern und
Eltern - verändert werden soll, müssen diese erst wissen, worum es geht,
welche Ziele und Zwecke auf grund welcher Einsichten und mit Hilfe welcher Methoden
umgesetzt werden sollten. Das kann, wie die Beispiele oben zeigen, mit Hilfe des
Internets geschehen. Das kann aber auch, und vielleicht ergänzend, mit Hilfe
entsprechender Schriften erreicht werden. Ein überzeugendes Beispiel legte
in diesem Jahr (2004) der "Montessori-Förderkreis Karlsruhe e.V."
mit einer kleinen Schrift "Montessori-Pädagogik. Ein Leitfaden für
Eltern" vor. Diese bebilderte Broschüre, die die Marie-Luise Wetzel
(Mutter zweier Kinder), Uta Lanske Gymnasiallehrerin) und und Klaus Schäfer
(Stellvertretender Schulleiter der nach den Prinzipien Maria Montessoris arbeitenden
Gartenschule Karlsruhe) verfassten, führt auf wenigen Seiten und in einem
ansprechenden Layout in die Montessori-Pädagogik ein. Es werden Informationen
gegeben, die in gut lesbarer Form und unschwer nachvollziehbar über den Wert
dieses pädagogischen Konzepts im Unterricht und im Schulleben unterrichten
und sich als Ausgangspunkt für weitergehende Aussprachen über die dort
vorgetragenen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen für Erziehung und Bildung
anbieten, insbesondere auch in der Sekundarstufe I und II.. Sowohl was die Beteiligung
von Eltern am Schulleben betrifft, die sich aktiv einbringen können, als
auch die von Schülerinnen und Schülern in weitgehender Eigenverantwortung
durchgeführten Projekte, bei denen die Lehrkraft sich auf eine Mentorenrolle
beschränkt, verdienen es, aufmerksam verfolgt zu werden. Dennoch gibt es
recht typische Hürden, die ich an anderer Stelle ("Pädagogik
Fehlanzeige") als die Haupthindernisse auf dem Weg zu einer veränderte
Schule nachgewiesen habe. Wetzel/Lanske / Schäfer schreiben, dass die Lehrer
an weiterführenden Schulen "für andere Aufgaben als die ihres Fachunterrichts
nur unzureichend ausgebildet" sind. Das deutet sehr zurückhaltend jene
Schwierigkeiten an, die heute noch im Gymnasialbereich - und nicht nur dort -
anzutreffen sind. |
Hier
noch ein Verweis auf die optimistisch stimmenden Schulkonzepte, die sich unter
der Adresse www.freie-schule.de finden.
Dort ist bemerkenswert, dass das, was oben über die Pädagogische Freiheit
der Einzelschule geschrieben wurde, verwirklicht wird und im Interesse von Schülerinnen
und Schülern, denen die alte Lernschule zum Halse heraushing, eigenständige
Wege beschritten wurden. Noch eine Hoffnung bzw. ein Wunsch: Mögen
doch alle die Personen, Gruppen oder Institutionen, die an einer Veränderung
des Schulalltegs arbeiten und ihre Erfahrungen ins Internet gestellt haben, jeweils
Wege finden, auf die jeweils anderen Homepages mit vergleichbaren Inhalten zu
verweisen und auf diese Weise ein Informationsnetz für alle Interessierten
öffnen. |
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Ganz
im Südwesten unseres Landes, in Murg am Hochrhein (Landkreis Waldshut) gehen
Schulleitung, Lehrer, Eltern und Gemeinderat neue Wege mit dem Ziel, Kinder aus
Ausländerfamilien besser zu integrieren. In Murg ist der Anteil an Familien
aus Italien außergewöhnlich groß. Darum wurde von der Schulkonferenz
beschlossen, die Grundschulklassen zweisprachig zu führen. "Wir
erhalten die Erweiterung der Sprachkompetenz einerseits und das Kennen lernen
der verschiedenen Kulturen, gepaart mit der besseren Integration von Schülern
und Eltern", erklärte der Rektor der Murgtalschule, Armin Brutsche (BZ
am 08.03.2006). Die Eltern der Kinder aus den zweisprachigen Klassen, in
denen jeweils eine deutsche und eine italienische Lehrkraft unterrichten, bringen
sich engagiert in das Schulleben ein und fördern nach besten Kräften
das Projekt. Es wird angestrebt, die Zweisprachigkeit im Unterricht auch in der
Hauptschule, in der es bisher eine entsprechenden Arbeitsgemeinschaft gibt, weiter
zu führen. |
Nun
einen Sprung von Baden-Württemberg nach Berlin. Erst
kürzlich wurde im 2. Programm des Südwestfunks in einer Reportage über
ein ungewöhnliches Schulkonzept berichtet. Unter der Überschrift "Bewegung
und Entspannung sind Bestandteile des Lebens und Lernens in unserer Schule"
wurde ein Konzept erarbeitet, in der Bewegung und Entspannung täglich in
den Schultag einfließen. In dem Bericht des SWR 2 ging es hierbei besonders
um tägliche Yoga-Übungen, die in den Unterricht eingebaut werden. Weitere
Informationen über Hintergründe, Praxis und Erfahrungen dieses Projekts
an der "Niederlausitz-Grundschule" in Berlin Kreuzberg
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Auch
in Freiburg begann im Schuljahr 2007/2008 eine Schule mit ähnlichem Konzept.
Dort tritt der Verein "Freiburger Turnerschaft" als Schulträger
in Erscheinung. Seit 1973 betreibt er bereits einen Sportkindergarten. Nun wird
er mit Lehrerinnen und Lehrern, die über eine Zusatzausbildung zum Diplomsportlehrer
verfügen, eine Schule betreiben, in der "Bewegung das Tor zum Lernen,
nicht nur das Beiwerk ist.". "Bewegte
Schule" so wurde sie benannt. Und auch hier dürfen wir gespannt
darauf sein, was aus diesem Konzept wird, für das, nach Auskunft der Initianten,
das Interesse von Eltern sehr groß ist (SK 08.09.2007).
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Ein
weiteres ungewöhnliches Schulkonzept wurde von Frau Enja Riegel an der "Helene-Lange-Schule" in Wiesbaden umgesetzt. Da die Selbstdarstellung dieser Schule, die eine Versuchsschule
des Landes Hessen und eine UNESCO Projektschule ist, ausführlich auf der
entsprechenden Homepage nachgelesen werden kann, möchte ich mich an dieser
Stelle mit diesem Verweis begnügen. |