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Schriften zur Erziehung und Bildung im WWW
von Dr. Joachim Rumpf

 

Kulturpolitische Anmerkungen

 

1

Erfahrungen mit ehemaligen DDR - Pädagogen

 

 

 

 

Seit 1990 leben wir Deutschen wieder in einem Staat. Viele von uns in den alten und neuen Bundesländern gewöhnen sich nur ganz allmählich an diesen ungewohnten Zustand. Den Älteren unter uns, die noch das untergegangene Reich kennengelernt haben, dann den Weg der Spaltung bis zur Mauer mitmachten und sich nur mühsam mit der Trennung von Ost und West abgefunden hatten, fiel es leichter die neue Einheit zu akzeptieren. Zu diesem Personenkreis gehöre auch ich. Wegen meiner eigenen DDR-Vergangenheit hatte ich keinerlei Berührungsängste und suchte in meiner Eigenschaft als pädagogischer Leiter eines Kinderheimes in privater Trägerschaft bereits 1990 nach pädagogischen Fachkräften über Zeitungsinserate in Sachsen-Anhalt. Das Echo war damals sehr groß. Inzwischen sind mehr als fünf Jahre gemeinsamer Arbeit ins Land gegangen und ich möchte über meine Erfahrungen berichten.

Ein Erfahrungsbericht und die Darstellung persönlicher Eindrücke dürfen nicht als repräsentaive oder als allgemeingültige Erscheinungen gedeutet werden. Meine Absicht ist es vielmehr, öffentlich darüber nachzudenken, ob wir, die wir in den alten Bundesländern unsere Ausbildungen erhielten, uns unbefangen genug jenen Berufskolleginnen und Kollegen gegenüber zu öffnen, die in der DDR zu Pädagogen ausgebildet wurden. Ob wir zum Beispiel bereit sind, uns auf deren Kenntnisse, Erfahrungen und Überzeugungen einzulassen und damit jene Tugenden zu leben, die wir selbst als erstrebenswert vermitteln, wie zum Beispiel Annahme, Akzeptanz, Kooperation und Toleranz.


1. Bedingungen

In geradezu diskriminierender Weise werden pädagogische Berufsabschlüsse aus der ehemaligen DDR oder von deutschen Umsiedlern aus der Sowjet-Union in unserem Bundesland Baden-Württemberg, aus dem ich berichte, nicht anerkannt. Die Kultusbehörden können sich auf den Einigungsvertrag und andere Verordnungen stützen, wenn sie höfliche Absagen erteilen und praktisch undurchführbare Vorschläge machen, einen Ausbildungsabschluß oder eine Anerkennung zu erwerben. Die staatliche Anerkennung - also nicht die tatsächliche Qualifikation - ist für die meisten Anstellungsträger (Freie Träger, Kommunen oder Kultusverwaltungen) aber Voraussetzung für Zuschüsse zu den Personalkosten, auf die zum Beispiel ein Kindergartenträger angewiesen ist. Bei Kinderheimen gilt eine andere Regelung: Die entscheiden über die Anerkennung von Berufsabschlüssen selbst. Natürlich können nur ausgebildete Pädagogen dort arbeiten. Das ist auch in einer weitgefaßten Rahmenordnung des Arbeitsministeriums von Baden-Württemberg aus dem Jahre 1984 so festgelegt (Bekanntmachung... vom 5.6.1984 - Az. Z/3 - 9010.3). Auf der Grundlage dieser Rahmenordnung hatten im Dezember 1992 die Heimleiter von Baden auf ihrer Jahrestagung beschlossen, im Osten erworbene Abschlüsse zu akzeptieren.

Wir hatten, wie erwähnt, bereits zu diesem Zeitpunkt in unserer Einrichtung DDR-Pädagogen eingestellt. Schon 1989 kam eine Lehrerin aus Cottbus zu uns, die mit ihrer Familie zu den "Botschaftsflüchtlingen" gehörte. Später kamen noch weitere pädagogische Fachkräfte aus der ehemaligen DDR hinzu. Während die Lehrerin aus Cottbus nach zwei Jahren eine Anstellung als Primarschullehrerin im Kanton Aargau (Schweiz) erhielt, wo ihre Ausbildung an einem Institut für Lehrerbildung der DDR anerkannt wurde, blieben die anderen bei uns. Es handelt sich bei ihnen um zwei Pädagoginnen, die ebenfalls ein Institut für Lehrerbildung besucht hatten. Eine von ihnen hat als Hauptfach "Pionierleiter" im Zeugnis stehen. Eine dritte Pädagogin hatte ein Seminar für Krippenerzieherinnen besucht und kam mit mehrjähriger Berufserfahrung aus Kindertagesstätten zu uns. Ein weiterer Pädagoge hatte an der Universität Jena Englisch und Deutsch studiert, später aber in Thüringen ein "Hilfsschulinternat" geleitet. Seine Frau, die den gleichen Bildungsweg beschritten hatte, arbeitet für uns als Honorarkraft. Wegen der eigenen drei Kinder kann sie noch nicht wieder voll in den Beruf zurück. Außerdem ist bei uns eine deutsche Lehrerin aus Kasachstan beschäftigt, die wie alle anderen auch, im Gruppendienst schafft. Abgesehen von dem Absolventen des Universitätsstudiums, besitzen inzwischen unsere Fachkräfte, die ihre Ausbildungen und Berufserfahrungen aus der ehemaligen DDR mitbrachten, auch in unserem Bundesland gültige Anerkennungen. Die liegen allerdings beachtlich unter den einst erworbenen Abschlüssen und ermöglichen zum Beispiel keineswegs den Übergang in den zuvor ausgeübten Beruf eines Grundschullehrers.
Der Universitäts-Absolvent könnte, sofern er ergänzende Studienleistungen erbringt und Prüfungen ablegt, an einer Realschule bechäftigt werden. Wollte er in unserem Bundesland am Gymnasium unterrichten, müsste er von vorn anfangen. Sofern die Betroffenen akademische Grade erworben haben, dürfen sie diese natürlich behalten. In einer benachbarten Einrichtung ist ein promovierter Philosoph im Erziehungsdienst tätig, der einst an einer Offiziersschule in Sachsen wirkte. In einer anderen Einrichtung arbeitet die Absolventin einer "Pionierleiter-schule" als Gruppenerzieherin. Sie hat inzwischen eine Erzieherfremdenprüfung bestanden.
Keine dieser DDR-Pädagogen leiden unter ihrem veränderten Status. Sonst hätten sie sich wohl auch längst ein anderes Arbeitsfeld gesucht. Sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Einrichtung, als auch die achtzehn in Kindergärten, Horten und Heimen unseres Landkreises tätigen ehemaligen DDR-Pädagogen sind mit ihrem Arbeitsfeld zufrieden und versicherten mir, dass sie sich wohlfühlen und von ihren westdeutschen Kolleginnen und Kollegen und den Eltern angenommen wissen. Sofern sie noch keine staatlich anerkannten Abschlüsse hatten, erwarben sie diese. In ihrer Freizeit bereiteten sich die berufserfahrenen Erzieherinnen auf die Schulfremdenprüfung vor und bestanden sie.

Diese Möglichkeit darf aber nicht über das prinzipielle Problem der Nichtanerkennung hinwegtäuschen. Die Überlegungen, die die am Zustandekommen des Einigungsvertrages beiteiligten Kulturpolitiker bewogen, die DDR-Pädagogik gleichsam annulieren zu wollen, bleiben im Dunkeln. Angst vor einer "linken Unterwanderung" kann es ja nicht gewesen sein. Ein derartiger Begründungszusammenhang wäre angesichts der in Deutschland seit Preußens Gloria vorherrschenden mitte-rechts-Weltbilder, die linken Weltsichten nie eine reale poltitische Chance gaben, absurd. Für die geringen Auswirkungen auf menschliche Einstellungen und Verhaltensweisen einer betont weltanschaulichen Pädagogik in unserer Zeit sprechen außerdem die Beispiele DDR und BRD eine deutliche Sprache: Statt der sozialistischen Persönlichkeit drüben wuchsen dort Menschen heran, die bei der ersten sich bietenden Gelegenheit mit überwältigender Mehrheit das westdeutsche politisch-ökonomische System übernahmen. Und an die Stelle einer gelebten christlichen Ethik, wie es angesichts der Verfassungsgebote zu erwarten wäre (vgl. z.B. die Verfassungen Baden-Württembergs und Bayerns), stehen bei uns Werte im Vordergrund, die sich am Markt und nicht am Menschen orientieren.

Die Unterschiede in den praktischen oder theoretischen Ausbildungsinhalten, die mal mehr mal weniger vorhanden waren, sind aber für mich kein hinreichender Grund, bewährten Pädagogen gleichsam Berufsverbot zu erteilen oder Beschränkungen aufzuerlegen. Auch dann nicht, wenn sie an einer Schule für hauptamtliche Pionierleiter ausgebildet wurden. Vielmehr sollte, und hier stimme ich mit den Heimleiterinnen und Heimleitern aus Baden überein, genauso wie es bei uns üblich ist, die pädagogische Praxis erweisen, ob eine für erzieherische Berufe ausgebildete Persönlichkeit den Aufgaben gewachsen ist. Nach aller Erfahrung sind unsere Abschlüsse an pädagogischen Ausbildungsstätten kein Befähigungs- sondern nur ein Berechtigungsnachweis. Hier ist eine erste Gemeinsamkeit zu registrieren: ob ein ausgebildeter Pädagoge für die Praxis geeignet ist, das erweist sich erst im pädagogischen Alltag.


2. Erfahrungen

Wie sieht es mit unseren Pädagogen aus der DDR und aus der Sowjetunion aus?
Alle, über die hier geschrieben wird, haben sich gut bewährt.

Nun ist das natürlich zunächst einmal nur eine ebenso subjektive wie leerformelhafte Feststellung. Es muss schon etwas genauer geprüft werden, was "gut bewährt" heißt. Ich darf einige Merkmale nennen ohne damit einen Anspruch auf Vollständigkeit anmelden zu wollen. Es fehlen in meiner Bilanz zum Beispiel Hinweise auf theoretische Kenntnisse, wie wir sie, von den bei uns an den sozialpädagogischen Ausbildungsstätten ausgebildeten Fachkräften (gelegentlich vergeblich) erwarten dürfen.

Eine weitere Anmerkung sei vorausgeschickt: Ich bin mir darüber im Klaren, dass jede "systemorientiert" denkende Fachfrau bzw. jeder Fachmann ergänzen wird: Je aufnahmebereiter und offener ein Team ist, in das neue Mitarbeiter aufgenommen werden, umso leichter ist es für die Neuen, dort zurechtzukommen. Eine Analyse von Konzeption und Personen in unserer Einrichtung aber kann hier nicht geleistet werden; ich gehe davon aus, dass sie sich nicht wesentlich von anderen unterscheiden. Nun zu meinen Erfahrungen mit den ehemaligen DDR-Pädagogen.


1. Da ist einmal eine Feststellung, die man zählen und messen kann: keine/r der Frauen und Männer, die ich während der vergangenen fünf Jahre beobachten konnte, erschienen jemals zu spät zum Dienst oder blieben unentschuldigt weg.

2. Jede/r von ihnen kam stets gern und gut gelaunt an den Arbeitsplatz. Eine Eigenschaft, die für den Umgang mit Kindern und Kollegen sehr wichtig ist. Insofern trugen alle das ihre zu einem guten, d. h. offenen und positiv gestimmtem "Betriebsklima" bei.

3. Auch die folgende Aussage lässt sich an zwei Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen präzisieren:
Sie sind offen und kooperativ.
Offenheit in beruflichen Zusammenhängen, das heißt, mit seinen Meinungen, Beobachtungen, Fragen aber auch mit seinen Gefühlen nicht hinterm Berg zu halten.
Kooperativ das heißt, bereit zur Zusammenarbeit sein, etwas abgeben können, Verzicht auf Rechthaberei und statt dessen Dialogbereitschaft; aber auch: Teilen können; mit anderen die Arbeit, die Verantwortung, die Rechte, die Pflichten oder die Beziehungen zu den Kindern.

4. Und damit ist ein besonders wichtiges Element beruflicher Befähigung angesprochen, über das die betreffenden Pädagoginnen/Pädagogen verfügen:
Wenn drei oder vier Erzieher in einer Gruppe arbeiten, dann sollten alle gleichermaßen den Kindern Beziehungen anbieten. Dabei kann es aber vorkommen, dass eine Erzieherin von den Kindern mehr in Anspruch genommen wird, als eine andere. Nehmen wir noch hinzu, dass die Beziehungsakzente von den Kindern her fließend gestaltet werden und durchaus von heute auf morgen wechseln können. Das muss ausgehalten und - mehr noch - konstruktiv umgesetzt werden. In derartigen Situationen darf niemand die beleidigte Leberwurst spielen. Für ein gutes Klima und die pädagogische Wirksamkeit in einer Kindergruppe sind ein positives Selbstbild der Erzieherin/des Erziehers und ein gesundes Vertrauen in die eigenen beruflichen Fähigkeiten von hohem Wert.

5. Unsere PädagogInnen aus dem Osten können mit Kindern sehr gut umgehen. Sie haben mit den zum Teil recht problembeladenen Mädchen und Jungen im Heim wegen ihrer ausgeglichenen, berechenbaren und beharrlichen Umgangsweisen kaum Schwierigkeiten. Sie können viele Spiele, musizieren gern, organisieren gekonnt Freizeiten und Wanderungen und sind in den Bereichen Pflege und Fürsorge umsichtig und zuverlässig: kurz, es gibt keinen Bereich, wo sie in diesen praktischen alltäglichen Aufgaben den bei uns ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen unterlegen wären.

6. Unterschiede zeigen sich, wenn es um Vorstellungen über Ordnungsvollzüge oder die Beachtung von Alltagsnormen (Verhalten beim Essen, höflicher Umgang, Heftführung und anderes mehr) geht. Hier übernehmen die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Osten rascher und ohne Rückfragen ("Hinterfragen") alles, was sie bei den anderen beobachten oder was ihnen als gültig vorgetragen wird. In diesen Elementen institutionalisierter Pädagogik sind die bei uns ausgebildeten Erzieherinnen oder Sozialpädagoginnen deutlich kritischer.
Nun lässt sich dieser Unterschied positiv (zu Gunsten der westdeutschen Ausbildungsstätten) deuten und sagen: unsere Pädagogen haben gelernt, nichts ungeprüft zu übernehmen. Ihre beruflichen Ideale werden eher von Selbstständigkeit und Autonomie bestimmt als von Anpassung oder gar Unterordnung. Sie sind für Einrichtungen mit relativ festen Strukturen in den alltäglichen Handlungsabläufen nicht immer bequem aber gelegentlich innovativ.
Es ließen sich aber auch zugunsten der ostdeutschen Ausbildungsstätten positive Deutungen finden und sagen: diese Pädagogen haben gelernt, dass man sich zuerst einmal anpassen muss, bevor, wenn pädagogisch sinnvoll, Bestehendes verändert wird. Außerdem kann ständiges Hinterfragen die eigene pädagogische Wirksamkeit einschränken.
Es kommt auf die Positionen der Leitungen an, welche Haltungen sie vorziehen. Der Weg über die Anpassung zu kritischer Prüfung erscheint mir als erfolgversprechender, als der von einer kritischen Haltung hin zur Anpassung zu gelangen. So betrachtet, muss der Unterschied zwischen in der DDR ausgebildeter und unserer Pädagoginnen und Pädagogen kein Nachteil sein.

7. Von der pädagogischen Haltung und den individuellen Erzieherkonzepten, die die Heranwachsenden in unserer Einrichtung brauchen, um gedeihen zu können, ist noch gar nicht die Rede gewesen. Der Hinweis, dass keines unserer Mädchen und Jungen bei den Erzieherinnen nach Landsmannschaften oder Dialekten unerscheidet, ist für jeden Pädagogen unschwer nachvollziehbar. Den Kindern sind die Personen und deren Einstellungen und Verhaltensweisen ihnen gegenüber wichtig und nicht Ausbildung und Herkunft.

 

3. Schlussbemerkung

Ich meine, dass wir Pädagogen unsere Energie weniger den formalen Abschlüssen und ihrer Überprüfungen zuwenden sollten (dass dieses Problem bei den Kulturpolitikern in schlechten Händen liegt, ist freilich unbefriedigend), als vielmehr der Pädagogik selbst. Es erscheint mir als ein Gipfel der Arroganz, wenn wir im pädagogischen Feld genauso verfahren, wie im wirtschaftlichen oder politischen und den DDR-Pädagogen und Institutionen unsere Theorien und unsere Organisationsformen einfach aufdrücken. Hat es unterhalb beziehungsweise außerhalb der Ebenen von Kultusministerium und Zentralkommitee der SED oder Zentralrat der FDJ keine pädagogischen Theorie und Praxis gegeben? Und ist nichts davon geeignet, unsere Konzepte zu bereichern? Gibt es gemischte Arbeitsgruppen aus beiden Traditionen und in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern, die (unter anderem) diese Fragen zu beantworten suchen? Sind zum Beispiel Kindergärtnerinnen, Sozialpädagoginnen/Sozialpädagogen, Lehrerinnen und Lehrer der verschiedenen Schularten oder Erziehungswissenschaftler bereits am Werk, die Unterschiede aufzusuchen, die Gemeinsamkeiten zu entdecken und die jeweiligen Vorzüge in neue Konzepte zu integrieren? Es kann doch nicht sein, dass vierzig Jahre eigenständige pädagogische Weiterentwicklung, die immerhin auf den gleichen Fundamenten aufbaute, die auch im Westen galten, zu keinerlei verwertbaren und für eine gesamtdeutsche Pädagogik fruchtbaren Erkenntnissen führen würden!

Unsere ehemaligen DDR-Pädagoginnen und -Pädagogen jedenfalls versichern mir, dass sie das, was sie gelernt hatten, gut verwenden können und keine Probleme haben, hier zurechtzukommen. "Nur die Disziplin könnte besser sein", sagen sie und ahnen nicht, dass sie mit dieser Auffassung mit jenen Kulturpolitikern übereinstimmen, die ihnen die berufliche Anerkennung bei uns erschweren.

Dr. Joachim Rumpf
79733 Görwihl

Manuskript abgeschlossen:
31.01.1996

 

 


Nachtrag

Seither sind mehr als zehn Jahre vergangen. Die beruflichen Wege dieser ehemaligen DDR-Pädagogen haben sich ausdifferenziert. In Schulen in privater Trägerschaft und in der uns benachbarten Schweiz werden die Ausbildungsabschlüsse akzeptiert. Auf diese Weise fanden drei der ursprünglich bei uns beschäftigten Lehrerinnen eine Aufgabe an Schulen, auch die Lehrerin aus Kasachstan und eine Krippenerzieherin, die im Kanton Aargau in einer Kinderkrippe arbeitet.

Zwei blieben uns erhalten. Hinzu sind erneut Pädagoginnen und Pädagogen aus den neuen Bundesländern gekommen, die ebenfalls ihre Abschlüsse noch zu DDR-Zeiten erworben haben.

Von allen lässt sich - noch einmal herausheben: Ihre Flexibilität in Bezug auf die Anpassung an unsere Konzeption und die Bereitschaft, im südlichen Schwarzwald eine neue Existenz aufzubauen und die große Einsatzbereitschaft.

Was mir fehlt, ist eine Vergleichsstudie. Bisher habe ich noch keine Untersuchung über die berufliche Bewährung in schul- und sozialpädagogischen Einrichtungen in den alten Bundesländern der ehemals in der DDR ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen gefunden.

© Dr. Joachim Rumpf
09.09.2007




 

Dr. Joachim Rumpf 79733 Görwihl, d. 23.04.1996
Diplom-Pädagoge Hühnerbühl 7
Tel. 07754 487

An die
Redaktion "neue praxis"
Frau Dr. Karin Böllert
Luchterhand-Verlag GmbH
Heddersdorfer Straße 31

56564 Neuwied


Betr.: Veröffentlichungsangebot


Sehr verehrte Frau Böllert!

Als ich Ihnen vor drei Jahren einen Aufsatz über meine Erfahrungen aus den Aufbaujahren der Pädagogik in der DDR schickte, waren Sie noch in Bielefeld. Nun entnehme ich dem Impressum, dass Sie - vermutlich seit dem Wintersemester - in Rostock wirken. Insofern werden Sie mein Bericht und meine Auffassung unmittelbar ansprechen.
Mein Begleitschreiben an Sie vom 23. Juni 1993 möchte ich mit einigen Informationen über mich ergänzen:
Ich gehöre zu den wenigen Fachleuten, die Fachzeitschriften, wie die "neue Praxis" selbst abbonniert haben. Von den Lehrenden an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg weiß ich zum Beispiel, dass die, deren Gewohnheiten ich kenne, die Bibliotheks- und Seminarbestände als Quasi-Eigentum betrachten und nur wenig Bücher und Zeitschriften privat kaufen.. Mit dieser Hochschule war ich dreißig Jahre lang verbunden: Seit 1965 als Lehrerstudent; ab 1973 als Sozialpädagoge und nahm ab 1975 Lehraufträge im Arbeitsbereich Sozialpädagogik wahr. Die Lehr- und Forschungstätigkeit blieb stets eine Nebentätigkeit. Im Hauptberuf trage ich Verantwortung für die Arbeit in einem Erziehungsheim. Und Heimerzieher bin ich heute noch, nachdem ich mich im vergangenen Herbst aus Altersgründen in Freiburg zurückzog.
Fernab von den Hochschulstädten haben promovierte Pädagogen (zur Zeit noch) wenig Konkurrenz und unter anderem darum eine gute Chance, als Experten zur Kenntnis genommen und gehört zu werden. Ich machte aus der Not (der ländlichen Abgeschiedenheit unseres Heimes) eine Tugend und engagierte mich in unserem Landkreis. Als Experte im Jugenwohlfahrts- (Jugendhilfe-) ausschuß oder Initiator von Familienbildungsseminaren (nach § 16 KJHG) und einem Projekt regionaler Fachberatung für unsere Kindergärten, sorge ich für Bewegung im Jugendhilfebereich. Darum auch kenne ich mich aus und kann darauf verweisen, wenn ich von meinen Erfahrungen erzähle, dass die anderen Einrichtungen nicht viel andere haben.

Anlass meines Beitrages sind Begegnungen in der ehemaligen DDR. Meine Frau und ich fahren jedes Jahr hinüber und besuchen Freunde und Verwandte (übrigens auch in Rostock). Natürlich haben wir zu unseren Kolleginnen und Kollegen aus Thüringen und Sachsen hier bei uns einen guten Kontakt und thematisieren die von mir angesprochenen Probleme immer wieder. Ich habe guten Grund eine Lanze für sie zu brechen und tue das in der (erfahrungs-gemäß vergeblichen) Hoffnung auf eine Leserreaktion. Sollten Sie meinen Beitrag lieber nicht veröffentlichen wollen, dürfen Sie ihn gern behalten.

Ihnen alles Gute in Rostock und freundliche Grüße!

 

 

 

Dieser Brief blieb ohne Echo.

 

 

Ic möchte aber doch gern mehr darüber wissen, wie es jenen Frauen und Männern ergangen ist, die bei uns in den alten Bundesländern mit einer in der DDR erworbenen pädagogischen Berufsausbildung ergangen ist.

Darum schickte ich noch einmal an Herausgeber und Schriftleitung der "neuen praxis" eine Mail:

.

 

Von: Dr. Joachim Rumpf [j.rumpf@gmx.de]
Gesendet: Samstag, 8. September 2007 16:20
An: 'hansuwe.otto@uni-bielefeld.de'
Betreff: DDR-Pädagogen

Guten Tag, sehr geehrter Herr Professor Otto,

da habe ich heute einen Aufsatz über meine Erfahrungen mit DDR-Pädagogen ins Internet gestellt, den ich 1996 der "neuen praxis" (Karin Böllert) angeboten hatte. Damals blieb eine Reaktion aus. Das ist eigentlich schade. Denn mein Bericht von vor mehr als zehn Jahren ist noch immer aktuell. Ich habe bisher in der Literatur keine vergleichbare Studie über die berufliche Bewährung von den in der DDR ausgebildeten Pädagogen gefunden. Auch im Internet, dort suchte ich heute etwas zu diesem Thema, fand ich nichts. Vielleicht können Sie helfen und mir einen Literaturhinweis geben.

Schauen Sie bitte mal hinein auf die Homepage www.rumpfs-paed.de in die Abteilung "Schulpädagogik, Kulturpolitik…" Dort steht mein Aufsatz - und auch der Brief, den ich seinerzeit an Frau Böllert schrieb.

Mit den besten Grüßen und guten Wünschen für Ihr weiteres Wirken!

Joachim Rumpf

 

 


 

 

 

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