Kind
und Computer in der Familie
|
1. Vorbemerkungen Der
nachfolgende Text über den Umgang mit Computern in Erziehung und Bildung
wurde zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Vorbereitung von Elternbildungsveranstaltungen
im Landkreis Waldshut und in einer zeitgleichen Verknüpfung mit einem Projekt
zur Beratung von Erzieherinnen in Kindertagesstätten im gleichen Landkreis
zwischen 1995 und 2001 erarbeitet. Er beruht unter anderem auf eigenen Vorarbeiten
zu denen vor allem ein Forschungsprojekt in den Horten der Diakonie in Düsseldorf
gehörte, dessen Auswertungsbericht von mir 1989 vorgelegt wurde und ebenfalls
auf diesen Seiten einen Platz gefunden hat. Die hier vorliegende Fassung ist vier
Jahre alt und nach wie vor aktuell Wann immer ich davon Kenntnis erhalte, werden
Hinweise auf aktuelle Forschungsergebnisse, die meine "alten" Erfahrungen
und Empfehlungen stützen oder widerlegen, eingefügt. Wenn
auch sowohl die Projektauswertung in Düsseldorf als auch eigene Erfahrungen
mit elektronischen Medien in den Arbeitsfeldern Heim und Schule keinen Anlass
gaben, diese neuartigen Werkzeuge euphorisch zu begrüßen, so ist es
einmal auf den eigenen Fortschrittsglauben als auch auf Beobachtungen bzw. Erfahrungen
zurückzuführen, wenn ich mich nicht dazu durchringen kann, den Umgang
mit dem Computer in Bausch und Bogen abzulehnen. Nicht zuletzt sind es die eigenen
Nutzungsgewohnheiten - für mich ist der Computer mit hierfür geeigneten
Programmen seit 1988 ein ungemein praktisches Schreibwerkzeug - die negative Assoziationen
verhindern und dafür sorgen, dass ich bemüht war und bin, bei den eigenen
wie bei den mir im Heim anvertrauten Kindern, jene Orientierungen zu berücksichtigen,
die in diesen Texten weitergegeben werden. Es
darf in der Tat davon ausgegangen werden, dass "Computer und die digitale
Datenverarbeitung also ein Segen und aus der heutigen Welt eigentlich überhaupt
nicht mehr wegzudenken sind" sagte Gerald Hübner in der Sendung "Aula"
des SWR2 am 26. August 2007. Selbst
wenn neuere Forschungen die Gefährdungspotenziale der Nutzung elektronischer
Medien durch Kinder und Jugendliche bestätigen und in geradezu dramatischer
Weise belegen, was bereits Jean Piaget Anfang der siebziger Jahre in Bezug auf
die nachteiligen Auswirkungen für die kognitive Entwicklung von Kindern schrieb
und in den Ausführungen über das Fernsehen breiten Raum einnimmt, so
bleibt für mich das Gebot, die Gesamtproblematik vor dem Hintergrund der
Gesamtsituation - und darum differenziert - zu betrachten. Zu dieser "Gesamtsituation"
gehören die Familien, die Kindertagesstätten und Schulen in einer von
elektronischen Medien durchsetzten bzw. infizierten Gesellschaft. Und ich beobachte,
wieder am Beispiel der eigenen Kinder und jener Kinder, die unser Heim mit einer
Berufsausbildung verlassen, dass deren "Medienkompetenz" maßgeblich
den jeweiligen Berufs- und damit zu einem guten Teil auch den "Lebens"
- Erfolg beeinflusst. Insofern
erhalten meine Empfehlungen einen realen Bezug. Sie sollten nachfragenden Eltern
und Berufspädagogen die Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung elektronischer
Medien vor Augen stellen und daran erinnern, dass es in ihrer Verantwortung liegt,
ob und wieweit diese Einsichten das eigene Erzieherverhalten modifiziert. Die
Texte werden von mit von Zeit zu Zeit durchgesehen. Ergänzungen werden dann
vorgenommen, wenn auf die für diese Thematik bedeutsame Literatur hingewiesen
werden muss. Da ich nicht mehr in Lehre und Forschung tätig bin und die nächste
Hochschulbibliothek weit ist, wäre ich für entsprechende Hinweise von
Besucherinnen und Besuchern dieser Seite sehr dankbar! Wenn Sie also bestimmte
Titel vermissen, dann helfen Sie mir auf die Sprünge! Dr.
Joachim Rumpf 01. Juni 2005 aktualisiert: 31.10.2007
|
2.
Computerspiele - nicht Computer sind das Problem Seit
Weizenbaums Befürchtungen über die schädlichen Auswirkungen der
Computernutzung auf Kinder und den ersten Erfahrungen im Umgang mit den Computern
in Projekten, wie dem "Kind und Computer im Hort" in Düsseldorf
Ende der achtziger Jahre, ist mehr als ein Jahrzehnt ins Land geflossen. Die Ausstattung
mit Computern hat inzwischen fast das Ausmaß erreicht, wie die mit Fernsehgeräten
und in vielen Kinderzimmern stehen heute diese Geräte. Und unter bestimmten
familiären Bedingungen findet man Kinder schon im Grundschulalter und sich
selbst überlassen vor dem Computer. Die Mutter hört und sieht nichts
von ihren Sprösslingen, wenn sie gebannt von dem, mit Hilfe von Maus und
Tastatur gesteuertem Geschehen, Computerspiele spielen. Was
passieren kann, wenn dieses "Spiel" - Verhalten in der Freundesgruppe
oder unter den Schülern einer Klasse zur Norm wird, das erzählt dem
Redakteur des "Hochrheinanzeigers", ein Lehrer aus Waldshut: "Mir
ist eine ganze Klasse abgestürzt. Die Sucht erfasste binnen Monaten fast
alle Jungen dieser Klasse. Die Schulnoten brachen in den Keller und Sitzen bleiben
stand ins Haus". In dem Aufsatz von Heinz Hilbrecht heißt es dazu
weiter: "Ganz ähnliche Erfahrungen machte ein Lehrer in Rheinfelden:
"Die interessieren sich für nichts mehr. Das einige Thema ist der Computer."
Dabei berichten Informatiklehrer, dass der Computer als Ganzes diese Schüler
häufig gar nicht interessiert. Sobald es um ernsthafte Anwendung geht, steigen
sie geistig aus dem Unterricht aus" ... ein Lehrer aus Wehr: "Die
können sich kaum noch etwas merken. Der Unterricht geht einfach an ihnen
vorbei". Soweit aus dem "Hochrhein-Anzeiger" vom 16.11.2005. Mir
erzählte der Klassenlehrer eines vierten Schuljahres aus einer Schule im
Hotzenwald im Juli 2007, dass immer mehr seiner Schüler nur noch Computerspiele
im Kopf und als Thema haben. Und wenn er mit den Eltern darüber spricht,
zucken die nur mit den Achseln. Aber wenn es um die weiterführenden Schulen
geht, dann nehmen sie uns persönlich übel, wenn wir diese Kinder ihrer
miserablen Leistungen wegen nicht empfehlen können. "Wenn man diesen
Kindern helfen wollte, dürften sie tagsüber nicht mehr nach Hause. Denen
täte die Ganztagesschule sicher gut." Die
"Interdisziplinäre Suchtforschungsgruppe Berlin (ISFB) im Zentrum für
Human- und Gesundheitswissenschaften der Berliner Hochschulmedizin (Charite) hat
in einer Studie Computerspiel-Süchtige Minderjährige mit Gelegenheitsspielern
aus der gleichen Alters- und Bildungsgruppe verglichen. Dabei sind die Forscher
auf deutliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen gestoßen, die bestätigen,
dass Computer-Spielsucht lebensuntüchtig macht. (www.isfb.org/Forschung/Forschungsergebnisse) Wann
aber ist ein Kind oder Jugendlicher "Computerspielsüchtig"? Über
Symptome und über den Umgang mit dieser Erscheinung informiert ausführlich
das Buch von Sabine M. Grüsser und Ralf Tahlemann, das unter diesem Titel:
"Computerspielsüchtig. Rat und Hilfe" im Huber- Verlag erschienen
ist. Dieser Verlag stellt Arbeitsblätter zur Verfügung, die helfen können,
Suchtverhalten im Umgang mit Computerspielen zu erkennen. In
der dritten Januarwoche 2007 sprach mich der Vater zweier Kinder an und bat um
Rat: sein achtjähriger Sohn sei "total heiß" auf bestimmte
Computerspiele und er fürchtet, dass der Junge Schaden nimmt. In dieser
Familie, die Mutter ist eine vierzigjährige Sozialpädagogin, die Tochter
ist zehn Jahre alt, gibt es keinen Fernsehapparat. Die Eltern sind hoch motiviert
und engagiert, wenn es um die Erziehung und Bildung ihrer Kinder geht. Der Junge
hatte sich das Spielgerät zu Weihnachten gewünscht und von seinen Großeltern
erhalten. Da er daheim bisher nicht am Computer spielen konnte, war er häufig
bei Schulkameraden zu Gast, wo Computerspiele in der Freizeit selbstverständlich
waren. Nun konnte auch er daheim spielen. Um hier steuern und mitreden zu können,
war der Vater bereit, nach erledigten Hausaufgaben mit seinem Sohn eine halbe
Stunde mitzuspielen. Diese Zeit war, wie er mir berichtete, auf der CD-Hülle
vom Hersteller auch empfohlen. Vor einer längeren Spieldauer wurde ausdrücklich
gewarnt. "Was soll ich Ihnen sagen", so der Vater, "ich hatte selbst
Mühe, mich nach der halben Stunde loszureißen. Die Spielentwickler
hatten den Spielverlauf so spannend programmiert, dass man total in die Spielsequenzen
hineingezogen wird. Ich verstehe, dass mein Sohn davon ganz angefressen ist. Aber
das ist doch nicht gut für ihn! Wenn sogar der Hersteller selbst auf die
Gefahren, die drohen können, aufmerksam macht... Was wird nur aus den Kindern,
wenn man da nicht aufpasst?"
|
3. Computernutzung
kritisch prüfen Wenn
danach gefragt wird, wann bzw. in welchem Alter Kindern Computer in der Familie
ohne Beschädigung der kindlichen Entwicklung zur Verfügung gestellt
werden könnte, so ist es nicht leicht, darauf eine verbindliche Antwort zu
geben. Bekanntlich gibt es inzwischen schon Programme, die sich an Dreijährige
wenden. Es ist mir bisher keine Studie bekannt, die über die Auswirkungen
eines derartig frühen Computereinsatzes oder über die Eignung entsprechender
Programme Auskunft gibt. Immerhin steht die strikte Ablehnung im Raum, Kindern
bis zum 12. Lebensjahr einen von Erwachsenen unkontrollierten Zugang zu elektronischen
Medien wegen deren entwicklungsschädigenden Auswirkungen zu ermöglichen
(Professor Christian Pfeiffer in einem Südwestfunk-Interwiew am 11.02.2007).
Generell kann aber auch hier gelten, was bereits im Zusammenhang mit Fernsehen
und Video gesagt wurde: Die
aktive Aneignung der Welt in Spiel und zahlreichen Alltagsvollzügen (ein
Kind hilft der Mutter oder dem Vater z. B.) steht - auch von seinen zeitlichen
Anteilen - im Vordergrund kindlichen Interesses. Dies haben Eltern in erster Linie
zu fördern. Das
Argument, man kann nicht früh genug damit anfangen, Kinder an diese Technik
heranzuführen, damit sie später (wann?) keine Probleme damit haben,
ist als Begründung unzureichend. Die meisten unserer Computerexperten sind
ohne Computer herangewachsen. Auf einem Elternabend berichtete ein Vater, dass
sein Sohn den Computer seines Vaters nur einschaltete, um ein Flugzeug von einem
Flugplatz zum anderen zu steuern. Andere Interessen hatte er nicht. Erst mit 23
Jahren entdeckte er die Möglichkeiten dieses Mediums. Fünf Jahre später
war er verantwortlicher Mitarbeiter in der Informatikabteilung eines Betriebes.
Im Übrigen ist zu bedenken, dass Heranwachsende heute in der Schule eine
informationstechnische Grundbildung erhalten und dort an die Arbeit mit Computerprogrammen
herangeführt werden Es
sind nicht die Erfahrungen im Umgang mit Computern, die maßgeblich den Berufserfolg
eines Menschen bestimmen, sondern jene Eigenschaften, die am Anfang des Kapitels
über Fernsehen und Video genannt wurden. Auch beim Einsatz von Computern
in einem Kindergarten oder in der Grundschule müssen Erzieherinnen und Erzieher,
Eltern und Lehrerinnen und Lehrer sehr sorgsam prüfen, was die Arbeit mit
ihm bewirken soll und was sie tatsächlich bewirkt. Auf dem Bundesgrundschulkongress
1999 wurde zwar eine "vielseitige Nutzung der modernen Medien" im Unterricht
gefordert, zugleich aber darauf verwiesen, dass Sinn und Zweck von PC und Programmen
verantwortlich geprüft werden müssten (aus: Grundschulverband aktuell,
Heft Nr. 68 Nov. 99, S. 10 und 17) [1].
Dass
Computerexperten davor warnen, Computer in der Schule zu verwenden, soll nicht
verschwiegen und vor dem Hintergrund der hier genannten Prioritäten in der
Erziehung und Bildung, ernst genommen werden [2]! Nach
Aussagen von Eltern hat der Computer in den Familien mit Kindern eine derartige
Verbreitung gefunden, dass diejenigen, die noch keinen besitzen, Ausnahmen sind.
Aber auch diese Eltern berichten, dass sie einen kaufen müssen, weil es zum
Beispiel Lehrer in weiterführenden Schulen gibt (besonders in den Gymnasien),
die bereits heute Hausaufgaben aufgeben, die nur dann erfolgreich bearbeitet werden
können, wenn die Schülerinnen und Schüler Zugang zu einem Computer
u. a. mit Internet-Zugang haben. Es sind bereits in allen weiterführenden
Schulen (also Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien und berufliche Schulen selbstverständlich
Computer vorhanden. Es gibt hier und da "Computer-Räume", in denen
Schülerinnen und Schüler Aufgaben bearbeiten bzw. den Umgang mit diesem
Werkzeug üben können. Vor allem in den Sonderschulen setzen kundige
Lehrerinnen und Lehrer den Computer im Unterricht ein. An der Rudolf-Graber-Schule
in Bad Säckingen zum Beispiel stand den Schülerinnen und Schülern
bereits Ende der achtziger Jahre ein Gerät in wenigstens einer Klasse zur
Verfügung. Damals gab es noch gar keine Lernprogramme. Der Klassenlehrer,
Herr Kniffel ist inzwischen ein leitender Beamter im Oberschulamt Freiburg, musste
stattdessen alle Programme selbst entwickeln. Bereits in jenen Jahren, so konnte
er mir nachweisen, bewährte sich der Computereinsatz in der Förderschule,
da die Mädchen und Jungen hoch motiviert und die Lerneffekte entsprechend
groß waren. Gerade im Zusammenhang mit schulischem Lernen, sei es in der
Schule selbst oder bei der Bearbeitung von Hausaufgaben kann ein Computer, ausgestattet
mit geeigneten Programmen, die Lernprozesse fördern. Gilt dies nun auch für
den Kindergarten und für die Grundschule? Denn inzwischen wird auch im Kindergarten
bei den drei- bis sechsjährigen Kindern der Computer ausprobiert [3] Es ist
zur Verwendung von Bildschirmmedien einschließlich Computerprogrammen noch
einmal ausdrücklich festzuhalten: Kinder
sind aktive Erkunder. Sie brauchen Bewegung und Gelegenheit, alle ihre Sinne und
Körperfunktionen zu üben und ihr natürliches kreatives Potenzial
zu nutzen. Dass weder die aktivierten körperlichen und geistigen Funktionen
noch das Ergebnis eines mit Hilfe der Maus oder eines Yoisticks gestalteten und
ausgedruckten Baumes einerseits oder eines mit Pinsel und Farbkasten auf Papier
gebrachten Baums andererseits vergleichbar sind, ist leicht einsehbar [4]. Die
spielerischen Möglichkeiten von Computerprogrammen werden von Kindern gern
genutzt. Doch gilt auch hier wieder: erst wenn ein Kind mit Malstift und Pinsel
umgehen kann, dann können ergänzend die gestalterischen Möglichkeiten
entsprechender Programme genutzt werden. Für sozialpädagogische Fachkräfte
in den Kindertagesstätten und die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulen empfiehlt
es sich vor der Anschaffung von Computern - konzeptionelle Übereinstimmung
mit Eltern und Trägern anzustreben und - kritisch nachzuschauen, welche Förderungspotenziale
sich in jenen Projekten nachweisen ließen, über die in der Fachliteratur
berichtet wird [5]. Darüber hinaus ist ganz selbstverständlich aber
sehr genau zu prüfen, was die Kinder in einer Gruppe oder Klasse zu ihrem
Gedeihen wirklich brauchen. Möglicher Weise müssen sie erst einmal lernen,
sich zu bewegen, zu sprechen, zu singen oder in sehr praktischer Weise kreativ
zu sein - also reichlich Gelegenheit brauchen, die Welt aktiv zu erkunden. Drohen
von Computerspielen Gefährdungen für unsere Kinder? Diese Frage stellen
sich alle verantwortungsbewussten Eltern zurzeit immer wieder. Die Meldungen über
Kinder, die Mitschüler und Lehrer in Schulen in den USA und in Europa bedrohen
oder sogar töten, beunruhigen in dieser Zeit uns alle. Und immer wieder wird
in Zeitungen, Illustrierten oder in Fernsehsendungen auf den Zusammenhang zwischen
der Zunahme gewalttätigen Verhaltens Minderjähriger und den entsprechenden
Trainingsmöglichkeiten in bestimmten Computerspielen und in Spielhallen verwiesen.
(Vgl. dazu auch die Seite über "Kind
und Computer"). Wenn aber allein diese Zusammenhänge als ein
Ursache-Wirkungs-Mechanismus dargestellt werden, dann trifft das nicht den Kern
der Ursachen. Wie oben im Zusammenhang mit dem Fernseh- und Videokonsum bereits
berichtet, beschäftigen sich seit vielen Jahren Medienforscher, Psychologen
und Pädagogen mit diesen Problemen. Für den Umgang mit dem Computer
und dem Einsatz von Spielprogrammen gilt das gleiche, was zur Fernseh- und Videonutzung
bereits gesagt wurde und soll hier, mit einem Zitat von Jürgen Fritz [15]
noch einmal bekräftigt werden: "Nicht auf das Spiel, auf die Spieler
kommt es an" Natürlich darf aus dieser Kurzformel nicht geschlossen
werden, dass es bestimmte charakterliche Eigenschaften allein sind, die den einen
brutale und den anderen sanfte Spiele bevorzugen lässt. Mit einer so einfachen
Erklärung würden wir die Verantwortung leugnen, die das soziale Umfeld,
wie die Familie oder eine Gesellschaft haben, die ein entsprechendes Angebot überhaupt
zulassen. Hier lässt sich ein besonders eindrucksvoller Beleg aus den USA
anführen, in denn ganz gezielt Kriegs- und Tötungspraktiken in Computer-
und Videospielen gefördert werden. In einer Sendung des SWR 2 am 24. 04.
2004 führte Horst Bredekamp, Kunsthistoriker an der Berliner Humboldtuniversität
dazu aus: "Also
das Spielen von Videogames und mit digitalen Spielen ist einer der Antriebe des
so genannten Virtuellen gewesen, vielleicht der Hauptantrieb. Und die Prozesse,
die sich hier ergeben haben, dass Verschiebungen zwischen der Welt des Alltäglich-Normalen
in Anführungszeichen und dem, was auf dem Bildschirm in Anführungszeichen
virtuell sich abspielt, dass Kinder also in diese Welt hineingehen, das ist ein
Produkt von 15 Jahren Schulung durch höchst suggestive Spiele, die das Schönste
des Menschen, also die spielerische Erlernung von Fähigkeiten, zunächst
völlig legitimer Weise ausgenutzt hat. Das zweite Motiv ist das Militär,
das über Videogames, Kampfgames und dann die digitalen Spiele, vor allem
in den USA versucht hat, die Tötungshemmschwelle des Menschen, die ja sehr
hoch ist, herunterzusetzen. Und das ist auch gelungen. Im Ersten Weltkrieg haben
etwa 20-25 Prozent der Soldaten geschossen, wenn sie Mann gegen Mann sich gegenüber
standen. Die natürliche, anthropologische Tötungsschwelle ist eben sehr
hoch. Im Zweiten Weltkrieg war das bis zu 40 Prozent etwa angewachsen, im Vietnamkrieg
eine Spur erhöht, und man hat in Amerika seit den 70er Jahren entschieden
Videospiele und dann später auch digitale Spiele eingesetzt, um das Töten
zu trainieren für Soldaten, und die Hemmschwelle des Tötens ist nun
bei etwa 90 Prozent, also 90 Prozent schießen dann auch, trainiert durch
diese Spiele. Das ist ja statistisch alles erforscht, genauestens erforscht. Im
Golfkrieg..., ich werde nicht vergessen, ich war in der Zeit in den USA; als Schwarzkopf
etwa zwei Wochen nach Beginn des Krieges sagte: "We have long waited for
the video generation, now here they are". Und er meinte die Piloten,
die bildschirmgesteuert ihre Ziele angehen."
Was
aus jenen Kindern wird, die von der Faszination geschickt gestalteter Spielabläufe
so angezogen werden, dass sie süchtig werden können, lässt sich
zur Zeit kaum mit Sicherheit vorhersagen. Das lässt sich erst nachweisen,
wenn die Computerspielergeneration in die Berufsausbildung und ins Erwerbsleben
kommt. Vorläufig muss gelten, was über die Folgen des übermäßigen
Gebrauchs von elektronischen bzw. Bildschirmmedien bekannt ist (vgl. dazu die
Ausführungen unter "Fernsehen
und Video…"). Oben erwähnte ich, dass ein Vater besorgt
war über das, was sein Sohn am Computer spielt. Ich beruhigte ich den Vater:
Wenn das familiäre Umfeld alternative Orientierungen lebt und sich Mutter
und Vater unter anderem aktiv mit ihren Kindern beschäftigen und - ganz allgemein
gesagt: die Grundbedürfnisse beachten, dann müsste der Junge, trotz
der Computerspielerei, gedeihen. Wenn der Vater ihm weiterhin hierbei über
die Schultern schaut, durch Mitmachen die möglichen negativen Einflüsse
(z. B. das Spiel als Wirklichkeit wahrzunehmen) zu bearbeiten und festes Vertrauen
in die positiven, gestalterisch-aktiven Kräfte seines Sohnes hat, dürfte
dieser diese Phasen verkraften und überwinden. Was für Fernsehen und
Video gilt, das lässt sich auch hier als Faustregel empfehlen: Eltern achten
darauf und sorgen dafür, dass das Spielen am Bildschirm stets den kleineren
Teil der Freizeit eines Kindes füllt. Es
sind nicht alle minderjährigen Fernseh- und Videonutzer der vergangenen zwanzig
Jahre verblödet. Unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich sogar sagen,
dass "Fernsehen klug und demokratisch macht" (so der Mannheimer Literatur-
und Medienwissenschaftler in der Sendung "Aula" des Südwestrundfunks
am Sonntag, d. 19. Juni 2006). In Stichworten sollen aber die sich nachweislich
schädlich auswirkenden und im Zusammenhang mit dem Fernsehen bereits benannten
Einflussfaktoren noch einmal bekräftigt werden [16]:· das
Familienklima: In einer Familie, in der Gewalt gelebt wird, verstärken
gewalttätige Computerspiele die Bereitschaft, selbst gewalttätig zu
sein. Vorbilder in der Familie und / oder die Überzeugung, dort nicht geliebt
(nicht wichtig) zu sein sind nicht selten die Ursache für eine ungünstige
Persönlichkeitsentwicklung zu der - als ein Beispiel - die Flucht in die
Gewalt (z.B. Gewaltverherrlichenden Filme und Spiele) gehört. · die
Frustrationserlebnisse: je häufiger Frustrationserlebnisse (z.B. Versagen
in der Schule, Außenseiterpositionen in der sozialen Gruppe) auftreten und
nicht kompensiert werden können (z.B. durch Aussprachemöglichkeiten,
Erfolge auf anderen sozial anerkannten Gebieten wie dem Sport u. ä.) um so
mehr wachsen Aggressionen und die Bereitschaft, gewalttätiger Aktivitäten.
Entsprechende Spiele wirken sich auch hier verstärkend aus.
die
Lebensperspektive: wenn ein junger Mensch seine Existenz als sinnlos erlebt
und (bzw. weil er) keine positive Zukunft für sich sieht, weil er z.B. Berufsziele
oder andere Wünsche und Träume als für sich selbst überhaupt
nicht realisierbar empfindet. Es
lässt sich gut nachvollziehen, dass Heranwachsende Video- und Computerspiele
auch darum nutzen, um die Flucht aus einer Angst auslösenden Umwelt anzutreten.
Ein nicht zu unterschätzender Reiz geht auch von der Tatsache aus, dass Heranwachsende
mit Hilfe ihrer Computerwelt Kommunikationsbarrieren gegenüber ihren Eltern
errichten können, die um so höher sind, je weniger sich Mutter oder
Vater mit Computern und dem "Computer-speak" auskennen. Diese Welt schafft
ihnen einen persönlichen Freiraum, der sie abgrenzt von der Welt der Erwachsenen.
Während der oft stundenlangen Spiele, kann man seinen ganzen Frust über
das unfriedliche Elternhaus und über andere ungünstige Lebensbedingungen
austoben. Leider hat dieses Austoben keine befreienden Auswirkungen sondern verstärkt
nur noch die Unzufriedenheit und den Verdruss. Ein Achtzehnjähriger schreibt
über seine Erfahrungen mit Computerspielen dass es viele gibt, bei denen
er sich "köstlich amüsierte". Es gibt aber auch Spiele, "da
sitzt man wirklich ohne Ende vor der Glotze, da man mindestens 60 Stunden braucht,
damit man ans Ende kommt. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: es gibt nichts
besseres, als wenn nach einem Wochenende - man hat sein Tagen nicht richtig gegessen
und getrunken - die Bitte kommt, die letzte CD einzulegen... "(Mark Kästner:
Moorhühner jagen, Feinde auffressen. In: Bad. Z. v. 12.07.2000, S. 29) Es
ist zu verstehen, dass dieser Zwang, sich vor den Computer zu fesseln und selbst
elementare Bedürfnisse zu vernachlässigen, Erschöpfungszustände
zur Folge hat, die sich nachteilig auf Schule und Berufsausbildung auswirken.
Nicht selten wachsen Aggression und Gewaltbereitschaft und werden mit hinaus genommen
in die Schule oder auf die Straße. Noch einmal ist an dieser Stelle darauf
hinzuweisen, dass allein schon das Angebot bzw. der Zugang zu Kriegs-, Tötungs-
oder pornografische Video- und Computerspiele aus ethischer und pädagogischer
Sicht als unverantwortlich zu betrachten ist [17]. In
unserer Gesellschaft besteht ein erhebliches Spannungsfeld zwischen der Freiheit
auf der einen und der Verantwortung auf der anderen Seite. Bundes- und Landesbehörden
bemühen sich gemeinsam mit Medienkonzernen in entsprechenden Arbeitsgruppen
und Kontrollorganen darum, das jugendgefährdende Spiel- und Filmangebot zu
beeinflussen. Doch
angesichts der Möglichkeiten, die inzwischen das Internet bietet, bleiben
diese Bemühungen fragmentarisch. Damit bleibt die Verantwortung bei den Familien.
Dort aber helfen im Familienalltag Verbote kaum. Die betreffenden Heranwachsenden
brauchen Alternativen, die ihnen jene Abenteuer, soziale Anerkennung und Erfolge
ermöglichen, die sie in ihrem Alltag vermissen. Sie brauchen aber auch
Lebensbereiche, innerhalb derer sie lernen können, den Computer und seine
Möglichkeiten zum Vorteil ihrer Entwicklung zu nutzen. Allein unter diesem
Gesichtspunkt können Computer in Schule und Familie zweckmäßig
sein. Zum
Schluss dieses Abschnitts noch eine Information an die Adresse der Eltern die
meinen, man könne - hier anderen Kulturtechnicken wie dem Lesen und Schreiben
vergleichbar, nicht früh genug anfangen, Kinderm "Medienkompetenz"
zu vermitteln und sie gleichsam schon im Kindergartenalter an den Umgang mit Laptop
oder Handy zu gewöhnen. Diesen Erwachsenen die leicht nachvollziehbare eigene
Erfahrung: Es gibt heute Zwanzigjährige und ältere junge Menschen, die
daheim keinen Computer besaßen und nicht wenige, die sich als Schülerinnen
und Schüler nicht groß dafür interessierten. Das hat diese Kinder
nicht daran gehindert, Informatik oder Medienwissenschaft zu studieren oder sonstwie
mit ihrer informationstechnischen Kompetenz beruflich Karriere zu machen. Und
wer hier detaillierte Informationen wünscht, darf sich gern mit mir in Verbindung
setzen. Meine
Schlussfolgerung: Wenn in einer Familie jene Grundbedürfnisse beachtet werden,
von denen auf diesen Seiten immer wieder die Rede ist, dann brauchen Kinder keine
"mediale Frühförderung".
|
4. Was
über den Zusammenhang von Lebensbedingungen und den Auswirkungen von Bildschirmnutzung
bekannt ist Wie
immer, wenn sich in der Kulturgeschichte der Menschheit, neue Medien herausbildeten,
gab es nicht wenige maßgebliche Kreise in Kultur und Politik, die Gefahren
heraufbeschworen und sogar das Ende der Kultur voraussahen [6]. Über die
erwarteten Gefährdungen schrieb J. Weizenbaum zum Beispiel, dass die größte
Gefahr für den Menschen darin bestehe, sich selbst als Maschine zu verstehen
oder gar den Computer personifizieren und zu ihm eine emotionale Beziehung herstellen
[7]. Unversehens schleichen sich auch in der Umgangssprache Begriffe aus der Computerwelt
ein, wie "abspeichern" oder "falsch oder richtig programmiert sein".
Vor nahezu zwanzig Jahren, als Computer zum ersten Mal in einem wissenschaftlich
begleiteten Projekt in Horten zum Einsatz kamen, bestätigten sich die Befürchtungen
Weisenbaums zunächst nicht, wie Sie, liebe Besucherin, lieber Besucher auf
der Seite "Kind und Computer im Hort" nachlesen können. Der Optimismus,
der die Pädagogen seinerzeit beflügelte, ist angesichts der Realität
unserer Gegenwart der Ernüchterung gewichen. Der Einzug von Computern in
die Kinderzimmer hat nicht nur den Computer- und Programmherstellern märchenhafte
Gewinne beschert und die Medienlandschaft verändert, sondern auch bei vielen
Kindern deren natürlichen Potenziale verkümmern lassen. Hierzu einige
Beispiele. Dass
Aggression und Unruhe wachsen und die Fähigkeiten, sich zu konzentrieren,
durch die passiven Nutzung elektronischer Medien - und hier besonders Fernseh-
und Videofilme) bei Kindern abnehmen, ist auf einem Psychologenkongress im Januar
1999 in Saarbrücken bestätigt worden. Die Gründe für die steigende
Zahl hyperaktiver und konzentrationsschwacher Schülerinnen und Schüler
ist nicht zuletzt auf den Mangel an konstruktiver Bewegung und eigener Aktivität
zurückzuführen. Wer sich selbst vor den Bildschirm "anbindet",
dem fehlen Bewegung und aktive Betätigungen mit Dingen und anderen Menschen. Die
aggressionsverstärkende Wirkung Gewalt verherrlichender PC-Spiele ist ebenfalls
hinlänglich untersucht und belegt. Die Hemmschwelle wirf unmittelbar nach
der Nutzung derartiger Spiele deutlich herabgesetzt. Bei häufiger Nutzung
neigen die Kinder eher zu Aggression und Gewalt "Das kann dazu führen,
dass aus einer harmlosen Rangelei unter Kinder und Jugendlichen eine schwere Prügelei
wird" sagt die Psychologin Rita Steckel von der Ruhr-Universität Bochum
(Bad. Zeitung. am 18.11.2001). Besonders dramatisch sind die Auswirkungen derartiger
Filme und Spiele für die Herausbildung von "Mustern" im Sinne von
Wertkategorien im Gehirn. Es sind die Forschungen Manfred Spitzers und anderer
Neurowisenschaftler (vgl. hierzu das Interview mit Prof. Christian Pfeiffer in
der Sendung "Aula" des SWF 2 vom 11.02.2007), die belegen, dass sich
bei Vielsehern in dem Gehirnareal, in dem sich die Wertvorstellungen bzw. Erfahrungen,
die unser Verhalten "steuern" folgende Muster einprägen: es
gibt viel Gewalt in der Welt, es gibt keine Alternative dazu, es tut nicht weh
und man kommt davon" (Spitzer in einem Vortrag am 27. Februar 2005). Computerspiele
werden diese Kategorienbildung "Gewalttätiges Verhalten ist selbstverständlich"
befördern. Alle
Lebensbedingungen, die zu einer derartigen Entwicklung Einzelner beitragen und
weit wegführen von den in unserer Gesellschaft geltenden Erziehungs- und
Bildungszielen wie zum Beispiel "berufliche und soziale Bewährung und...
freiheitliche demokratische Gesinnung", bedürfen im Interesse der Betroffenen
selbst und in unser aller Interesse einer Korrektur. Der Gesetzgeber hat die rechtlichen
Rahmenbedingungen zum Schutze der Jugend vor entwicklungsschädigenden Einflüssen
durch Massenmedien geschaffen. Die Beachtung der Jugendschutzbestimmungen im Lebensbereich
der Familien vollzieht sich im Spannungsfeld von Freiheit und Verantwortung und
verläuft nicht selten sehr konfliktreich. Eltern haben vielfach nicht gelernt,
das Medienangebot in einer für die Kinder förderlichen Weise in den
Familienalltag einzubeziehen. Stattdessen stehen sie ihren Kindern und deren Forderungen
nach uneingeschränkter Teilhabe an elterlicher Mediennutzung recht hilflos
gegenüber. Diese Hilflosigkeit ist unter anderem auf fehlendes Wissen zurückzuführen.
Darum können Informationen Verhalten beeinflussen und sich auf Lebensgewohnheiten
auswirken, sobald ein guter Wille vorhanden ist. Hier
ergeben sich Verpflichtungen für alle pädagogischen Fachkräfte
innerhalb und außerhalb der Schule Eltern zu unterrichten und sie in die
gemeinsame Verantwortung für das Gedeihen ihrer Kinder einzubinden [9]. Eine
einzige pädagogische Strategie allein reicht nicht aus. Es gibt unterschiedliche
Erkenntnisse, die sich auf verschiedene Dimensionen unseres Verhaltens und der
kindlichen Entwicklung beziehen, die in der Erziehung und Bildung in den Familien,
Schulen und sozialpädagogischen Einrichtungen beachtet werden sollten. Ich
verweise erneut auf Ergebnisse der neurobiologischen Forschung, die in so eindrucksvoller
und überzeugender Weise die Handlungsempfehlungen aus den Sozialwissenschaften
untermauert. So hält zum Beispiel der Neurobiologe Gerald Hüther am
26.08.2007 im SWR2 fest: "Kinder
brauchen Aufgaben, an denen sie wachsen können. Die finden sie vielleicht
nicht mehr in ausreichendem Maß in unserer realen Welt... Computer können
all das bieten.. Und "was ist nun eigentlich das Gefährliche? Natürlich
nicht die Computerspiele, sondern die Tatsache, dass es für so viele Jugendliche,
vor allen Dingen Jungs, in der Welt, die wir Erwachsene für sie geschaffen
haben, nicht genügend Aufgaben gibt, an denen sie wachsen können...".
Der
Pädagoge schaut aber auch auf die Verantwortung von Eltern, deren Rechte
in unserer Verfassung wie in der alltäglichen Praxis bis in alle öffentlichen
und verbandlichen pädagogischen Einrichtungen hinein spürbar ist. An
sie ist zu denken, wenn wir - wie zum Beispiel Professor Gerarld Hüther -,
sagen müssen, dass unsere Kinder ihre Grundbedürfnisse in der gegenwärtigen
Welt nicht befriedigt finden" Dass
es Eltern gibt, die diese Grundbedürfnisse nicht beachten und zum Beispiel
Medienangeboten, die ihren Kindern schaden, keinen Widerstand entgegensetzen können,
ist zu bedauern. Resignierend stellte eine Achtzehnjährige in einem Beitrag
für eine unserer Tageszeitungen fest: "Heute besteht für viele
Kinder ein schöner Nachmittag darin, vor dem PC zu hocken und das neueste
Hau-drauf- und weg- Spiel auszuprobieren oder eines der unendlich vielen, stumpfsinnigen
Horrorvideos zu schauen ... Wie soll man Kinder dazu bringen, mehr Phantasie zu
entwickeln oder sich mehr mit natürlichen Dingen zu beschäftigen, wenn
zuhause ... nichts Besseres vorgelebt wird" (Sina Plettenberg in BZ v. 07.07.00). Insofern
tragen allein die Erwachsenen die Verantwortung dafür, was und wie viel in
einer Familie gesehen und gehört wird und was nicht. Darum gilt für
Eltern als Abnehmer:· Nicht
alles was gerade auf dem Markt (oder "in") ist, muss gekauft oder konsumiert
werden. · Niemand zwingt uns dazu, dem Medienangebot gleichsam "bewusstlos"
zu folgen und die Anbieter durch hohe Einschaltquoten in ihren Bestrebungen nach
Medienmacht und Gewinn zu unterstützen. Das ist allein unsere freie Entscheidung.
Und nach
dem gegenwärtigen Stand der Medienwirkungsforschung zu Aggressions- und Gewalt
fördernden Auswirkungen des Medienkonsums ist festzuhalten: Die Aggressivität
von Kindern wird durch Gewaltdarstellungen in dem Ausmaß gefördert,
in dem sie den kindlichen Lebensalltag widerspiegeln [10]. Zu diesen Frustration
und Aggression fördernden Alltagsbedingungen gehören: Eltern nehmen
sich keine Zeit für ihre Kinder, hören nicht zu, nehmen sie nicht ernst
und unternehmen zu wenig gemeinsam. Die Bildschirm- und andere Medien treten daheim
an die Stelle von gemeinsamen Aktivitäten. Das Klima zwischen Mutter und
Vater und deren persönliche Situation sind belastet. Die Atmosphäre
der Wohnumwelt ist für ein Kind ungünstig. Der Druck, der auf einem
Kind lastet (z.B. Leistungsdruck in Schule und Elternhaus) ist für dieses
Kind zu groß. Der Einfluss, den die Freundesgruppe ausübt, verstärkt
Aggression und Frustration. Insofern
kann bilanzierend festgehalten werden: Ein Medium für sich genommen wird
weder einem Kind zu Höchstleistungen in der Schule verhelfen, noch es für
ein Leben in unserer Gesellschaft untauglich machen. Maßgeblich für
Nutzen oder Schaden sind die Lebensbedingungen beziehungsweise die Situationen
in deren Zusammenhängen Medien Anwendung finden [11] sowie die diesen Ausgangslagen
entsprechenden Funktionen, die die Medien für den Anwender haben. Erst
auf der Grundlage einer derart kritisch-prüfenden Analyse und beobachtenden
Haltung, die jeder Einzelne von uns zu beherzigen hat, können wir uns nun
dem Zweck und den Vorzügen von Computern in Erziehung und Bildung zuwenden
und ihm eine angemessene Stelle einräumen.
|
4 Entwicklungsfördernde
Auswirkungen beim Umgang mit Computern Wenn
der Umgang mit Computern unter bestimmten Bedingungen Kinder in ihrer Entwicklung
zu fördern vermag, so sollten wir hier etwas genauer hinschauen. In den folgenden
Abschnitten wird Auskunft darüber gegeben, auf welche Dimensionen der seelisch-geistigen
Entwicklung sich dieser Umgang auswirken kann . Die
kognitive Dimension. Sie ist relativ einfach zu fassen, wenn wir an Schulschwierigkeiten
unserer Kinder denken. Da kann es zum Beispiel um die Förderung der Rechenfertigkeit
gehen. Das Erlernen neuer Sachverhalte steht jedoch nicht im Vordergrund. Hauptfunktion
von Computerprogrammen ist die Übung. Mit Hilfe eines Computerprogramms kann
man zum Beispiel nicht Deutsch "lernen". Stattdessen können sehr
gut Teile der Sprachstruktur geübt werden. Im Grunde wissen unsere Schüler
schon worum es geht; die grammatikalischen Elemente eines Satzes haben sie zum
Beispiel in der Schule kennen gelernt. Nun geht es darum, Routine und Sicherheit
zu erwerben. Entsprechende Programme (Sprachspiele) ermöglichen das zum Beispiel
mit Hilfe von Lückentexten oder Bestimmungsübungen. Es sprechen die
vorgetragenen Untersuchungsergebnisse aus dem Bereich von Schule [12] und Sozialpädagogik
[13] dafür, dass didaktisch sorgfältig entwickelte Programme für
Schüler mit Lernproblemen nützlich sein können. Wir kommen gleich
noch einmal im Zusammenhang mit der Programmauswahl darauf zurück. Kinder
mit Schwierigkeiten in kognitiven und kommunikativ-sozialen Bereichen können
in ganz besonderer Weise Nutzen für ihre Entwicklung aus der Arbeit mit geeigneten
Computerprogrammen ziehen. Dieser Aussage liegen bereits Forschungsergebnisse
zugrunde. Es sind vor allem seit Mitte der achtziger Jahre wissenschaftlich begleitete
Projekte an Schulen für lernbehinderte Kinder, die die Zweckmäßigkeit
des Computereinsatzes in schulischen Lernprozessen überprüften und geeignete
Lernprogramme entwickelten.
Die motivationale Dimension. Hier ist es zunächst schon schwieriger zu
verstehen, dass die Arbeit mit Computerprogrammen das Interesse am Lernen (an
geistiger Arbeit) zu fördern vermag. Tatsächlich aber sind entsprechende
Computerprogramme nicht selten sehr gut geeignet, misserfolgsmotivierte Kinder
zum Lernen zu bewegen. Warum das so ist, verrät uns ein Beispiel: Denken
wir nur daran, dass ein Computerprogramm gleichsam "gefühlsneutral"
einen Fehler rückmeldet. Bei Erwachsenen schwingt dagegen im Regelfalle eine
versteckte (beziehungsabhängige) Aussage mit: "Du bist einfach zu dumm/zu
faul/zu träge" oder: "Du willst mich ärgern". "das
hast Du ja schon wieder falsch gemacht." "Nun nimm Dich aber mal zusammen!"
"Das lernst Du ja nie, wenn Du so weitermachst!" "Stell Dich nicht
so dumm an!" Oder, wie erst jüngst in der zehnten Klasse eines Gymnasiums
geschehen: "Ihr solltet besser einen praktischen Beruf lernen..." Unsere
Kinder schalten dann gern auf stur. Ein Computerprogramm hat diese Nachteile nicht.
Ein Kind ist erfahrungsgemäß darum bereit, die Aussage des Programms
"das hast Du falsch gemacht" zu akzeptieren. Selbst wenn das Kind vor
dem Gerät schimpft: dem Computer macht das nichts aus; das Programm reagiert
immer gleich. Kinder nehmen Fehlermeldungen von Computern bedeutend gelassener
entgegen, als entsprechende Hinweise durch Erzieher. Der Computer enthält
sich jedes wertenden oder diskriminierenden Untertons: Bei Bedienungsfehlern reagiert
er mit einem Piepston; bei Arbeitsfehlern - je nach Programm - mit aufmunternden
Sprüchen und der Aufforderung, es noch einmal zu versuchen. Auf der Beziehungsebene
läuft da gar nichts ab. Zur Förderung der Lernbereitschaft kann natürlich
der Programmaufbau selbst beitragen. Wenn z.B. die Lernschritte so eingearbeitet
worden sind, dass einem Kind mehr Erfolg als Misserfolg zurückgemeldet wird,
dann ist es nachher stolz darüber, dass es so erfolgreich war. Unverzichtbar
bleibt aber, dass wir Erwachsenen das anerkennen und entsprechend reagieren! Die
Dimension soziales Verhalten Längst hat es sich herausgestellt, dass der
Computer, ganz im Gegensatz zu früheren Annahmen, nicht dazu verführt,
ein "Einzelkämpfer" zu werden. Das Gegenteil ist der Fall, wenn
bestimmte entwicklungsfördernde Rahmenbedinungen gegeben sind. Immer wieder
registrierten zum Beispiel Erzieherinnen und LehrerInnen, dass Kinder, die üblicherweise
kaum zu aufeinander abgestimmten gemeinsamen Handlungen fähig zu sein schienen,
vor dem Computer erstaunliche, bis dahin nicht vermutete soziale Verhaltensweisen
zeigten. Bezogen auf die Altersgruppe der Sieben- bis Elfjährigen haben
die Praxis und die sie begleitenden Erhebungen darüber hinaus nachweisen
können, dass Kinder soziale Arbeitsformen auch im Umgang mit dem Computer
bevorzugen. Die prinzipielle Orientierung auf andere Kinder und auf den Erwachsenen
hin, hat für die Kinder dieser Altersstufe Priorität. Sie wünschen
sich besonders die Begleitung durch ihre Erzieherinnen und verraten uns damit
zugleich, dass für die Kinder ein Computer die pädagogische Assistenz
nicht ersetzen kann. Gerade bei Programmen, die die gleichzeitige Arbeit von wenigstens
zwei Kindern vorsehen, können soziale Tugenden, wie zweckorientierte Zusammenarbeit,
Warten können, Rücksichtnahme, Verständnis und Hilfsbereitschaft
gefördert werden. Nach den bisher vorliegenden Forschungsergebnissen bewährt
sich der Computer besonders, wenn ein Kind, das bereits mit Hard- und Software
umgehen kann, einem anderen hilft, das zu lernen. Es ist also für die Förderung
von sozialen Verhaltensweisen von Bedeutung, darauf zu achten, dass Erwachsene
nur bei den ersten Kindern, die an den Computer heran geführt werden, die
Anleitenden sind: Den "Computerführerschein" können späterhin
andere Kinder mit Unterstützung derer erwerben, die ihnen hier schon einige
Schritte voraus sind. Auch bei Schulversuchen hat es sich gezeigt, dass Schülerinnen
und Schüler lieber mit anderen Kindern gemeinsam ein Programm bearbeiten,
als allein vor einem Gerät zu sitzen. Sie beratschlagen, was sie antworten
sollen und erleben auf diese Weise eine ganz neue Art zu Lernen, bei der partnerschaftlich
das Neue erschlossen wird. Fehlermeldungen gehen stets beide an - wie sich beide
am Erfolg freuen können. Die
Dimension Selbstwertgefühl Auffälligkeiten - vor allem im Bereich
des Umgangs mit anderen Kindern und Erwachsenen - haben nicht zuletzt ihre Ursachen
darin, dass sich die betreffenden Kinder stets abgelehnt/benachteiligt fühlen.
Sie konnten keinen Funken Selbstachtung entwickeln, wenn sie von ihren Eltern
abgelehnt wurden. In nicht wenigen Fällen tun die Erwachsenen das ihrige
noch dazu, wenn sie den Kindern zu verstehen geben, dass sie nichts Wert sind.
Sowohl entsprechende Bemerkungen als auch Mienenspiel und Gestik können verletzen.
Die Erfahrung, als Persönlichkeit mehr oder weniger Wert zu sein wird aber
nicht nur im Umgang mit anderen gemacht. Erfolge und Misserfolge bei Bemühungen
um eigene Leistungen, beeinflussen das Selbstwertgefühl ebenso nachhaltig.
Der Computer kann sich dabei als hilfreich erweisen. Da bietet sich einmal die
Erfahrung an: ich kann mit dem Ding umgehen; ich kann es steuern, ich kann damit
etwas hervorbringen. Das ist für ein Kind ein Erfolg! Es kann stolz darauf
sein und in Anlehnung an Erich Fromm lässt sich sagen: das Kind erfährt
sich selbst als positiv, weil es etwas bewirkt [14] .Es wirkten sich aber weiter
die mit Hilfe des Computers erzielten Lern- und Arbeitserfolge positiv auf die
Herausbildung von Selbstvertrauen aus. Gerade hierfür geeignete Spiele und
Lernprogramme ermöglichen positive Selbsterfahrungen und stärken auf
diese Weise das Zutrauen zu sich selbst. Damit kommt die Bedeutung der Programmauswahl
ins Blickfeld und andere Bedingungen, die gegeben sein müssen, wenn die Arbeit
mit dem Computer Kindern helfen soll.
|
5 Geeignete
Programme auswählen Eltern
denken beim Kauf von Programmen sowohl an die Wünsche ihrer Kinder als auch
an die Auswirkungen, die die Programme auf sie haben können. Über die
Fördermöglichkeiten ist im vergangenen Kapitel bereits einiges geschrieben
worden. Also müssten wir wissen, welche Programme was fördern und welche
wie schaden. Was ist zu tun, angesichts der großen schier unübersehbaren
Angebots und dem Drängen unserer Kinder, dies oder jenes Programm unbedingt
zu kaufen? Obwohl es ausgeschlossen ist, dass der Idealfall je erreicht wird und
gleichsam jedes Kind ein für seine spezifischen Möglichkeiten und Bedürfnisse
zugeschnittenes Programm erhält, haben wir die Programme, die bereits entwickelt
worden sind, unter dem Blickwinkel ihrer speziellen Funktionen im Zusammenhang
mit der Förderung ebenso spezieller Fähigkeiten zu prüfen. Unsere
Entscheidungen für ein bestimmtes Programm (z.B. ein Spielprogramm, Rechnen,
Sprachförderung, Sachkundefächer o. dgl.) können sich stützen
auf die Anforderungen der Erzieherinnen und Erzieher oder auf die Empfehlungen
der Schule, die das betreffende Programm in dieser Klasse (bei diesem Kind) bereits
verwenden. Es kann aber genau so gut ein Programm - also auch ein Computerspiel
- von uns ausgewählt werden, wenn wir es für den vorgesehenen Zweck
für geeignet halten und darum angeschafft oder selbst geschrieben haben.
Soweit es Unterrichtsinhalte berührt, ist der o. g. Kooperationsgesichtspunkt
besonders zu beachten. Jede pädagogische Institution kann bei der Bundeszentrale
für politische Bildung (Pf. 2325 in 53013 Bonn) die sehr informativen Blätter
"Computerspiele auf dem Prüfstand" bestellen oder abonnieren. Zweimal
im Jahr kommt eine neue Sendung, die kostenlos abgegeben wird. Bei der Auswahl
von "Lernprogrammen" wird es zweckmäßig sein, dass das Übungsprogramm
für ein Kind (Beispiel: das große Einmaleins) auch für die anderen
Kinder in einer Familie verwendbar ist. Um
Eltern und Fachkräften raten und helfen zu können, gibt es in jeder
Region inzwischen Informationsstützpunkte. An Kreisbildstellen und an den
Schulen (in Baden-Württemberg sind das die "Multimediaberater")
halten sachkundige Personen Informationen über Programme bereit. Nirgendwo
muss also beim gegenwärtigen Verbreitungsstand von Computern bei Null angefangen
werden. Es fehlt lediglich noch an Interaktionsprozessen unter den Computeranwendern
und an Schnittstellen, die allen Interessierten ermöglichen würde, vorhandene
Erfahrungen zu nutzen und effektiv auszubauen. Allein schon der Einsatz von Programmen,
die in sozialpädagogischen Einrichtungen schulfächerbezogene Lernprozesse
unterstützen sollen, brauchte eigentlich die Zusammenarbeit mit den Lehrern.
Wenn sozialpädagogische Fachkräfte oder Eltern Lernprogramme kaufen
wollen, dann sollten sie die Lehrer (z.B. Multimediaberater in den Schulen oder
Mitarbeiter in der nächstgelegenen Mediathek oder Kreisbildstelle fragen! Auskünfte
über geeignete Programme geben außer den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
in den Kreisbildstellen die Berater in Spezialgeschäften, bei denen sogar
so genannte "Demo-Versionen" angeschaut werden können. Es braucht
also Zeit, wenn man für sein Kind das "richtige" Lernprogramm kaufen
will. Bei Spielprogrammen sieht es nicht anders aus. Hier können Kinderwünsche
besonders weit von dem abweichen, was Eltern für verantwortbar halten.
|
6 Anmerkungen
zum Internet Hier
haben wir es mit einer neuen Dimension unseres Lebens zu tun, die mehr ist, als
die Nutzung von Computerprogrammen. Allein an der für 2000 geltenden Tatsache,
dass 2,3 Millionen Kinder und Jugendliche unter 12 Jahren im Internet waren und
damit doppelt so viel wie im Jahr zuvor, wird die Bedeutung der Internetnutzung
unterstrichen. Über die Internetnutzung im Zusammenhang mit Erziehung und
Bildung ist bisher noch wenig geschrieben und kaum geforscht worden. Die Forschungen
des Instituts IconKids & Youth in München, von dem die hier genannten
Zahlen stammen (vgl. Bad. Ztg. V. 16.01.2001), arbeitet als Marktforschungsunternehmen
in erster Linie für Anbieter im Internet und nicht für die Nutzer und
schon gar nicht für die Familienerziehung - es sei denn von dort käme
das Geld. Heute, also Ende 2000 hatten 37 Prozent aller Kinder im Alter von sechs
bis zwölf Jahren Gelegenheit, das Internet zu nutzen. Es nutzen fast ebenso
viele Mädchen wie Buben das Internet. Internet ist Topthema auf den Schulhöfen.
Am beliebtesten sind Webseiten von bekannten Kindermarken und Kinderkanälen.
Zwei Drittel der Kinder gehen einmal die Woche ans Netz. Im Durchschnitt sind
sie eine Stunde online (1,9 Pfg/Min. mal 60 = 1,14 DM/Std.). Sich
mit der Internet-Nutzung - bezogen allein auf den Freizeitbereich oder auf den
Schulunterricht - auseinanderzusetzen, dazu braucht jeder von uns viel Informationen
aus den entsprechenden Forschungsbereichen und sehr viel persönliche Erfahrung
[18] . So weit aber sind wir noch längst nicht alle und für viele von
uns Berufspädagogen ist das Internet noch fremd. Bezogen auf unsere Kinder
und Jugendlichen gebe ich einige Stichworte und deute dabei auf Themen, mit denen
wir uns (gegenwärtig) vertraut machen sollten: "Kindersuchmaschinen
(z. B. "blindekuh"), "Kinderseiten von Fersehsendern" (z.B.
"kindernetz" vom SWF) [19] , "Chatten" (z.B. "kindersache"
von der Infostelle Kinderpolitik, Berlin), Kinderseiten und kommerz (z.B. "coole-schule"
von Kraft Jacobs Suchard). Uns Erwachsenen bleibt nur noch wenig Zeit, wenn
wir unseren Kindern zur Seite stehen und die Internekommunikation, die sich ja
gegenwärtig mit dem Einsatz von entsprechend ausgerüsteten Handys noch
steigern lässt, verantwortungsvoll begleiten wollen. Meine eigenen Erfahrungen
mit dem "Internet" beruhen einmal auf der eigenen Nutzung - vor allem
aber auf den Arbeiten, die zurzeit mit den Kindern in unserem Heim durchgeführt
werden. Für uns sind Voraussetzung und Ziel allen Umgangs mit Computerprogrammen
und dem Internet das, was in der medienpädagogischen Literatur als "Kompetenz"
bezeichnet wird [20]. Bezogen auf das Internet als Informations- und Kommunikationsmedium
heißt das für ihre Nutzer: -
1. Sie erwerben bzw. besitzen die Fähigkeiten das Internet als Werkzeug zu
erkennen, es selbst gestalterisch zu nutzen, als ein Instrument zur Optimierung
ihrer Informationsbedürfnisse und interaktiven bzw. kommunikativen Möglichkeiten
- sowohl als Einzelperson, als auch als Gruppe zu verwenden und ständig zu
erweitern. - 2. Sie erwerben bzw. besitzen die Fähigkeiten, Informationen
zu sichten und zu bewerten (z. B. unter den Kriterien der individuellen Zwecke)
und gezielt auszuwählen. - 3. Sie erwerben bzw. besitzen die Fähigkeiten,
die Möglichkeiten des Internet entsprechend kritisch wahrzunehmen und, wenn
sie ihre Zwecke erreicht haben, das Internet zu verlassen. Dieser Hinweis ist
darum ernst zu nehmen, weil im Zusammenhang mit der Internetnutzung Suchtgefährdungen,
seelische Erkrankungen bzw. Verstärkung seelischer Störungen und erhebliche
finanzielle Belastungen beobachtet wurden. Wir
wollen also die Kinder, die bei uns heranwachsen, befähigen, die Möglichkeiten
des Internet zu beherrschen und zu nutzen, ohne umgekehrt vom Internet beherrscht
zu werden und in die Rolle von "Medien-Analphabeten" oder "chronischer
Konsumer" abzugleiten. Im Grunde gelten diese Beschreibungen eines kompetenten
Mediennutzers für den Umgang mit allen Medien also nicht nur für die
elektronischen Medien sondern auch für Druckerzeugnisse. Um Medienkompetenz
zu erwerben, braucht es Voraussetzungen. Wir können, um sie zu benennen,
auf die Prinzipien zurückschauen, die für den Umgang mit Bildschirmmedien
generell gelten und die im ersten Teil bereits genannt wurden. Greifen wir die
entsprechenden Stichworte auf und übertragen sie auf den Umgang mit dem Internet:
Stichwort: Vorbild:
Für Eltern heißt das, sich zuerst selbst kundig machen und auskennen
oder ihr Kind mit einer medienkompetenten Persönlichkeit ihres Vertrauens
zusammenarbeiten zu lassen [21]. Eine Berliner Studie zeigte, dass es am häufigsten
der Vater ist, der seine Kinder in die Internetnutzung einführt und dass
sehr viele Minderjährige ihre ersten Erfahrungen außerhalb der Familie
(Schule, Internet-Cafes u. a.) sammeln [22]. Stichworte:
auswählen, gemeinsam arbeiten und darüber sprechen: Für den
Internetzugang heißt das, Kinder bzw. Anfänger nicht sich selbst überlassen,
die Nutzungszeiten begrenzen und auf möglichst konkrete Aufgabenstellungen
beschränken und Eltern/Erzieher sowie Kindergruppen gemeinsam am Computer
im Internet bestimmte Informationen abrufen oder mit anderen Kontakt aufnehmen.
Der Wissenschaftsjournalist Michael Stein wies in seiner Sendung "Die
Welt am Draht": Erziehung in Zeiten des Internet" (SWR 2 am 29.10.2007)
auf die Bedeutung des Dialogs zwischen Kindern und ihren Eltern hin, dessen Ziel
es sein könnte, sich über Inhalt und Ausmaß der Internet-Nutzung
zu verständigen. Stichworte:
Herausfordernde Aktivitäten und Erfolge durch eigene Leistung: Das Internet
bietet hierfür die Möglichkeit der Gestaltung einer "Homepage"
und kreativer Leistungen. So wurden zum Beispiel in Remscheid in einem Projekt
Kinder dazu angeregt, künstlerische Gestaltungsformen im Internet anzuwenden
und auf diese Weise ihre Medienkompetenz zu fördern [23] . Stichwort:
Kommunikation: Die heute mehr und mehr mögliche Kommunikation und Kooperation
mit Hilfe von E-Mail beziehungsweise Internet wird bereits von Kindern im Schulalter
genutzt, um virtuelle Gemeinschaften zu bilden. Diese interpersonelle Kommunikation
mit Hilfe der elektronischen Medien ( z. B. chatten im Internet ) ist ein gutes
Beispiel für eine, den persönlichen Umgang mit anderen Menschen ergänzende
Internetnutzung. Unverzichtbar bleiben also die Prioritäten der unmittelbaren
interpersonalen (face to face) - Kommunikation und des Zusammenwirkens in der
Familie, im Freundeskreis, im Kindergarten, in der Schule oder im Verein . Hier
brauchen unsere Kinder Anerkennung und Akzeptanz. Hier wollen und sollen sie erfolgreich
sein durch eigene Leistung. Die persönliche Begegnung muss im Vordergrund
bleiben, das zum Beispiel kann als wertvolle Ergänzung betrachtet werden
[24] . Stichwort:
Rat und Hilfe suchen: Gerade in den "Chatrooms" können Kinder
Gefährdungen ausgesetzt sein. Irene Schumacher vom Jugendhilfswerk Freiburg
hält es für dringend notwendig, dass Erziehende besser informiert werden
beziehungsweise, sich Hilfe holen (Interview in der BZ am 12.04.2007). Spielerisch
können Kinder lernen, welche Gefahren im Internet lauern und Erwachsene erhalten
auf der Seite "chatten ohne risiko" wichtige Informationen für
ihre erzieherische Arbeit. Weitere Informationen zu den Themen Handy, Computer
und Internet gibt es bei: www.internet-abc.de
www.elterntalk.de www.elternundmedien.de
|
7. Zusammenfassung: 1.
Die Nutzung von Bildschirmmedien bergen Chancen und Gefährdungen. Gefährdet
sind unsere Kinder und Jugendlichen dann, wenn sie mit Hilfe von Filmen, Spielen
und der Internetnutzung Defizite ausgleichen, die sich auf die Befriedigung jener
elementaren körperlichen und seelischen Bedürfnisse beziehen die in
den betreffenden Familien nicht hinreichend befriedigt werden. 2.
Die Nutzung von Computern, den Computerspielen und dem Internet eröffnen
vielfältige und heute noch nicht absehbare und noch kaum in ihren Auswirkungen
erforschte Chancen für die Kinder und Jugendlichen, für die diese Medien
in erster Linie ergänzende Funktionen haben. Die können sich einmal
auf Kommunikation (chatten), Unterhaltung und Entspannung beziehen und zum anderen
auf den Erwerb, die Ergänzung oder das Training von Kenntnissen und Fertigkeiten
unter anderem für die Bereiche Steckenpferd, Schule, Berufsausbildung oder
Berufsausübung. Gerade bei der Nutzung von Informationen aus dem Internet
oder der Anwendung von Computerprogrammen kommt es darauf an, dass unsere Heranwachsenden
kreativ-gestaltend damit umgehen, sie gleichsam als Werkzeuge für die Optimierung
ihrer eigenen Arbeiten, wie schriftliche oder bildlich-gestalterische Leistungen
verwenden. 3.
Alle Personen und Institutionen, die für die Erziehung und Bildung in einem
Gemeinwesen Verantwortung tragen oder sich mitverantwortlich fühlen, sind
aufgerufen, gegen jene Erscheinungen einzutreten, die als Ursachen für den
Missbrauch von Medien erkannt worden sind und im Interesse der heranwachsenden
Generationen, unserer Kultur und Gesellschaft alles zu tun, was eine positive
Entwicklung jedes Kindes mit Hilfe von Medien und orientiert an den gültigen
Erziehungs- und Bildungszielen fördert [25] . Wer den Missbrauch zulässt
oder fördert, schadet dem Wohl des Kindes bzw. missachtet seine Grundbedürfnisse. 4.
Wenn beziehungsweise solange Familien nicht in der Lage oder nicht bereit sind,
ihren Kindern in Bezug auf den Umgang mit elektronischen Medien entwicklungsfördernde
Bedingungen zu schaffen, beeinträchtigen sie fahrlässig oder bewusst
das Wohl ihrer Kinder. Im Interesse der betroffenen Kinder sehe ich keine andere
Möglichkeit, Schaden von ihnen abzuwenden, als Ganztagesangebote - zum Beispiel
in einer Ganztagesschule, in der sozial- und schulpädagogische Angebote gleichwertig
nebeneinander stehen oder einen Ausbau ambulanter oder stationärerer Einrichtungen
der Jugendhilfe.
|
Anmerkungen [1]
Vgl. dazu auch die Mitteilungen der Landesbildstellen Baden-Württemberg "Analog
und Digital". In der Ausgabe Nr. 2/1999 werden z. B. eine Reihe von Projekten
vorgestellt, die in Schulen durchgeführt werden und über die Funktionen
eines Computer unterstützten Unterrichts nachgedacht. [2]
Clifford Stoll: Warum Computer in der Schule nichts zu suchen haben und andere
High-Tech-Ketzereien. Frankfurt/M. 2001; Manfred Spitzer: Verdummen am PC.
In: Badische Zeitung vom 07.05.2005 [3]
Vgl. dazu z.B. Sabine Bomholdt und Ursula Sedlack: Keine Angst vor der weißen
Maus. In: http://www.kindergarten heute.de/Fachinfos/Praxisbeiträge/pb von
Februar 2001 [4]
Vgl. dazu: Walter Korinek: Muss die Schule ans Netz? In: bildung & wissenschaft
Heft 12/2000, S. 23-26 [5]
Zum Beispiel in "kindergarten heute" Nr. 5/2000, S. 36 ff der Bericht
von Sabine Bonholt u. a.: "Keine Angst vor der weißen Maus". [6]
Vgl. hierüber den Essay von Bruno Bettelheim: Brauchen Kinder fernsehen?
In: TELEVIZION Nr. 1/1998, S. 4-5 [7]
Weizenbaum, J.: Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft. Frankfurt/M.
1977 Noch immer wird befürchtet, dass die Menschen beginnen könnten,
wie Computer zu denken. Vgl. dazu Hildegard Schaufelberger in kindergarten heute,
Nr. 7 - 8/1995, S. 11 [8]
Vgl. hierzu den Bericht von DANIELA BRAUN über ein Computerprojekt in einer
Kindertagesstätte: Lasst die Kinder an die Maus! Wie Kinder in der Kita mit
Computern umgehen. Freiburg 2000 [9]
Vgl. dazu u.a.: Singer, Kurt: Humane Schule in einer demokratischen Gesellschaft.
Hrsg: AKTION HUMANE SCHULE, München, März 2001 [10]
Ergebnisse einer Fachtagung von Medienforschern im September 1995 in Arnstadt [11]
Vgl. hierzu B. Sichtermann: Kinderfernsehen und die Sorgen der Erwachsenen. In:
Czaja, D.: Kinder brauchen Helden... München 1997, S. 14 ff [12]
Hier ist zu verweisen auf die zahlreichen Beispiele aus dem Themenheft "Grundschule
und neue Medien" herausgegeben von Hartmut Mitzlaff und Angelika Speck-Hamdan
in Heft 103 der "Beiträge zur Reform der Grundschule" (Arbeitskreis
Grundschule-Der Grundschulverband- e.V.). Frankfurt a. M. Vgl. weiter: Landesanstalt
für Rundfunk Nordrhein-Westfalen (LfR): Medienerziehung im Kindergarten:
Neue Herausforderungen durch private Programme? LfR-Dokumentationen Band 3, Düsseldorf
1990 Langenbuch, G./Bauer, K.-O./Rolff, H.-G./Runte, P.: Computer in der Grundschule?
Ergebnisse einer qualitativen Feldstudie an einer Dortmunder Grundschule. IFS-Werkheft
31, Dortmund 1989 Langenbuch, G./Mattern, K.: Auch der Computer ist ein Schreibwerkzeug.
In: Grundschule, Heft 2/1990, S. 23 - 25 Mitzlaff, H.: Lernen mit Mausklick.
Computer in der Grundschule. Frankfurt/M. 1997 [13]
Bonfranchi, R.: Der Einsatz des Computers in der Sonderpädagogik. In: Jugendwohl,
72/1991/7, S. 338 - 347 Höltershinken, D. u. a.: Praxis der Medienerziehung.
Beschreibung und Analyse im Schulischen und außerschulischen Bereich. Bad
Heilbrunn 1991 Richter, Bernd: Kindern mit Computern helfen. Neue Wege in der
Entwicklung von Heim- und Pflegekindern. In: Unsere Jugend, Heft 3/1998, S. 119-124 Rumpf,
J.: Computer in Erziehung und Bildung. In: Jugendwohl, 73/1992/11, S. 496 - 504 [14]
"ich bin, weil ich etwas bewirke" heißt es bei Fromm: Gesamtausgabe,
Bd. 7, S. 212 [15]
Aus der Loseblattsammlung "Computerspiele auf dem Prüfstand", die
von der Bundeszentrale für politische Bildung kostenlos zweimal im Jahr herausgegeben
wird (Postf. 2325 in 53013 Bonn) und die u. a. Jürgen Fritz betreut Vgl.
auch u.a.: Dittler, Ulrich: Software statt Teddybär. Computerspiele und die
pädagogische Auseinandersetzung. München 1993 Stadt Köln (Hrsg.)
Computer- und Videospiele - pädagogisch beurteilt Bde.1 bis 7 1992 ff [16]
Über die Zusammenhänge zwischen Rahmenbedingungen und ihre Auswirkungen
auf negative Entwicklungen Minderjähriger, vor allem mit dem Blick auf Nutzung
und Auswirkung gewalttätiger Computerspiele vgl. ua.: Aufenanger, Stefan:
Medienrezeption von Jungen und Mädchen. In: ajs-Informationen 1/1995. Aufenanger
lehrt an der Universität Hamburg und forscht seit langem über die Auswirkungen
des Medienkonsums. In den vergangenen Jahren hat auch Professor Christian Pfeiffer,
Leiter des krimonologischen Instituts der Universität Hannover in zahlreichen
Vorträgen über den Zusammenhang zwischen Medienverhalten und zunehmender
Gewaltbereitschaft unter Kindern und Jugendlichen informiert. Pfeiffer bezeichnet
das Erscheinungsbild als "Medienverwahrlosung" (vgl. u. a. den Vortrag
darüber am 31. Mai 2005 in Bad Säckingen) Fritz , J.: Im Sog der
Videospiele. München 1985 Rumpf, J.: Was Kinder brauchen. In: www.rumpfs-paed.de
zuerst in: Regionaler Fachdienst. Handreichungen 1. Teil. Waldshut 1998 Süss,
D.: "Der Fernsehkrimi..". Bern 1993; zuletzt auf Grund mehrjähriger
Medienwirkungsforschung an der Universität Zürich im Kulturmagazin "NEXT"
(SF 1) am 5. 12. 1999 hat Süss diese Zusammenhänge bekräftigt.
[17] Vgl. hierzu
auch: ajs - informationen Nr. 1/1990, Nr. 3/2004 u.a.a.O. [18]
Wie zweckmäßig es für Eltern sein kann, sich hier auszukennen,
das zeigte uns die Gruppe Laufenburger Jugendlicher (13 - 17-jährige), die
das Internet zur Verbreitung von Kinderpornografie und anderen jugendgefährdenden
Erzeugnissen nutzten, ohne dass die Eltern etwas merkten. (Südkurier v. 25.01.2000) [19]
Die deutschsprachigen Websites für Kinder, Internetprojekte im Freizeitbereich
und Fachliteratur hierüber wird in einem bis zum 31.12.2000 laufenden Projekt
des Deutschen Jugendinstituts untersucht. Vgl. dazu: http://www.dji.de/www-kinderseiten/
und den Aufsatz von Christine Feil: Kinder im Internet. In: Diskurs 1/2000, S.
15 ff [20] Vgl.
u. a..: Clasen, Toni: Das Ziel heißt Medienkompetenz. In: Blätter der
Wohlfahrtspflege Nr. 9+10/99, S. 211-212 Das Ziel, die Medienkompetenz von
Kindern, Eltern und Erziehern zu stärken, verfolgt auch das Team "jugendschutz.net"
in Mainz, der Zentralstelle der Länder für Jugendschutz in Mediendiensten.
Adresse: www.jugendschutz.net; auch die neuesten Studien über den Zusammenhang
von Lernerfolgen und Computernutzung sind kritisch unter dem Gesichtspunkt der
Medienkompetenz sowie des sozialen Umfeldes zu bewerten. Vgl. dazu u. a. weiter:
Stefan Aufenanger in einem Interview des SWR II am 26.01.2006 und sein Buch "Medienpädagogik".
Stuttgart 2005 [21]
Die Träger von pädagogischen Einrichtungen einerseits und die Eltern
andererseits sollten sich darüber im Klaren sein, dass es Zeit und Geld erfordert,
bis sich jemand mit Computeranwendungen und dem Internet so auskennt, dass sie/er
Kinder begleiten können. Wo die Betreffenden diese Zeit und das Geld hernehmen
und damit auf andere Aktivitäten oder Ausgaben verzichten, bleibt weitgehend
offen und bisher jedem selbst überlassen. Zur Zeit sind nur all jene "kompetent",
für die der Computer unverzichtbares Werkzeug oder ein zentrales Steckenpferd
ist. Vgl. dazu auch den Erfahrungsbericht von Karin Heymann "Hoffen auf heilende
Hände" In: Pädagogik 9/00, S. 15 ff [22]
Orthmann, C.: Kommunikation von Kindern im Internet. In: Diskurs 1/2000, S. 29 [23]
Spormann, U.: Medienkunst mit Kindern - kreative Wege zur Förderung von Medienkompetenz.
In: Diskurs 1/2000 [24]
Vgl. hierzu: Leu, H. R.: Wie Kinder mit Computern umgehen. Studie zur Entzauberung
einer neuen Technologie in der Familie. München 1993 Schulz-Zander, R.
und Lauterbach, R.: Kinder und Computer, Multimedia und vernetzte Welten. In:
Köhnlein, W. u. a. (Hrsg.): Kinder auf dem Wege zum Verstehen der Welt. Bad
Heilbrunn 1997, S. 201 - 232 [25]
Auf diese gemeinsame, gleichsam "vernetzte" Verantwortung deutet das
Team "jugendschutz.net" in Diskurs Nr. 1/2000, S. 5 Vgl. hierzu auch
die Veröffentlichungen von Manfred Spitzer
|
zurück
zur Einführung Medienerziehung |
zurürck zum Inhaltsverzeichnis |