Computer
in Kindertagesstätten |
Der
Bericht über ein Projekt des Referats Kindertagesstätten bei der Diakonie
in Düsseldorf vorgelegt und veröffentlicht im Mai 1989
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1 Der
Ort des Computers in der Erziehung und Bildung Zusammengefasst: In
einer ganzheitlichen, an überzeitlichen Werten orientierten Erziehung und
Bildung haben alle Themen, die die Lebenswelt unserer Kinder bestimmen, ihren
Platz. Erziehungs-
und Bildungsziele, die in unserer Gesellschaft angestrebt und von Eltern und Erzieherinnen
und Erziehern immer wieder genannt werden sind Initiative, Verantwortungsbewusstsein,
Selbständigkeit, Kooperationsbereitschaft, Bereitschaft zu lebenslangem Lernen
und Freude an eigener Leistung, Einfühlsamkeit und Toleranz. Wichtig,
und zu einem erheblichen Anteil in diese Fähigkeiten und Fertigkeiten integriert
sind soziale Tugenden, geistige und schöpferische Fähigkeiten aber auch
Persönlichkeitseigenschaften und Haltungen wie zum Beispiel Ehrlichkeit,
Offenheit, Gesprächsbereitschaft und Friedfertigkeit. Besonders Erzieherinnen
und Erzieher weisen diesen Zielen einen sehr hohen Stellenwert zu. Offizielles
Ziel, gleichsam als Auftrag der Gesellschaft an alle Erziehenden, ist der selbständige
bzw. mündige Bürger. Selbständigkeit ist ein sehr komplexer
Begriff. In Elternseminaren in unserem Landkreis Waldshut haben wir Selbständigkeit
gedeutet als die Fähigkeit mit sich selbst und seinen Gefühlen umgehen
zu können, mit anderen Menschen umgehen zu können, sich im Alltag
in verschiedenen Lebensbereichen zurechtfinden zu können und alle diese
Anforderungen ohne fremde Hilfe bewältigen zu können. Wünschenswert
wäre außerdem, auch wirtschaftlich selbständig zu sein, und das
hieß für uns, ohne Unterstützung von Außen für die
eigenen materiellen Lebensgrundlagen sorgen zu können.
Sehen
wir alles zusammen, so stellt sich uns Erziehern die Aufgabe einer ganzheitlichen
Sichtweise von Erziehung und Bildung unserer Kinder, eine Perspektive also, die
wir Sozialpädagogen als für unsere Arbeitsfelder seit langem als typisch
charakterisieren und mit der wir unsere Aufgabe von der der Schule oder der Berufsausbildung
unterscheiden. Wir tragen - nach unserem Selbstverständnis - die von uns
angestrebten Fähigkeiten und Haltungen nicht nur von Außen an die Kinder
heran, sondern sehen unsere pädagogische Aufgabe vor allem darin, die im
Kind angelegten positiven Möglichkeiten zu fördern, sie gleichsam ans
Licht treten zu lassen. Wir berufen uns dabei auf Pestalozzi, der davon spricht,
dass im Menschen selbst durch die Natur alle Kräfte angetrieben werden, sie
zu gebrauchen: "Das Auge will sehen, das Ohr will hören, der Fuß
will gehen und die Hand will greifen. Aber ebenso will das Herz glauben und lieben.
Der Geist will denken". (aus: Schwanengesang. S. 181) Und wir Erziehenden,
Eltern oder Berufserzieher, sind aufgefordert, dem jungen Menschen dabei zu helfen,
ihm "die Handbietung angedeihen zu lassen, die ihm die erleuchtete Liebe,
der gebildete Verstand und der erleuchtete Kunstsinn unseres Geschlechts zu erteilen
vermag" (daselbst). Führen wir die Kinder in diesem Verständnis
zu sich selbst, helfen wir ihnen, das zur Entfaltung zu bringen, was an Reichtum
in ihnen liegt - in der Heilpädagogik gilt die Empfehlung, bei den "Stärken"
eines Kindes anzusetzen, - dann sind die Voraussetzungen günstig, dass Menschen
jene eingangs genannten Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Eigenschaften heranbilden. Im
Alltag von Familie oder Kindergruppe heißt das zum Beispiel, zunächst
einmal zu wecken oder zu fördern, was das Kind ins Leben mitbringt (Pestalozzi
spricht von der Menschennatur) wie: seine Neugier, seine Freude am Selbermachen-wollen, seinen
Bewegungsdrang seine Lust an schöpferisch-kreativem Tun.
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| Schauen
wir auf das nebenstehende Bild. Es ist die Darstellung eines Baumes mit Früchten
im Herbst, gemalt von einem Grundschulkind in der Zeit um das Erntedankfest. Welche
leuchtenden Farben, welche Freude am Licht, welche Symbolik lässt sich deuten,
da der Baum Himmel und Erde miteinander verbindet, wie behäbig und verlässlich
steht der Baum in der Welt dieses Kindes! Dieses Bild, und es sind in Kinderzimmern,
Gruppenräumen und Klassenzimmern noch viele zu sehen, zeigt uns wie Kinder
sich die Welt, in der sie leben zu Eigen machen. Die Gegenstände, oder sagen
wir: die Themen, wählt sich das Kind aus der Fülle der Eindrücke,
die seine Sinne aus der Umwelt aufnehmen und - je nach der Bedeutung für
ein Kind - verarbeitet werden (müssen). Psychologen sprechen von aktiver
Aneignung oder sagen, das Kind ist von Natur aus ein "aktiver Erkunder"
- kein "passiver Empfänger" Wenn
Menschen in schöpferischer Weise das sinnlich Erfahrene in eigenen Werken
ausdrücken, so wie es in einem Kinderbild der Fall ist, dann entwickeln sie
sowohl ihre Gemüts- als auch ihre geistigen Kräfte.
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Nichts
von alledem ist den Erzieherinnen und Erziehern neu. Im Gegenteil: diese Erkenntnisse
bestimmen unser alltäglichen Überlegungen, unser Planen und Handeln.
So übertragen wir die Aufzählung Pestalozzis in die Erfordernisse unseres
"Geschlechts" / unserer Zeit und Kultur und sagen zum Beispiel: Verkehrsregeln
lernt ein Kind durch die Teilnahme am Verkehr; Fahrradfahren lernt ein Kind,
indem es Fahrrad fährt; soziale Tugenden wie kooperieren, teilen, Rücksichtnahme
oder Regeln beachten lernt ein Kind im Zusammenleben mit Kindern in einer Gruppe
- am besten in einer Altersgemischten Gruppe. Spätestens hier wird angesichts
der realen Situation in den familialen Lebensbereichen unserer Tage die große
Bedeutung Familienergänzender oder unterstützender - also sozialpädagogischer
Einrichtungen - deutlich! Noch
einmal sei betont: Die inhaltlichen Akzente, die Themen oder Gegenstände
bieten uns die Kinder an. Sie kommen aus deren (und unseren) Lebenswelten oder
"Lebensbereichen" wie Bronfenbrenner sie nennt. Nicht selten greifen
wir diese Gegenstände als "Aufhänger" oder als "Einstieg"
auf, weil wir über sie das Interesse der Kinder wecken wollen oder dem methodischen
Prinzip "vom Bekannten zum Unbekannten zu schreiten" folgen. Unsere
Lebenswelten und die in ihnen gemachten Erfahrungen sind einerseits konstant,
andererseits verschieden. Konstante Elemente finden sich zum Beispiel im Ablauf
der Jahreszeiten und der daran orientierten Themen in Kindertagesstätte oder
Grundschule. Die schöpferische Aneignung dessen, was "Herbst" ist
und bedeutet, wird aber bereits von Wohnumfeld zu Wohnumfeld unterschiedlich sein.
Inmitten einer Stadt, werden die kindlichen Erfahrungen andere sein, als draußen
in den Vororten oder bei uns in den Dörfern des südlichen Schwarzwaldes.
Wir kennen aber
auch deutliche Verschiedenheiten zwischen den Generationen oder den Vorgaben aus
Politik und Gesellschaft. In meiner Kindheit waren Hauptthemen kindlicher Weltaneignung
"Soldaten", "Krieg", "Bombenangriffe und die mit alledem
zusammenhängenden Nöte und Ängste. In unserer Zeit haben Kinder
erneut Ängste zu verarbeiten. Diesmal haben sie ihre Ursachen in der fortschreitenden
Zerstörung der Schöpfung durch den Menschen, in den Gefahren, die der
Umwelt drohen. Vor einhundert Jahren malten Kinder beim Thema "Verkehr"
noch Schiffe, dampfende Lokomotiven, von Pferden gezogene Kutschen; heute sehen
wir auf den Bildern Großraumflugzeuge, Autos oder phantasievoll gestaltete
Hochgeschwindigkeitszüge. Vor etwa 100 Jahren begann das Zeitalter der
technischen Spielzeuge. Eisenbahnen, die man aufziehen konnte, später erste
elektrische Eisenbahnen oder Konstruktions- (Metall-) Baukästen füllten
die Wunschzettel von Jungen. Mädchen waren Puppen, Puppenstuben oder Puppenküchen
zugedacht. In unserer Epoche eroberten technische Baukastensysteme die Kinderzimmer.
Sie sind nicht mehr nur den Jungen vorbehalten, auch wenn es nach wie vor geschlechtsspezifische
(den kulturellen Rollenzuschreibungen entsprechende) Vorlieben gibt. Nicht zuletzt
fördern Eltern bewusst den Umgang mit derartigen technischem Spielzeugen,
nicht zuletzt in der Erwartung, dass ihren Kindern der Weg in die maßgeblich
von der Technik bestimmten Produktions- und Verwaltungsstätten erleichtert
wird. Nun haben
wir Erzieher gelegentlich so unsere Schwierigkeiten damit, die technischen Themen,
die ja in den Lebensbereichen der Kinder existieren und im hier vorgetragenen
Sinne eine schöpferische Aneignung erfahren müssten, aufzugreifen. Diese
Schwierigkeiten können viele Gründe haben. Zu denken ist zum Beispiel
daran, dass unsere Interessen, Fähigkeiten und Überzeugungen verschieden
sind, dass wir Vorurteile oder Ängste haben. Vielleicht ist es den Lehrenden
in den Ausbildungsstätten auch nicht gelungen, den Wert der kreativen Verarbeitung
der aus der Umwelt auf das Kind einwirkenden, von ihm sinnlich erfahrenen Themen
als Voraussetzung für die kritische Aneignung und den selbständigen
Umgang mit ihnen zu vermitteln. Warum auch immer (es ist sicher Wert über
die Gründe nachzudenken) die Technik vernachlässigen wir als "Thema"
gern. Vielleicht lassen wir in Kindergarten, Hort, in der Jugendarbeit oder der
Schule noch Traktor, Auto, Schiff oder Flugzeug zu - beim Thema Fernsehen, Video,
Hörspielkassette oder CD - Player sträuben sich unsere Haare, wächst
unser Widerstand. Wir sehen ja ein, dass ein selbständiger und das heißt
ja unter anderem verantwortlicher - Umgang mit diesen technischen Medien erlernt
werden müsste. Wir wissen aber oft nicht, wie wir an diese Aufgabe methodisch
herangehen könnten. Die entsprechenden Seiten in unseren Fachbüchern
lassen wir gern aus. Aber auch im Fach "Medienpädagogik" steht
nicht selten die Vermittlung von Literatur und der Umgang mit ihr im Zentrum.
Aber auch die bekannte Fachzeitschrift "Kindergarten heute" brachte
in den vergangenen fünf Jahrgängen nur zwei Aufsätze zur Fernsehthematik,
in denen aber lediglich Untersuchungsergebnisse aus der Nutzungs- und Wirkungsforschung
mitgeteilt und diskutiert werden. Immerhin aber finden wir im Lehrbuch "Pädagogik",
das sich an die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II des allgemein
bildenden und beruflichen Schulwesens wendet, einen Abschnitt, der sich den Massenmedien
widmet. Er enthält Hinweise zur Verarbeitung von Fernsehen und Fernseherlebnissen,
die mit den hier vorgetragenen Intentionen und Möglichkeiten weitgehend übereinstimmen.
Es versteht sich nahezu von selbst, dass die historisch jüngste Informations-
und Unterhaltungselektronik, wie Videoaufnahme- und Widergabetechnik, die in mehr
und mehr Haushalten ihre Verwendung findet, nirgendwo erwähnt wird. Kein
Wunder also, wenn wir diesen Themen in der Praxis relativ hilflos gegenüberstehen
und uns darum lieber auf Altvertrauten Pfaden bewegen, selbst wenn diese hier
und da recht ausgetreten sind. Wie sieht es nun mit dem Computer aus? Auch
nicht besser! Wir können zwar in der gegenwärtigen Periode noch davon
ausgehen, dass Computer in den Familien noch nicht die Verbreitung gefunden haben,
wie die anderen Bildschirmmedien, wenn sich auch die Anzahl der Haushalte mit
Computern in den letzten Jahren erheblich vergrößerte. War es vor acht
Jahren noch ein Anteil zwischen 30 und 40 Prozent - ja nach Einkommensstruktur
und Einzugsgebiet , so haben heute 50 Prozent aller Haushalte einen PC und unter
den Kindern über zehn Jahre, so ergab eine Studie, besaßen 1995 bereits
Prozent einen eigenen Computer. Außerhalb der Familien begegnen wir dem
Computer ständig. Er gehört inzwischen zum Alltag. Kultusbehörden
erwarten daher von den Erziehungs- und Bildungseinrichtungen, dass sie die Heranwachsenden
befähigen, mit diesem neuen Werkzeug umzugehen. "Computermündigkeit"
heißt dieses Erziehung- und Bildungsziel zum Beispiel in Rheinland-Pfalz. Noch
aber sind systematische Bemühungen pädagogischer Institutionen um einen
pädagogisch sinnvollen Computereinsatz die Ausnahme und tragen Modellcharakter.
Computerausstattungen sind zwar landauf landab in allen Schulen und - je nach
Schulart - mehr oder weniger auch in Klassenzimmern anzutreffen. Inzwischen gibt
es erste Erkenntnisse darüber, wie junge Menschen in den verschiedenen Stadien
ihrer Entwicklung mit diesem Gerät und den Programmen zurechtkommen, welche
Vorlieben sie entwickeln oder wie sie ihre Begegnungen mit Computern verarbeiten.
Über die erwarteten Gefährdungen schrieb J. Weizenbaum zum Beispiel,
dass die größte Gefahr für den Menschen darin bestehe, sich selbst
als Maschine zu verstehen oder gar den Computer personifizieren und zu ihm eine
emotionale Beziehung herstellen . Unversehens schleichen sich auch in der Umgangssprache
Begriffe aus der Computerwelt ein, wie "abspeichern" oder "falsch
oder richtig programmiert sein". Nun,
bei den Kindern, so bisher die Ergebnisse der Medienwirkungsforschung, sind die
von Weizenbaum befürchteten Folgen ausgeblieben. Gewiss neigen Kinder dazu,
ihre Werkzeuge und Spielgeräte zu personifizieren und ihnen Eigenschaften
zuzuschreiben, die sie nicht haben. Aber auch wir Erwachsenen schimpfen auf unsere
Werkzeuge, wenn sie nicht funktionieren und unterstellen zum Beispiel einem Stück
Holz, das sich unseren Bemühungen aus ihm eine Figur zu schnitzen widersetzt,
Boshaftigkeit. Wir schimpfen auf unser Auto, auf die Ampel, die auf Rot springt
oder wir zürnen mit dem Computer, wenn er nicht so will wie wir. Unsere Bedienungsfehler,
Irrtümer und Unzulänglichkeiten übertragen wir rasch auf die Dinge.
Diese menschliche Eigenheit beobachtete Weizenbaum auch bei Kindern. Kinder
benutzen den Computer als Werkzeug, also ein Ding, mit dem sie viel machen können.
Man kann damit schreiben, malen, gestalten, rechnen oder spielen. Unbefangen gehen
sie an die Geräte heran und finden sich, sich selbst überlassen, bald
zu Recht. Zusammenfassend
möchte ich noch einmal festhalten: Computer sind Bestandteile der kindlichen
Lebenswelt und werden damit zu Themen, die ein Kind verarbeiten will und soll.
Wenn wir uns an einer ganzheitlichen Sicht vom Menschen und seiner Erziehung und
Bildung orientieren, dann finden diese Themen in unserer Arbeit und im Leben des
Heranwachsenden einen angemessenen Platz; dann verringern wir die Gefahr, die
für die Persönlichkeitsentwicklung von Menschen vermutet werden. Als
Wundermaschine mit omnipotenten oder magischen Eigenschaften identifizieren Kinder
den Computer umso weniger, je mehr sie mit ihm umgehen.
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2. Projektergebnisse Zusammengefasst: Alle
beteiligten Schülerinnen und Schüler in den Horten haben den Computer
wie selbstverständlich als ein Spielgerät unter anderen genutzt. Wenn
eine kompetente pädagogische Begleitung vorhanden ist, gehen offenbar vom
Computer keine Gefahren für die seelische, geistige oder soziale Entwicklung
bei dieser Altersgruppe (Grundschuljahrgänge) aus. 2.1.
Computer und Illusion
Es
gehörte zu den Vorstellungen der beteiligten Erzieherinnen in einem Projekt
in Kindertagesstätten in Düsseldorf, dass der Umgang mit dem Computer
die Kinder desillusionieren solle, wobei in diesem Punkte unterstellt wurde, dass
für Kinder der Computer eine Scheinwelt erzeuge. Diese Aufgabenstellung korrespondiert
mit dem Problem vom Computer als "Wundermaschine". Weder die Antworten
auf die Frage, wie Kinder den Computer erleben, noch die mit Hilfe des Computers
angefertigten Arbeiten vermochten die Annahme zu stützen, dass die am Projekt
beteiligten Kinder in Gefahr waren, die "vom Computer erzeugte Scheinwelt"
mit der Realität zu verwechseln. Auf welche Weise sie den Computer mit vorhandenen
Vorstellungen verknüpfen und Beziehungen sowohl zu gehörten Geschichten
als auch zur Realität herzustellen vermögen, dies zeigt beispielhaft
der folgende Kinderaufsatz: "Mein
Computer. Vor langer Zeit erlebte Alice mit Ihrem Computer etwas Außergewöhnliches
und dieses geschah so. Alice spielte mit ihrem Computer und plötzlich zuckte
sie zusammen. Sie glaubte, dass der Computer sich ein Stückchen bewegt hatte.
Doch dann sah Alice, dass es keine Täuschung war. Der Computer bekam plötzlich
Beine und marschierte quer durchs Zimmer. Sie konnte ihren Augen kaum glauben.
Der Computer sagte zu Alice: "Komm mit ins Phantasieland!" Er nahm Alice
an die Hand. Zwei Minuten lang drehte sich alles um Alice. Als die beiden im Phantasieland
angekommen waren, guckte sich Alice neugierig um. Dort sah sie Bonbons von den
Bäumen fallen und Hähnchen, die durch den Schornstein rutschen. Doch
plötzlich sagte der Computer: Wir müssen jetzt nach Hause! Es ist schon
17,30 Uhr. Dann drehte sich wieder alles und in zwei Minuten waren sie wieder
zu Hause."
2.2.
Selbständigkeit und Kooperation
Die
Ziele, selbständig mit dem Gerät zu arbeiten und die Bereitschaft, mit
ihm umzugehen zu wollen, lassen sich erreichen. Außerdem hat sich herausgestellt,
dass der Computer nicht dazu verführt, ein "Einzelkämpfer"
zu werden. Das Gegenteil ist der Fall. Immer wieder registrierten Erzieherinnen
und Lehrerinnen bei ihren Beobachtungen, dass Kinder, die üblicherweise kaum
zu aufeinander abgestimmten gemeinsamen Handlungen fähig zu sein schienen,
vor dem Computer erstaunliche, bis dahin nicht vermutete soziale Verhaltensweisen
zeigten. Bezogen auf diese Altersgruppe der Sieben- bis Elfjährigen haben
die Praxis und die sie begleitenden Erhebungen darüber hinaus nachweisen
können, dass Kinder soziale Arbeitsformen auch im Umgang mit dem Computer
bevorzugen. Die prinzipielle Orientierung auf andere Kinder und auf den Erwachsenen
hin, hat für die Kinder dieser Altersstufe Priorität. Sie wünschen
sich besonders die Begleitung durch ihre Erzieherinnen und verraten uns damit
zugleich, dass für die Kinder ein Computer die pädagogische Assistenz
nicht ersetzen kann. Sogar die heute mehr und mehr mögliche Kommunikation
und Kooperation mit Hilfe von E-Mail beziehungsweise Internet wird von Kindern
im Schulalter genutzt, um virtuelle Gemeinschaften zu bilden. Selbstverständlich
darf die unmittelbare, persönliche Kommunikation nicht vernachlässigt
werden. Es darf jedoch die interpersonelle Kommunikation mit Hilfe der elektronischen
Medien als wertvolle Ergänzung betrachtet werden .ist 2.3.
Psychische und physische Auswirkungen
Die
Erzieherinnen haben beobachtet und festgehalten, welche Auswirkungen der Umgang
mit dem Computer auf die Kinder hat und es kann wiederholt werden, was bereits
festgestellt worden ist: Einen Schaden tragen Kinder dieses (Grundschul-)Alters
offensichtlich nicht davon, wenn sie in außerschulischen Zusammenhängen
mit dem Computer umgehen. An Einzelbeispielen war zu sehen, dass der Computer
half, soziale Ängste zu verringern, Lernmotivation zu fördern, eigenes
Verhalten zu kontrollieren oder soziale Tugenden zu entwickeln. Der Umgang mit
ihm kann in Bezug auf soziale oder kognitive Lernprozesse ebenso wirksam sein,
wie alle anderen Aktivitäten, die im Hort angeboten werden. "Es kommt
darauf an", so drückte das eine Erzieherin im Auswertungsgespräch
im Februar 1991 aus, "ob das Kind einen guten Tag hatte". Und dieser
Hinweis gilt bekanntlich nicht nur für den Umgang mit Computern. Es kann
in diesem Zusammenhang lediglich noch einmal registriert werden, dass er psychische
und physische Entwicklungen nicht behindert. So sorgen die Kinder zum Beispiel
selbst dafür, dass ihr Bewegungsdrang nicht zu kurz kommt: wenn die Sonne
scheint, spielen sie lieber im Freien und verzichten auf das Gerät. Die Frage,
ob er sie mehr fördern könnte, als andere Spiel- und Arbeitsformen im
Hort, war nicht Gegenstand der projektbegleitenden Untersuchungen. 2.4.
Mädchen und Computertechnik
In
ganz eindeutiger Weise wurde auch in diesem Projekt nachgewiesen, dass Mädchen
keine Schwierigkeiten im Umgang mit technischen Medien haben. Es sind sogar, dank
einiger Eigenschaften der beteiligten Kinder, mehr Geduld, Ausdauer und Freude
an Problemlösungen beobachtet worden als bei Jungen. Befunde aus anderen
Untersuchungen sprechen dafür, dass diese Ergebnisse verallgemeinert werden
dürfen. 2.6.
Schulisches Lernen mit dem Computer
Die
Benutzung von geeigneten Anwenderprogrammen, die für die Übung von Kulturtechniken
oder die Erweiterung von Kenntnissen und Fertigkeiten in Schulfächern wie
Geographie, Physik, Geschichte, Deutsch, Biologie oder Zeichnen kann sehr hilfreich
sein. Der Computer als Tutor hat besonders dort seinen guten Zweck, wo Kinder
mit Schwierigkeiten im Schulbereich zu kämpfen haben. Dies hat die Untersuchung
in einigen Beispielen wenigstens ansatzweise bestätigt. Um hier zu überzeugenderen
Ergebnissen zu kommen, müssten entsprechende Messinstrumente entwickelt und
die Kinder über längere Zeiträume hinweg genau beobachtet werden.
Dies geschieht bereits, und es sprechen die vorgetragenen Untersuchungsergebnisse
aus dem Bereich der Schulen dafür, dass didaktisch sorgfältig entwickelte
Programme für Schüler mit Lernproblemen sehr nützlich sein können.
In diesem Zusammenhang soll eine interessante Beobachtung nicht verschwiegen werden:
Kinder nehmen Fehlermeldungen von Computern bedeutend gelassener entgegen, als
entsprechende Hinweise durch Erzieher. Eltern oder Lehrer sagen zum Beispiel:
"das hast Du ja schon wieder falsch gemacht." "Nun nimm Dich aber
mal zusammen!" "Das lernst Du ja nie, wenn Du so weitermachst!"
"Stell Dich nicht so dumm an!" Oder, wie erst jüngst in der zehnten
Klasse eines Gymnasiums geschehen: "Ihr solltet besser einen praktischen
Beruf lernen..." Der Computer enthält sich jedes wertenden oder diskriminierenden
Untertons: Bei Bedienungsfehlern reagiert er mit einem Piepston; bei Arbeitsfehlern
- je nach Programm - mit aufmunternden Sprüchen und der Aufforderung, es
noch einmal zu versuchen. Auf der Beziehungsebene läuft da gar nichts
ab. Der Einsatz
von Programmen, die Schulfächerbezogene Lernprozesse unterstützen sollen,
erfordert die Zusammenarbeit mit den Lehrern. Für diese Vorstellung sprechen
nicht allein pädagogische Grundsätze, sondern auch Kriterien wie Effektivität
und Rationalität. Der Aufwand, gerade wenn die Arbeit dem einzelnen Kind
viel Spaß macht, soll sich lohnen. Darum sind gegenseitige Informationen,
Abstimmung in den Vorgehensweisen und Erfolgskontrollen mit den dazugehörenden
Rückmeldungen dringend geboten, ja sogar Voraussetzungen für Erfolge.
Sollten Grundschulklassen in den Einzugsbereichen der Horte noch nicht über
Rechner verfügen, sind anregende Impulse von Seiten der Horte ein Weg, Lehrerinnen
und Lehrer auf dieses Medium hinzuweisen.
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3. Didaktisch-
methodische Hinweise Zusammengefasst: Der
Computer kann entwicklungsfördernd in Erziehung und Bildung eingesetzt werden,
wenn geeignete Spiel- und Arbeitsprogramme zur Verfügung stehen und pädagogisch
verantwortlich begleitet werden. Zu
allgemeiner Akzeptanz für Computer im Hort beitragen kann sein didaktisch
legitimierter Einsatz. Die hierfür geeigneten ersten konzeptionellen Schritte
sind mit der Durchführung des Projekts getan worden. Die Ergebnisse tragen
dazu bei, Ort und Funktion des Computers im Hort zu bestimmen und Antworten auf
entsprechende Fragestellungen zu geben. Ich möchte dies in Anlehnung an die
Ausführungen im Bericht und schlagwortartig zusammenfassend tun: Wer
Computer im Hort einsetzt, sollte mit ihm umgehen können und sich im Programmangebot
auskennen. Bewährt haben sich hier Arbeitsgemeinschaften interessierter Erzieherinnen,
in denen über die gegenseitige Information und den Erfahrungsaustausch hinaus
neue Erkenntnisse vorgetragen und neue Programme vorgestellt und auf ihre Verwendung
im Hort hin geprüft werden. Zweckmäßig ist es, den beteiligten
Erzieherinnen sachkundige Begleitung anzubieten Ich denke dabei nicht an Hochspezialisierte
Computerexperten sondern vielmehr an Frauen oder Männer aus den eigenen Reihen
oder an die Partner im pädagogischen Feld, wie Lehrerinnen oder Lehrern aus
den Grundschulen, mit denen ohnehin zusammengearbeitet wird. Im
Zentrum stehen die Bemühungen um geeignete Computerprogramme. Zweifellos
ist die Erzieherin gut beraten, wenn sie zunächst auf die Kinder schaut.
Das Projekt hat gezeigt, dass es sich nicht durchhalten lässt, wenn alles
das verbannt oder gar verdammt werden soll, was Kinder besonders beschäftigt.
Im Projekt waren es die Computerspiele, die gewissermaßen außerplanmäßig
eingeschleust wurden. Und siehe da: Die Praxis ließ keine Gefährdungen
erkennen, Kinder konnten "vernünftig" damit umgehen. Das Problem
der Computerspiele soll hier nicht verharmlost werden. Unter bestimmten Bedingungen
und bei entsprechenden Inhalten gehen sehr wohl erhebliche Gefährdungen für
die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern aus. Der Bereich von Fernseh-
und Videowirkungen ist gut erforscht. Übertragen wir Erkenntnisse dieser
Wirkungsforschung auf den Umgang mit Computerspielen, sind wir aufgerufen, uns
dieser Spielprogramme anzunehmen und Kinder jene verarbeiten zu lassen oder an
sie heranzuführen, die wir für die Förderung der verschiedenen
Bereiche in der Persönlichkeitsentwicklung als geeignet erkannt haben. Dabei
lassen wir die Kinder nicht allein. Selbst wenn Rechner für Kinder frei zugänglich
und in ausreichender Zahl vorhanden sind, wissen wir wer mit wem welches Spiel
spielt, ermuntern wir ein bestimmtes Kind, ein bestimmtes Lern- oder Übungsprogramm
aufzurufen.
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4. Zum
Schluss Für
alle, die für die Horte Verantwortung tragen ergibt sich in der Auswertung
dieses Berichts die Aufgabe, gemeinsam mit den nunmehr in diesen Fragen sachverständigen
Horten darüber zu beraten, ob und in welcher Form die bisher erworbenen Erfahrungen
weiterentwickelt werden sollen. Es ist damit zu rechnen, dass sich in absehbarer
Zeit auch andere Tagesstätten gleicher oder anderer Träger für
den Einsatz von Computern interessieren. Dann würde es nicht genügen
(und mit wachsendem zeitlichen Abstand zur Projektphase immer weniger), auf den
hier vorliegenden Bericht zu verweisen. Wenn abschließend die Frage
gestellt wird, ob der Computer aufgrund der Erfahrungen aus dem Projekt "Kinder
und Computer im Hort" in allen Horten eingeführt werden sollte, dann
können wenigstens die beiden folgenden Antworten darauf gegeben werden: Am
wenigstens wären Computer im Hort pädagogisch zu rechtfertigen, wenn
sie ausschließlich als ein Spielgerät unter anderen angeboten werden.
Für diese Aufgabe wäre zurzeit die Anschaffung zu teuer und - bei unzureichender
Kontrolle - die Gefahr des Missbrauchs (z.B. durch ungeeignete Spiele) zu groß.
Das Ziel, Kinder möglichst frühzeitig an diese Technik zu gewöhnen,
um spätere berufliche Benachteiligungen zu vermeiden, verliert in dem
Maße an Bedeutung, in dem 1. Computer zunehmend in Familien anzutreffen
sind und 2. deren Bedienung, sowie die Anwendung selbst anspruchsvoller Programme
immer einfacher und rascher zu erlernen ist. Selbstverständlich,
auch das haben ja die Ergebnisse der Begleituntersuchungen ergeben, spielen Kinder
gern und üben dabei eine ganze Reihe von Fähigkeiten und sozialen Verhaltensweisen.
Doch ist das ja nur eine Möglichkeit der Nutzung. Die Antwort, die uns das
Projekt auf die gestellte Frage gibt, ist eindeutig: Kindern, die Schwierigkeiten
beim Lernen und im Sozialverhalten haben, kann ein Computer helfen. Gewiss
sollten die Programme geeignet sein und die Erzieherinnen sie pädagogisch
angemessen einsetzen und begleiten können. Diese Voraussetzungen weisen uns
noch einmal auf die Ausführungen im ersten Teil: Ein entsprechendes pädagogisches
Konzept, dem sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer sozialpädagogischen
Einrichtung verpflichtet wissen, trägt dazu bei, dass alle seelischen, geistigen
und körperlichen Kräfte unserer Kinder gleichermaßen gefördert,
dass Herz, Kopf und Hand gemeinsam angesprochen werden. Nach dem Abschluss
des Projekts wurden die Erzieherinnen, die das Projekt maßgeblich durchführten,
nach ihren Wünschen gefragt. Sie
möchten: fachlich kompetente Ansprechpartner oder -Partnerinnen für
den Umgang mit den Geräten, die man um Rat fragen kann, wenn es um die Programme
geht; weiterhin regelmäßige Treffen aller Erzieherinnen, die mit
diesem Medium arbeiten; Kontakte zu Schulen, in denen Computer zur Lernunterstützung
eingesetzt werden.
Niemand
ist auf den Gedanken gekommen, den Computer wieder abschaffen zu wollen.
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