Schriften zur Erziehung und Bildung im WWW
von Dr. Joachim Rumpf

 

 

 Die Ipads

 

Wer sich über das neue elektronische Medium genauer informieren möchte, sollte unter http://de.wikipedia.org/wiki/I-Pad  nachschauen. Hier nur so viel: es handelt sich um ein Produkt der us-amerikanischen Firma Apple und ist seit 28. Mai 2010 auch bei uns in Deutschland auf dem Markt.

Ein kleines Mädchen spielt damit.
Ich begegnete diesem Gerät zum ersten Mal, als mir heute Morgen ein zweieinhalbjähriges Mädchen zeigte, wie sie mit Hilfe eines Fingers, der die Bildelemente auf der Oberfläche des Ipads berührt, puzzelte: neun Bildelemente fügte sie zu einem Ganzen zusammen. Am liebsten, so ihr Vater, der ihr (und zugleich der ganzen Familie) diesen flachen, einer Schiefertafel ähnelnden Computer, zur Verfügung gestellt hatte, berührt sie das Index-Symbol. Dann erscheinen, wie bei jedem Computer auf der Eingangsseite, die Symbole der im Computer enthaltenen Programme. Sie wählt unter dem Programm dann die Puzzle oder andere für Kinder angebotene Spiele aus. So besuchte sie zum Beispiel die Schulklasse, berührte in der linken senkrechten Symbolleistse Kinder und die Lehrerin aus. Diese schob sie auf die abgebildeten Stühle an den Schultischen bzw. die Lehrerin vor an die Schultafel. Mit Spreizbewegungen konnte sie die- ursprünglich recht kleinen -  Figuren etwas vergrößern und an bzw. auf die Stühle platzieren. Diese Figürchen blieben allerdings starr, das heißt, sie blieben in der Position, in der sie  erschienen. Immerhin konnte unsere Enkelin einen Stift aktivieren, mit dem sie in das Bild der Schulklasse hinein oder gar auf die Tafel „malen“ konnte. Für diese Versuche, es entstanden etliche Kurven, wählte sie über die Leiste am rechten Bildrand Farben aus. In den folgenden Tagen holte sie sich das Gerät, das frei zugänglich in einem Reagl liegt, schaltete es ein, wählte das Malprogramm und trug mit dem Finger  mal dünne mal dicke farbige Linien auf. Die anderen Programmangebote nutzte sie von sich aus nicht. Länger als zehn Minuten aber beschäftigte sie sich nicht mit dem Gerät. Dann wandte sie sich wieder anderen Aktivitäten zu, die mehrere Sinne beanspruchten.
Dieses auf dem Ipad vorhandene Programm für kleinere Kinder  eröffnet also auf eine unterhaltsame Weise,  Lernprozesse, zu denen vor allem der Umgang mit einem Computer und dessen Nutzung mit Hilfe von Tutchscreen gehört.

Dieses Kind fliegt mit ihren Eltern wenigstens vier mal im Jahr von China nach Deutschland und zurück. Der Flug dauert ja sehr lange. Die Eltern stellen dem Kind vorsorglich einen kleinen portablen DVD-Player zur Verfügung, den sie recht souverän bedient. Zeichentrickfilme (Der kleine Maulwurf z. B.) schaut sie gerne an. Doch selten länger als eine halbe Stunde. Dann wendet sie sich auch im Flugzeug anderen Tätigkeitsfeldern zu. Am liebsten nimmt sie Kontakt mit Flugpersonal und anderen Fluggästen auf.
Zu Hause, so erzählt die Mutter, kommt das Kind nachmittags manchmal ganz "geschafft" von der Krippe heim. Dann bittet sie darum, einen Film (wieder: vom kleinen Maulwurf oder aus der "Sendung mit der Maus") anschauen zu dürfen. Dann legt die Mutter eine DVD ein und beide schauen gemeinsam. Und wieder  drängt das Kind nach maximal dreißig Minuten nach aktiveren Tätigkeiten und spielt zum Beispiel mit Ihren Spielsachen nach, was sie  bewegt.


Sorgen von Eltern und Berufserziehern, dass ein Kind im Umgang mit diesem elektronischen Spielangebot  Schaden nehmen könnte, vielleicht, weil es sich zu wenig bewegt oder von den Realitäten abgelenkt und, wie in dem von mit beobachteten Beispiel, allein über Comicfiguren  an das Leben herangeführt wird, halte ich für unbegründet. Gewiss hatte sich das Kind, über das ich berichte,  in Gegenwart seines Vaters etwa eine halbe Stunde mit diesem Gerät und seinen Angeboten für Kinder beschäftigt. Dabei saß es keineswegs still, sondern bewegte nicht nur seine Hand. Der ganze Körper ging mit, wenn das Kind seine Entscheidungen traf. Fehlleistungen (ein Puzzleteil passt in die angewählte Struktur nicht hinein) wurden nicht kommentiert sondern einfach durch neue Versuche korrigiert.

Und nach etwa einer halben Stunde richtete das Mädchen ihre Aufmerksamkeit von diesem Spielzeug weg und hin auf andere Aktivitäten. Da heute die Sonne scheint, zog es sie wieder in den Sandkasten. Und am Abend lesen, wie üblich,  Mutter, Vater aber auch Oma oder Opa aus einem Kinderbuch vor. Es wird gemeinsam gesungen, im Städtchen eingekauft, mit den anderen Kindern, die rundum wohnen, gespielt aber zeitweilig auch im Kinderzimmer allein mit den Spielsachen, kurz: auch dieses Kind wechselt ständig die Aktivitäten und nutzt die vielfältigen Angebote, die sich ihm bieten. Und dabei gehört der Umgang mit dem Ipad nur zu einem relativ geringen zeitlichen Anteil  dazu. Die gleiche Aussage gilt auch für die Betrachtung von Kindersendungen im Fernsehen., wie bereits oben ausgeführt: Ja abwechslungsreicher und interessanter die Angeboten an aktiver Begegnung mit der dinglichen (zum Beispiel Sandkasten, Garten u. ä.) und der sozialen (z. B. Kindergruppe daheim oder in Kindergarten) Umwelt ist, um so mehr schrumpft die Nutzung elektronischer Medien. Deren Angebote haben – als eines unter vielen – die Chance ihre, unseren Alltag erleichternden und bereichernden Funktionen zu entwickeln.

Hierzu zähle ich für Kinder:
im Umgang mit ihnen vertraut zu werden,
für uns alle: den raschen und leichten Zugang zu Informationen über alles, was wir wissen wollen und zu jeder Zeit und an jedem Ort.

Noch am gleichen Tag hatte ich Gelegenheit mit den Eltern anderer Kinder unterschiedlichen Alters über meine Beobachtung zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass es unter ihnen keine übereinstimmende Praxis gibt, was den Umgang mit Computern, Fernsehern oder ähnlichen Geraäten betrifft. So lehnten es zum Beispiel zwei Elternpaare völlig ab, ihren, im Vorschulalter befindlichen Kindern, die Begegnung mit Fernsehen oder Computern zu ermöglichen. Sie selbst, so versicherten sie, würden ebenfalls darauf verzichten, um ihren Kindern kein schlechtes Vorbild zu sein.
Andere wiederum, und das war die Mehrzahl, erlaubt ihren Kindern ganz bestimmte Filme für Kinder in Fernsehprogrammen und/oder über Videogeräte anzuschauen, über die sich die Eltern zuvor kundig gemacht hätten. Im Grunde, so begründeten sie ihr Verhalten, wollten sie lediglich ihren Kindern ermöglichen, mitreden zu können, wenn diese in Tagesstätte oder Schule mit anderen Kindern zusammenträfen, die über ihre Medienerfahrungen berichteten. Über Sinn und Zweck, zum Beispiel in Bezug auf  die Erziehung und Bildung  ihrer Kinder hatten sie dabei nicht nachgedacht. Es waren durchweg pragmatische, den alltäglichen Umgang mit den Kindern in der Familie berührende Motive - und hier besonders: Vermeidung von Konflikten - die die Haltung dieser Eltern beeinflussten.

Noch eine grundsätzliche Anmerkung, die in anderen Zusammenhängen bereits vorgetragen wurde:
Kinder brauchen zu ihrem Gedeihen weder Fernsehen noch Computer. Der Umgang damit gehört also nicht zu den Grundbedürfnissen von Kindern.


 




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