Auf die Schule bezogene Einträge im Tagebuch 1948 (10. Schuljahr 2, Hälfte
/ 11. Schuljahr 1. Hälfte). Ich besuchte eine Oberschule in Dessau, wo wir
damals lebten (vgl. dazu die Texte weiter unten!)
Montag,
d. 5. 1. 1948: "Der Klassenlehrer, Herr Knappe, hat heute am Nachmittag bei
uns seinen Besuch gemacht. Er blieb bis 20,00 Uhr".
13.03.1948:
"Ich habe gestern einen Aufsatz abgegeben. Im Wartezimmer des Arztes. Jetzt
will ich für Fritz einen machen: Im Wartesaal".
04.05.1948
"eigentlich passt es mir nicht (wegzufahren), denn ich fange an, auf die
Schule Rücksicht zu nehmen"
11.05.1948:
"und jetzt noch schnell essen und dann zur Schule. Mittags muss ich mich
noch auf die Lateinarbeit vorbereiten".
26. - 28. Mai 1948
"… das Schullandheim ist wohl nun ein Ereignis
gewesen, dass mich als Kamerad unter Kameraden in meiner Klasse am meisten beschäftigen
musste. Ohne Zweifel brachten uns diese Tage, so kurz sie auch waren, näher.
Sie verbanden uns Schüler, da wir zum großen Teil zum ersten Male etwas
gemeinsam außerhalb der Schule hatten. Die Klassengemeinschaft wurde so,
mit einigen Ausnahmen wie stets, gefestigt. Auch entdeckte man bei den Anderen
Talente, die man vorher nicht vermutet hatte. Es war sehr schön, und wir
wollen alle, so bald wie nur möglich, wieder hinaus in dieses so weltferne,
im schönen Fläming gelegene Heim…
Wir haben viel erlebt in
diesen drei Tagen. Es war wunderbar! Es ist großartig: Jungs unter sich!"
06.06.
"ein neuer Musiklehrer. Herr Knape ist wegen "Untragbarkeit" entlassen.
Herr Schreiber ist fabelhaft. Er liebt die moderne Musik."
11.06.1948
"In Latein steht es sehr schlecht… Versetzung in Frage gestellt. Kunst
bei Dr. Kieser: 1"
20.06.1948:
"Romeo und Julia, auch Herr Knappe war da und Dr. Siebert (Lateinlehrer),
die Freundinnen und die Herren Lehrer, die mit mir in einer Reihe saßen"
11.07.1948
"Wir hatten die ganze Woche nachmittags Schule"
13.07.1978:
"In der Schule waren heute die entscheidendsten Minuten des ganzen Schuljahres
für mich. Die Entscheidung in Chemie 3 oder 4. Besser gesagt: versetzt werden
oder sitzen bleiben. Ich konnte es zum Glück wenden zum Guten. Aber dafür
habe ich auch gestern den ganzen Tag Chemie gebüffelt. Hätte es eine
4 im Zeugnis gegeben, wäre es wegen der 4 in Latein knapp geworden."
"Ich
bin immer ruhig und still meinen Weg als Einsiedlerkrebs für mich alleine
gekrebst. Bis ich nun Ende vergangenen Jahres Karli fand. So kam ich zum ersten
Male richtig unter Gleichaltrige. Wir verstehen uns gut. Es waren ja auch Klassenkameraden
unter den Freunden, die dann meinen Kreis erweiterten und ich gab so, ohne dass
es mir recht bewusst wurde, meine bisherige Lebensweise auf…"
"… ist
es ein Nachteil, dass ich zu viel denke? Wenn ich denke, pflege ich nämlich
nicht zu sprechen, und dann muss mein Gesicht auch anders aussehen. Denn wenn
ich in der Schule so in mich versunken da stehe (natürlich nur in der Pause),
dann kommt Dieter und sagt gleich: aha, Achim träumt schon wieder."
28.
6. (Mittwoch)
"Herrliches Wetter hatten wir gestern am letzten Schultag.
Versetzt bin ich mit einer 5 in Latein, einer 2 in Deutsch und Musik und einer
1 in Kunst."
Und zu Beginn unseres 11. Schuljahres hieß es:
1.
September 1948 ½ 7 Uhr
"Blutig rot steht die Sonne im Osten. So
fängt ein neues Schuljahr an."
17
½ Uhr "Das Durcheinander in der Schule heute ist einfach unvorstellbar
Etwa 150 Mädel und 250 Jungen hat unsere Anstalt, die jetzt nicht mehr Goethe-Schule
sondern Rosa-Luxemburg-Schule heißen soll. Es wurde dagegen Berufung eingelegt…"
13.
09. 1948
"Nun bin ich zum zweiten Male vom Schullandheim (10.09.-14.09.)
nach Hause zurückgekehrt. Wenn ich mir die 5 Tage, die mir wie 5 Wochen scheinen,
ansehe, so muss ich sagen, dass sie bedeutend besser waren, als am letzten Male.
Wir hatten ja so unendlich viel Freiheit! Nur nach dem Abendbrot und bei den Handballspielen,
von denen gestern Nachmittag noch mal eins stieg, mussten wir beisammen bleiben.
Unsere Freizeit nützen wir aber auch aus… Gestern war ein heiterer Abend
bei uns… ich spielte den Eckensteher Nante und trug was aus Ludwig Thomas
Lausbubengeschichten vor…Später, im Schlafsaal hatten sich vier Hornissen,
richtig große braune, in unseren Schlafsaal geschlichen und machten die
Gegend unsicher…"
03.11.1978
"Ich sitze in der Schule. Es ist halb eins. Wir haben gerade bei Herrn Stephan
Biologie. Ich höre kaum zu, was er da vor mir von Blutgerinnung und Blutzellen
erzählt. Meine Gedanken schweifen ab… Ich weiß nicht: mir tun
die Lehrer leid. Täglich hier stehen und uns Wissen bis zum Erbrechen eintrichtern…
Was ist denn schon Schule: so eine kleine Periode des Lebens. Sorglos ist sie
ja. Aber sonst? Andere sind mit 17 Jahren schon in der Welt herumgereist…
mir kommt das alles so stupide vor. Wenn ich doch endlich ein freier Mann bin…
Und nun nach Hause. Endlich"
14.11.1948,
11.00 Uhr:
"Freitag, Sonnabend Schule nicht besucht… Gestern war
Erich da. Es kristallisiert sich sicher ein Freundschaftsverhältnis besonderer
Güte heraus…
"… die Klasse schenkte mir ein Mathebuch.
Ist das nicht rührend?"
20,30
"gegen Abend versammelten
sich Fritz, Karl, Jobst und Wolfgang bei uns…"
19.
11. 1948
"Schule, Schule, Schule. Sie macht aber Spaß. Alles macht
Spaß. Heute ist der "Freie Laden" (HO) eröffnet worden"
28.11.
1948
"Ich habe viel zu tun. Ich arbeite Goethes Leben durch als vorläufiger
Leiter unserer Literatur-AG und muss mich zugleich neben dringender Schularbeiten
auf ein Krippenspiel vorbereiten."
08.12.1978
"Ich bin als Gastdelegierter zum ersten Kreisjugendkongress eingeladen. Samstag
und Sonntag. Der große Vorteil ist: es gibt etwas zu essen."
(Vier
Monate später nahm ich als ordentlicher Delegierter der FDJ-Schulgruppe am
zweiten Kreisjugendkongress teil. In dieser Zeit war ich irgendwann in der FDJ
beigetreten)
außerdem schrieb ich:
"Das war ein
böser Tag: In Latein ein Versager, in Chemie eine 4 und - in Deutsch in einem
Aufsatz eine 3 -. So etwas ist mir noch nie passiert! Doch - immer lächeln
und immer vergnügt!"
14.12.1978
½ 2 Uhr
"Ich bin gerade rein. Ich komme vom Tanzstundenball bei
der Wiegleb im Keglerheim. Diese Sache ging von 19,00 bis 24,00 Uhr. Es war wunderschön
dieser Abend mit all den anderen Kameraden unserer Penne…"
17.12.1978
½ 4 Uhr früh
"… gerade sind Ilse (meine ein Jahr
jüngere Schwester, die zu der Zeit in einer Apotheke lernte) und ich
vom Schülerball im Kornhaus zurück…"