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Schriften zur Erziehung und Bildung im WWW
von Dr. Joachim Rumpf

 



Kind und Computer in Heim, Hort und Schule

 

 

Einführung

Die nachfolgenden Ausführungen beruhen auf Erfahrungen. In einer stationären Einrichtung der Jugendhilfe in Baden-Württemberg und in den Tagesstätten eines freien Trägers in Nordrhein-Westfalen (vgl. dazu die Seite "Kind und Computer im Hort") sind seit 1990 Computer in pädagogischem Einsatz. In Arbeitstagungen und während der ständigen Begleitung, dokumentierte der Verfasser dieses Beitrages Arbeitsverläufe und Arbeitsergebnisse und moderierte in Kontakt mit den beteiligten Erzieherinnen und Erziehern die konzeptionelle und praktische Fortschreibung dieses Arbeitsfeldes. Alle Beteiligten werden durch die Lebensrealität in ihrer Überzeugung bestätigt, dass wir in den Jugendhilfeeinrichtungen so früh und fachlich so kompetent wie möglich, Computer in Erziehung und Bildung einzusetzen haben. Mit diesem Beitrag werden ohne Zweifel in vielen Einrichtungen offene Türen eingerannt. Er kann aber dennoch auch dort zusätzlich Argumentationshilfe leisten und die bestehenden Konzepte absichern helfen. All jenen Fachkräften, die noch am Anfang stehen und gerade beginnen, Computer in die Gruppen zu geben, bieten unsere Erfahrungen einige Tipps an. Anzumerken ist, dass hier über Einsichten referiert wird, die im Umgang mit Kindern gewonnen wurden, die eine weiterführende (Haupt- Real, oder Sonderschule besuchten. Kinder im Grundschulalter waren nur zu höchstens zehn Prozent vertreten.

 

1. Didaktische Hinweise zum Einsatz von Computerprogrammen

Computer sind Bestandteile unserer Lebenswelt und werden damit zu Themen, die ein Kind verarbeiten will und soll. Wenn wir von einer ganzheitlichen Sicht vom Menschen und seiner Erziehung und Bildung ausgehen, dann müssen wir auch dem Umgang mit dem Computer einen angemessenen Platz in der Pädagogik zuweisen. Ein entsprechend gezielter Einsatz dieses Mediums verringert Gefahren, die im Umgang mit Computern für die Persönlichkeitsentwicklung bisher vermutet werden. Stattdessen können unsere Kinder erfahren, dass Computer auch sinnvolle Betätigungen anbieten. Hierbei ist vor allem an den Einsatz von Lernprogrammen oder solche Spielprogramme, die sowohl unterhaltsam als auch lehrreich sind, als sie mit vielen Computerspielen möglich sind.
Kinder mit Schwierigkeiten in kognitiven und kommunikativ-sozialen Bereichen können in ganz besonderer Weise Nutzen für ihre Entwicklung aus der Arbeit mit geeigneten Computerprogrammen ziehen. Dieser Aussage liegen bereits erste Forschungsergebnisse zugrunde. Es sind vor allem wissenschaftlich begleitete Projekte an Schulen für lernbehinderte Kinder, die die Zweckmäßigkeit des Computereinsatzes in schulischen Lernprozessen überprüften und geeignete Lernprogramme entwickelten. Im Bereich der Jugendhilfe liegen bereits eine Fülle an Erfahrungen in Heimen gesammelt worden und auch in Horten begannen bereits vor zehn Jahren die ersten Projekte mit Computern bei der Hausaufgabenhilfe.

Wenn Computer eingeführt werden sollen, kommt es darauf an, nicht einfach darauf los zu wurschteln, sondern in systematischer Weise und nach allen Regeln sozialpädagogischer Kunst, verantwortlich den Einsatz von Computern beziehungsweise Computerprogrammen vorzubereiten, zu starten und die Durchführung zu beobachten, zu dokumentieren und fortzuschreiben.

Noch betreten viele Tagesstätten und Heime mit einem derartigen Vorhaben pädagogisches Neuland. Je gründlicher die Beteiligten es vorbereiten, umso wahrscheinlicher wird es, dass die angestrebten Ziele erreicht werden. Mit dem Einsatz von Computern und geeigneten Programme verbinden sich mit bestimmten Absichten. Wir wollen - allgemein gesagt - die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern günstig beeinflussen. Diese Persönlichkeitsentwicklung bezieht sich auf verschiedene Dimensionen, die im Folgenden kurz betrachtet werden sollen.


1.1..Die kognitive Dimension.
Sie ist relativ einfach zu begreifen, wenn wir an Schulschwierigkeiten unserer Kinder denken. Da kann es gehen um die Förderung der Rechenfertigkeit; also nicht nur um das Begreifen von Rechenprozessen, die Entwicklung von Mengenvorstellungen oder gar ganz allgemein um mathematisches Denken, sondern auch um die Geschwindigkeit der Denkvorgänge. Im Mittelpunkt freilich steht nicht das Erlernen neuer Sachverhalte. Hauptfunktion von Computerprogrammen ist die Übung. Mit Hilfe eines Computerprogramms kann man zum Beispiel nicht Deutsch "lernen". Stattdessen können sehr gut Teile der Sprachstruktur geübt werden. Im Grunde wissen unsere Schüler schon worum es geht; die grammatikalischen Elemente eines Satzes haben sie zum Beispiel in der Schule kennen gelernt. Nun geht es darum, Routine und Sicherheit zu erwerben. Entsprechende Programme (Sprachspiele) ermöglichen das zum Beispiel mit Hilfe von Lückentexten oder Bestimmungsübungen.

1.2. Die motivationale Dimension.
Hier ist es zunächst schon schwieriger zu verstehen, dass die Arbeit mit Computerprogrammen das Interesse am Lernen (an geistiger Arbeit) zu fördern vermag. Tatsächlich aber sind entsprechende Computerprogramme nicht selten sehr gut geeignet, misserfolgsmotivierte Kinder zum Lernen zu bewegen.
Warum das so ist, verrät uns ein Beispiel: Denken wir nur daran, dass ein Computerprogramm gleichsam "gefühlsneutral" einen Fehler rückmeldet. Bei Erwachsenen schwingt dagegen im Regelfalle eine versteckte (beziehungsabhängige) Aussage mit: "Du bist einfach zu dumm/zu faul/zu träge" oder: "Du willst mich ärgern". Unsere Kinder schalten dann gern auf stur. Ein Computerprogramm hat diese Nachteile nicht. Ein Kind ist erfahrungsgemäß darum bereit, die Aussage des Programms "das hast Du falsch gemacht" zu akzeptieren. Selbst wenn das Kind vor dem Gerät schimpft: dem Computer macht das nichts aus; das Programm reagiert immer gleich.
Zur Förderung der Lernbereitschaft können natürlich Programmgestaltung und Programmaufbau selbst beitragen. In den meisten Lernprogrammen, die u. a. von bekannten Schulbuchverlagen angeboten werden, führt eine Figur durch das Programm. Ob eine Einrichtung sich nun für "Addy", "Alfons", "Peter Lustig" oder "Tim" entscheidet, um nur einige zu erwähnen, das hängt einmal vom Themenangebot ab zum anderen sicher auch von Erscheinungsbild und Sprachverhalten dieser Figur. Wenn über diese Figuren z.B. die Lernschritte so eingearbeitet worden sind, dass einem Kind mehr Erfolg als Misserfolg zurückgemeldet wird, dann ist es nachher stolz darüber, dass es so erfolgreich war. Unverzichtbar bleibt aber, dass wir Erwachsenen das anerkennen und entsprechend reagieren!

1.3 Dimension soziales Verhalten
Gerade bei Programmen, die die gleichzeitige Arbeit zweier Kinder vorsehen, können soziale Tugenden, wie zweckorientierte Zusammenarbeit, Warten können, Rücksichtnahme, Verständnis und Hilfsbereitschaft gefördert werden. Nach den bisher vorliegenden Forschungsergebnissen bewährt sich der Computer besonders, wenn ein Kind, das bereits mit Hard- und Software umgehen kann, einem anderen hilft, das zu lernen. Es ist also für die Förderung von sozialen Verhaltensweisen von Bedeutung, darauf zu achten, dass Erwachsene nur bei den ersten Kinder, die an den Computer heran geführt werden, allein die Anleitenden sind: Den "Computerführerschein" können späterhin andere Kinder mit Unterstützung derer erwerben, die ihnen hier schon einige Schritte voraus sind.
Bei Schulversuchen hat es sich gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler lieber zu zweit ein Programm bearbeiten, als allein vor einem Gerät zu sitzen. Sie beratschlagen, was sie antworten sollen und erleben auf diese Weise eine ganz neue Art zu Lernen, bei der partnerschaftlich das Neue erschlossen wird. Fehlermeldungen gehen stets beide an - wie sich beide am Erfolg freuen können.
Es ist an dieser Stelle zu bedenken, ob nicht gerade zu den ersten, die mit diesem Medium arbeiten, jene gehören, denen sozial angepasste Verhaltensweisen (hier: mit anderen abgestimmte Verhaltensweisen) am schwersten fallen.

1.4 Die Dimension Selbstwertgefühl
Auffälligkeiten - vor allem im Bereich des Umgangs mit anderen Kindern und Erwachsenen - haben nicht zuletzt ihre Ursachen darin, dass sich die betreffenden Kinder stets abgelehnt/benachteiligt fühlen. Sie konnten keinen Funken Selbstachtung entwickeln, wenn sie von ihren Eltern abgelehnt wurden. In nicht wenigen Fällen tun die Erwachsenen das Ihrige noch dazu, wenn sie den Kindern zu verstehen geben, dass sie nichts Wert sind. Es gibt sogar Lehrer und Erzieher, die in geradezu entwicklungsschädigender Weise Schülerinnen und Schüler diskriminieren können. Sowohl entsprechende Bemerkungen als auch Mienenspiel und Gestik können verletzen.
Aus derartigen Erfahrungen erwachsende Minderwertigkeitsgefühle kompensieren unsere Kinder mit Aggressionen gegen sich und ihre Umwelt. Erst in dem Maße, in dem sie befähigt werden, "über den Kopf" ihr Schicksal zu verstehen und zu bearbeiten, besteht die Chance, dass sie die wahren Ursachen erkennen und lernen, sich anzunehmen. Die Aussichten für den Beginn eines derartigen Prozesses können gefördert werden, wenn die Kinder von uns bedingungslose Annahme und Akzeptanz erfahren. Die Erfahrung, selbst etwas Wert zu sein - gleichsam ohne Vorbedingungen - wird aber nicht nur über die soziale Komponente (also durch uns als Personen) unterstützt. Positive Erfahrungen mit sich selbst macht ein Kind auch dann, wenn es irgendwo Erfolg hat. Wir haben in Tagesstätten und Heimen vielleicht den Sport, die Musik, das Basteln und andere gezielte Freizeitaktivitäten als Möglichkeiten positiver Selbsterfahrung. Nun käme noch der Computer hinzu.
Da böte sich einmal die Grunderfahrung an: ich kann mit dem Ding umgehen; ich kann es steuern, ich kann damit etwas hervorbringen.
Es wirkten sich aber weiter die mit Hilfe des Computers erzielten Lern- und Arbeitserfolge positiv auf die Herausbildung von Selbstvertrauen aus.
Vielleicht lassen sich hierfür geeignete Computerspiele auftreiben oder entwickeln, die allen Kindern, die damit umgehen können, positive Selbsterfahrungen ermöglichen und auf diese Weise das Zutrauen sich selbst gegenüber stärken.
Mit Hilfe welcher Programme auch immer: Diese Dimension ist für die Legitimation der Programmauswahl mit entscheidend.

1.5 Die Dimensionen Selbständigkeit und Autonomie
Der selbständige, von Erwachsenen unbegleitete Umgang mit Computern gehört zu den Zielen. Es ist eigentlich das am weitesten gesteckte Ziel, da nicht alle Kinder, die mit dem Computer umgehen, in normgerechter Weise mit sich, mit anderen und mit Dingen umgehen können. Finden alle hier aufgezählten Dimensionen angemessen Berücksichtigung, ist auch dieses Ziel für unsere Kinder erreichbar.


2. Bedeutsame Rahmenbedingungen

2.1 Kooperation mit den Schulen
An Förderschulen sind bereits vor mehreren Jahren Computer im Unterricht eingeführt und Programme für Schülerinnen und Schüler (zunächst ab der 7. Klasse) entwickelt und erprobt worden. Die Bewährung der Programme ist nachgewiesen und - sozusagen schulamtlich - anerkannt. Es können zum Beispiel in den Kreisbildstellen Erzieherinnen und Erzieher oder Lehrerinnen und Lehrer Programme anschauen und sich beraten lassen. Von dort auch werden immer wieder Fortbildungsveranstaltungen für diese Berufsgruppen angeboten.
Sobald wir die Programme kennen gelernt haben und sich deren Anwendung bei uns bewährte, wären die mit uns kooperierenden Schulen beziehungsweise Lehrerinnen und Lehrer, soweit sie nicht ohnehin damit arbeiten, für die Einführung der gleichen Ausstattung zu gewinnen.
Die Aufgabe der Zusammenarbeit mit der Schule bezöge sich in erster Linie darauf, gleiche Programme zu benutzen und die Kommunikationswege zum Beispiel über die Art und Weise der Rückmeldung/des Austauschs von Arbeitsergebnissen zu organisieren.
Sind auch Vorschulkinder in die Arbeit mit Computern einbezogen, können im Rahmen der Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule die entsprechenden Erfahrungen ausgetauscht werden. Zurzeit sind Computer in Grundschulklassen noch nicht überall selbstverständlich, wenn auch längst eine Reihe geeigneter Lernprogramme vorliegt und sich bewährt hat.


2.2 Für Annahme sorgen
Unter diesem Stichwort ist daran zu denken, dass in einer sozialpädagogischen Einrichtung alle Erzieherinnen und Erzieher eine derartige Maßnahme unterstützend begleiten müssen. Vorbehalte gegen das Medium oder gegenüber der pädagogischen Zweckmäßigkeit seines Einsatzes teilen sich den Kindern mit und relativieren die Wirkung der mit dieser Arbeitsweise verbundenen guten Absichten. Darum wird dieses Projekt in der Mitarbeiterbesprechung zur Diskussion gestellt. Es sollten sich eigentlich alle auf diese neue Arbeitsmöglichkeit für Kinder freuen - allerdings ohne damit übertriebene Hoffnungen zu verbinden. Wir erproben erst einmal den Einsatz von Computerprogrammen in der Tagesstätte zum Beispiel in einem ersten Schritt im Zusammenhang mit schulischer Förderung. Auch an Spielprogramme kann gedacht werden, soweit sie den oben genannten Zielen dienen. Ein zusätzliches Problem entsteht überall dort und dann, wo und wenn Erzieherinnen und Erzieher, die mit Begeisterung und Kompetenz die Arbeit mit Computern einführten, die Einrichtung verlassen und niemand zurückbleibt, die/der die Arbeit weiterführt. Es gehören also nicht nur konzeptionelle Übereinstimmung im Team sondern auch die Sicherung der Kontinuität dazu. Die Arbeit mit dem Computer als Steckenpferd eines Einzelnen (vielleicht sogar eines Jahrespraktikanten) wäre nicht zur verantworten, wenn sie Episode bleibt und nicht Bestandteil der Konzeption wird.
Selbstverständlich sind auch die Eltern und die Träger einzubeziehen. Bei den meisten Eltern kann auf Grund der Verbreitung von Computern und deren Bedeutung im beruflichen Alltag sowie die Nutzung des Internets davon ausgegangen werden, dass von Elternseite her die Unterstützung zu erwarten ist. Es wird aber auch Eltern geben, die Widerstände anmelden, sei es, dass sie aus grundsätzlichen Gründen gegen diese Medien sind, sei es, weil sie von der Tagesstätte eine ganz andere Einflussnahme wünschen. "Zu Hause haben die Kinder schon genug Fernsehen und Computer - da wollen wir das nicht auch noch in der Tagesstätte..." so, oder so ähnlich könnten sie argumentieren.
Selbstverständlich gilt dieser Vorbehalt auch für den Träger. Hier sind ohnehin überall dort Widerstände zu erwarten, wo die finanziellen Mittel knapp sind. Die Anschaffung von Hardware, vor allem, wenn sie für die Verwendung aktueller Programme geeignet sein soll, ist teuer. Nicht wenige Tagesstätten behelfen sich mit gebrauchten Ausstattungen. Da in den vergangenen Jahren die rasante Entwicklung im Computerbereich praktisch alle drei Jahre eine neue Computergeneration hervorbrachte, standen in Betrieben und Haushalten alte Ausrüstungen herum, die nicht selten den Kindern überlassen wurden oder den Weg in eine Tagesstätte oder in ein Heim fanden. Neben finanziellen Hemmnissen können aber auch Träger pädagogische Bedenken haben. Auch in derartigen Fällen wäre erst Überzeugungsarbeit nötig.

 

3. Hinweise für die Praxis

Im Grunde müsste alles das, was im Folgenden angesprochen wird, gleichzeitig geschehen. Insofern bedeutet die Reihenfolge der Aufzählung einzelner Arbeitssequenzen keine Rangfolge.

3.1 Programme prüfen
Obwohl es ausgeschlossen ist, dass der Idealfall je erreicht wird und gleichsam jedes ein Kind für seine spezifischen Möglichkeiten und Bedürfnisse zugeschnittenes Programm erhält, haben wir die Programme, die bereits entwickelt worden sind, unter dem Blickwinkel seiner speziellen Funktion im Zusammenhang mit der Förderung ebenso spezieller Fähigkeiten zu prüfen.
Um diese Prüfung zu erleichtern, wäre ein "Förderungsblatt" nützlich, eine Art didaktischer bzw. Situationsanalyse bezogen auf ein bestimmtes Kind oder eine bestimmte Gruppe. Aus ihm ginge hervor, welche schulischen, motivationalen oder sozialen Probleme ein Kind hat, die wir mit Hilfe eines (welchen) geeigneten Programms angehen wollen. Die Begründung der Auswahl des Programms ist zu vermerken.
Unsere Entscheidungen für ein bestimmtes Programm (z.B. Rechnen, Sprachförderung, Sachkundefächer o. dgl.) können sich stützen auf die Anforderungen der Erzieherinnen und Erzieher oder auf die Empfehlungen der Schule, die das betreffende Programm in dieser Klasse (bei diesem Kind) bereits verwenden. Bei der Programmauswahl ist davon auszugehen, dass das Übungsprogramm für ein Kind (Beispiel: das große Einmaleins) auch für andere Kinder verwendbar ist. Mit der Zeit erhalten wir eine eigene Programmauswahl, die für verschiedene Kinder mit gleichen Schwierigkeiten genutzt werden kann. Es wird Aufgabe der Beschaffungsorganisation sein, "Exoten" (Programme, die nur für ein Kind sinnvoll scheinen und sonst keine Verwendung mehr fänden) zu vermeiden.
dass früher oder später die Anzahl der Programme wächst, ist von Anfang an ein Verzeichnis anzulegen, das über geeignete Stichworte einen raschen Zugriff auf ein für ein bestimmtes Thema/eine bestimmte Fertigkeit geschriebenes Programm ermöglicht.
Es kann aber genau so gut ein Programm - also auch ein Computerspiel - von uns ausgewählt werden, wenn wir es für den vorgesehenen Zweck für geeignet halten und darum angeschafft oder geschrieben haben. Soweit es Unterrichtsinhalte berührt, ist der o. g. Kooperationsgesichtspunkt besonders zu beachten.

Der oben geäußerte Kooperationsgedanke als Rahmenbedingung bedeutet nicht, Computer nur genutzt werden können, wenn die Schulen beziehungsweise die Tagesstätten mitziehen. Wir können durchaus eigenständig arbeiten und selbst die Programme auswählen und einsetzen, die wir für ein bestimmtes Kind/für bestimmte Kinder für geeignet halten. Es kann aber diese Eigenständigkeit zu einem Mehraufwand an Arbeit führen. Wir können unsere Kinder nicht zusätzlich mit Übungen belasten. Wir müssten also erreichen, dass der Einsatz von Übungspro-grammen bei bestimmten Kindern (wenigstens zum Teil) die Hausaufgaben ersetzt. Es liegt auf der Hand, dass in diesen Fällen die Kommunikation zu den jeweiligen Lehrern zusätzliche Inhalte erhält.
Voraussetzung ist in beiden Situationen (gemeinsamer Einsatz oder einseitiger Einsatz entsprechender Programme), dass auch die Lehrer die Förderungsmaßnahmen bzw. Arbeitsweisen mittragen und positiv unterstützen.

3.2 Kinder sorgfältig auswählen.
Es können jeweils ein bis zwei Kinder (ja nach Programm) an einem Bildschirm arbeiten. Programme, die die Beteiligung von zwei Kindern vorsehen, sind für unsere Zwecke beziehungsweise bei unserem Klientel aus den bereits genannten Gründen vorzuziehen.
Es sollte bei der Entscheidung darüber, wer / welche Kinder einbezogen werden, vor allem unter dem Hilfegesichtspunkt entschieden werden. "Welches Kind braucht welche Förderung am meisten?" so sieht die Prüfung aus. Dieser Entscheidungsprozeß ist nicht einfach.
Hierzu folgender Vorgehensweise:
Die Erzieherinnen und Erzieher, die mit den Kindern lernen, stellen zusammen, in welchem Fach und in Bezug auf welche Übungsstoffe ein Kind Hilfe braucht. Soweit ein guter Kontakt mit den betreffenden Lehrerinnen und Lehrern besteht, werden diese befragt. Das Ergebnis ist um so brauchbarer, je konkreter es ist. Zum Beispiel: Anna, 7. Klasse, Fach: Mathematik; sie muss das große Einmaleins üben.
Und - das ist wichtig - Prioritäten setzen! Unsere Kinder können nicht alle Versäumnisse auf einmal nachholen. Irgendwo muss angefangen werden. Die Erzieherinnen und Erzieher entscheiden, am besten unter Beteiligung des Kindes, in welchem Fach und mit welcher Lücke begonnen wird.
Im nächsten Schritt mss der beauftragte Experte schauen, ob es ein geeignetes Programm gibt. Wenn es eins gibt und angeschafft wurde, dann kann damit begonnen werden, zu arbeiten.

3.3 Kinder nicht allein vor den Computer setzen.
Der Computer ist kein Tudor und kann Lehrerinnen und Lehrer oder Erzieherinnen oder Erzieher nicht ersetzen. Diese Aussage gilt einmal prinzipiell und zum anderen in besonderem Maß für unsere Kinder. Es lassen sich, aufgrund der vorliegenden Forschungsergebnisse folgende Regeln aufstellen:
Je größer die Schwierigkeiten eines Kindes sind, sein Verhalten normgerecht zu steuern, umso wahrscheinlicher ist es, dass es mit der Freiheit selbständigen (unbeaufsichtigten) Umgangs mit dem Computer nicht zu Recht kommt.
Erst wenn ein junger Mensch nachgewiesen hat, dass er in verantwortungsvoller Weise, bezogen auf einen bestimmten Zeitumfang, allein mit dem Gerät umgehen kann, ist zuzugestehen, dass er zeitweilig allein gelassen wird. Ein Erwachsener, am sinnvollsten, einer, der sich mit dem Programm auskennt, sollte jedoch in der Nähe bleiben.
Es gehört zu den Zielen unserer Arbeit, mit der Zeit so viel wie möglich unserer Kinder zu befähigen, selbständig und verantwortungsvoll mit Computerprogrammen umzugehen. Dies wird ihnen sowohl in der Schule (allen gemeinsam) und im Heim (zunächst in bestimmten ausgewählten Fällen) ermöglicht: bis sie dies können bleiben die Erzieherin und der Erzieher gefragt.

3.4 Die Arbeit am Computer begleiten
Die Beobachtungen, die wir bei einem Kind während des Umgangs mit dem Programm machen und die weitere Entwicklung des Kindes bezogen auf bestimmte Zeiträume müssen notiert werden. Außerdem ist festzuhalten, wann mit welchen betroffenen Personen über die jeweiligen Beobachtungen gesprochen worden ist. Es empfiehlt sich, die Kinder dazu anzuhalten, selbst eine Art Computer-Tagebuch anzulegen. Vielleicht in Form einer Arbeitsmappe, in die auch die ausgedruckten Arbeitsergebnisse eingeheftet werden können.
Um den Arbeitsaufwand für alle Beteiligten realistisch einschätzen zu lernen und die Gefahr einer Überforderung von Kindern und Erziehern zu vermeiden, sollte zunächst und beschränkt auf eine bestimmte Zeit und auf bestimmte Kinder eine Dokumentation begonnen werden. Wo diese durchgeführt wird und Schulkinder ihren "Arbeitsbogen" ausfüllen (was sie übrigens sehr gerne tun), ist die Prüfung von Lernfortschritten sehr erleichtert.

 


4. Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten

Die Verantwortung für die konzeptionelle Gestaltung, die Planung und die fördernde Begleitung der Durchführung der Arbeit mit Computern übernimmt in einer sozialpädagogischen Einrichtung am besten eine bestimmte Erzieherin/ein Erzieher. Alle Informationen, die die Vorbereitung, Organisation, praktische Durchführung und Auswertung der Praxis betreffen, sind von den Kolleginnen und Kollegen umgehend auf den üblichen Kommunikationswegen (mündliche u. fernmündliche Kontakte, Notizen, Mitarbeiterbesprechungen o. a.) an sie weiterzuleiten.
In engem Kontakt mit dieser Erzieherin, werden die Erzieherinnen und Erzieher, die die Hausaufgaben jeweils betreuen, die Hauptansprechpartner und Begleiter der Kinder sein, die mit Computerprogrammen arbeiten. Insofern wird sich, was die "Zuständigkeiten" in Bezug auf die unmittelbare pädagogische Arbeit betrifft, nichts ändern.
Aus dieser Überlegung zur praktischen Arbeit wird deutlich, dass die Computer in jenen Einrichtungen, in denen sich die hier geäußerten Empfehlungen bereits bewährten, nicht alle Erzieherinnen und Erzieher in die Arbeit einbeziehen. Nehmen wir das Beispiel einer Tagesstätte mit drei Hortgruppen in einer großstädtischen Region. Zwei Erzieherinnen (darunter die Leiterin) tragen das Konzept "Kind und Computer". Sie sind es, die die unmittelbare Arbeit betreuen. Das heißt, dass nur sie und die von ihnen hierfür ermächtigten Kinder die Computer in Betrieb nehmen können und für einen sachgerechten Umgang Sorge tragen. Wir haben es in dieser Einrichtung also mit einem arbeitsteiligen Vorgehen und entsprechender Verantwortungsaufteilung zu tun. Es empfiehlt sich, in allen größeren Einrichtungen so zu verfahren. Die Organisation von Zuständigkeitsbereichen und Verantwortlichkeiten erleichtert die Zusammenarbeit, die Orientierung für Kinder, Kollegen und Eltern und vermeidet Überforderungen. Denn nur, wer sich gut auskennt und diese Arbeit gerne tut, sollte die Verantwortung übernehmen dürfen.
Es können nicht alle alles. Wer sich mit Computern nicht auskennt, ist vielleicht gut in Bewegungsspielen und Tanz, kann Rollen- und Puppenspiele einsetzen oder malen und gestalten. So bringt jede Erzieherin/jeder Erzieher eigene Fähigkeiten und Neigungen in ein Team ein. Die offenen Gruppen erleichtern es heute, diese Vielseitigkeit zu nutzen und allen Kindern anzubieten. Im Konzert dieses differenzierten, auf die Spezialkompetenzen von Erziehern aufbauenden Konzepts, haben auch die "Computer-Freaks" unter den Pädagogen ihren Platz.

Vergleichbares gilt auch für eine Schule. Je nach der Organisationsstruktur einer bestimmten Schule und ihrer pädagogischen Konzeption ist es auch hier zweckmäßig, wenn sich bestimmte, mit diesem Medium gut vertraute Kolleginnen und Kollegen als Koordinatoren beziehungsweise als Ansprechpartner zur Verfügung stellen. In größeren Kollegien übernehmen sie die Funktion einer Fachberaterin / eines Fachberaters für die Verwendung von Computern und die für den Unterricht geeigneten Programme. Genau so, wie von den Lehrerinnen und Lehrern einer Schule erwartet werden kann, dass sie ihre pädagogischen Ziele und Methoden (ihre Didaktik) aufeinander abstimmen, ist es sowohl aus pädagogischen als auch aus ökonomischen Gründen geboten, bei der Auswahl und beim Einsatz von Computerprogrammen eng zusammenzuarbeiten. Damit das optimal umgesetzt werden kann, sind von den Leitungsmitgliedern oder Kollegien Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten festzulegen.

Von herausragender Bedeutung ist es, sich Rechenschaft darüber zu geben, wie sich der Einsatz von Computern und den Anwendungsprogrammen bewährt haben. Sind anlässlich entsprechender Planungen Ziele - seien sie bezogen auf Schülergruppen oder einzelne Kinder und auf welche der genannten Förder-Dimensionen auch immer - festgehalten, ist nach einer bestimmten Zeit danach zu fragen, ob und wie die Ziele erreicht wurden. Nur vor dem Hintergrund einer derartigen Erfolgskontrolle lässt sich der Einsatz von Computern in Erziehung und Bildung legitimieren. Diese Evaluation bietet die Informationen an, auf denen die weiteren Planungen beruhen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Projekt Kind und Computer im Hort

Zur Einführung "Medienerziehung"

Fernsehen und Video in der Erziehung

 

 

Kind und Computer in der Familie...

 

 

 

 

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