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Schriften zur Erziehung und Bildung im WWW
von Dr. Joachim Rumpf

 

Schulverweigerer im Heim


 

Schule schwänzen – im Heim selten ein ThemaI

 

In einer Seminararbeit, die 1976 über die Lebenssituation von Kindern in einem Heim geschrieben wurde, findet sich folgende Feststellung:„Der Schulbesuch ist selbstverständlich. Schulschwänzen – oft erhebliche Einweisungsursache – fällt einfach weg. Es gibt bei den ehemals notorischen Schwänzern (wie z. B. … hier folgen die Namen zweier Buben) anfangs schon mal ein oder zwei Anläufe. Dann hört das aber einfach auf….“

Schauen wir auf die Bemühungen der gegenwärtigen Schulverweigerungsforschung, fehlen in entsprechenden Schriften Hinweise über die Auswirkungen stationärer Hilfen auf das Schulbesuchsverhalten von Kindern. Stattdessen entsteht der Eindruck, als würden selbst von sozialpädagogischen Experten, wie zum Beispiel bei Birgit Warzecha [1] stationären Einrichtungen eine die Schulverweigerung verstärkende Funktion zugeschrieben. Heimerziehung wird in ihrer Schrift über die Schulverweigerung im Zusammenhang mit „außerschulischen Maßnahmekarrieren“ genannt (Warzecha, S. 53 f), wobei sie auf einen Bericht des Stern über einen kriminalisierten Jugendlichen zurückgreift. Warzecha beschreibt sogar Schulverweigerung als „Symptom außerschulischer mit ihren je verschiedenen Hilfesystemen… Mechanismen der Desintegration“ (Warzecha, S. 58 ff).Wenn Heimerziehung in wissenschaftlichen Beiträgen im Zusammenhang mit kriminalisierten Lebensverläufen genannt und gleichsam als Desintegrationsinstanz angesehen wird, dann bestätigt dies zunächst einmal jenes Bild, das in der Medienlandschaft hartnäckig gepflegt wird. Die positiven Seiten dieser den Familien als Hilfsangebot zur Verfügung stehender alternativen Lebensform und ihre längst nachgewiesenen Erfolge [2] , kommen überhaupt nicht in den Blick. Eine Ausnahme bildet die jüngst an der Fachhochschule in Potsdam Babelsberg vorgelegte Studie von Daniela Rosenau über Schulverweigerung und Heimerziehung, über die auf dieser Homepage berichtet wird.

Die Gründe, die dazu führen, dass im Denkhorizont selbst von Fachleuten wie Sozialarbeitern und Sozialpädagogen die Hilfen zur Erziehung nach § 34 KJHG nicht oder nur selten und dann schon kaum öffentlich als sinnvolle Hilfe für ein Kind und dessen Familie betrachtet wird, sind sicher sehr vielschichtig. Ein nicht zu unterschätzender und bekannter Grund sind seit der zunehmenden finanziellen Not öffentlicher Haushalte die Kosten für Erziehungshilfe in Heimen [3] . Dass stationäre Erziehungshilfen „nichts bringen“ und angesichts dessen, dass die angestrebten Ziele für die jeweiligen Mädchen und Jungen nicht erreicht werden, viel zu teuer sei, wie mir ein Jugendamtsleiter versicherte, das stimmt einfach nicht. Für das Gegenteil sprechen einmal bisher bereits vorliegende Studien und, in Bezug auf das Thema „Schulschwänzen und Schulverweigerung“ mein Erfahrungsbericht.

Über die Ursachen für die Verweigerung von schulischen Leistungen, von Schulversagen bis hin zum gänzlichen Ausstieg liegen mehrere Untersuchungen vor, von denen die aktuellste und sehr gründliche die von Karlheinz Thimm [4] ist. Bei allen Vorbehalten und Differenzierungen, die Thimm bei der Frage nach den Gründen sieht, weist er dennoch im Rahmen seines multiperspektivischen Erkläransatzes der „Familiengeschichte, -Struktur und –Dynamik“ einen zentralen Platz ein. (Thimm, S.129ff und 522) [5] . Wenn aber die Familie als ein Ursachenkomplex und bezogen auf ein bestimmtes Kind nachgewiesen ist und auch noch die Lernmotivation beeinträchtigende Bedingungen aus der Schule, die der betreffende Minderjährige besucht und der Freundesgruppe, hinzukommen, dann bietet sich doch die Überlegung an, ob nicht ein Wechsel dieser sozialen Umwelten eine Hilfe sein könnte. Im Abschnitt „Konzepte und Strategien bei Unterrichtsverweigerung“ (Thimm, S. 544 ff) aber findet sich diese Möglichkeit nicht. Dabei liegt die Schlussfolgerung doch nahe, dass, wenn Schwänzen und Verweigern vom sozialen Umfeld ausgelöst oder gefördert werden, ein Wechsel des Umfeldes Veränderungen bewirken müsste.Ein Beispiel für einen Milieuwechsel ist der von der Familie hin in ein Heim.

Für die überwiegende Zahl der Kinder, die in Heime aufgenommen wurden, gestaltete sich die Entwicklung – gemessen an einigen vergleichbaren Normen wie Schul- und Berufsabschlüsse – günstiger, als es ohne diese Hilfeform bei diesen Kindern der Fall gewesen wäre [6] . Jürgen Blandow vermutet, dass trotz aller prinzipiellen Beschränkungen, denen eine Sozialisation in öffentlicher Erziehung unterworfen ist, den einzelnen Kindern dennoch „Besseres geboten werden kann, als es ihre Familien konnten“ [7] . In Bezug auf das Thema „Schulverweigerung“ trifft das zweifellos zu.

Ich berichte aus einem Heim, das mit 36 Plätzen und 4 Plätzen in zwei Erziehungsstellen heute inzwischen schon zu den größeren Einrichtungen gehört. Dieses Heim gibt es seit 1969. Zwischen 1969 und Mitte 2003 wurden 268 Mädchen und Jungen dort entlassen. Das Durchschnittsalter bei der Heimaufnahme betrug elfeinhalb Jahre. Alle Mädchen und Jungen besuchten Schulen außerhalb dieses Heims. Nur zwei Kinder waren bei der Heimaufnahme noch nicht schulpflichtig. Sie kamen 1969 und 1970 gemeinsam mit ihren Geschwistern in die Einrichtung. Bei allen anderen war die Schule als diagnostizierende Instanz im Zusammenhang mit der Begründung der Hilfen maßgeblich beteiligt. Zu den am häufigsten genannten Auffälligkeiten wurden von den Schulen Schulschwänzen (65%) und Leistungsverweigerung (51%) genannt. [8] . Vor allem seit den siebziger Jahren, haben schulische Probleme in den Begründungen für eine Heimunterbringung einen immer größeren Stellenwert eingenommen [9] . Die Anteile, die die Schule selbst am Entstehen oder der Verstärkung von Schulvermeidungsverhalten hatte, werden ganz selten thematisiert. Nur ausnahmsweise ließen sich Hinweise auf ein Mitverschulden von Lehrern entdecken. Bei ausnahmslos allen Kindern aber waren es die Familien, die aus den unterschiedlichsten Gründen Jugendhilfemaßnahmen herausforderten. In all jenen Fällen, in denen die Ursachen von Schulschwänzen in desolaten Familienverhältnissen zu suchen sind und den Eltern nicht geholfen werden kann, ist eine Hilfeform außerhalb dieser Familie für ein Kind der zweckmäßigste Weg. Zur Illustration nur ein Beispiel aus jüngster Zeit.

In der dem Antrag auf Erziehungshilfe nach § 34 KJHG beiliegenden Stellungnahme der Schule hieß es:„… Dieters Mitarbeit im Unterricht hielt vormittags oft nicht lange an. Bei entsprechenden Themen konnte er durchaus interessiert und qualifiziert mitarbeiten. Seine Fehlzeiten im Unterricht häuften sich. Als sein Vater erkrankte und lange Zeit nicht mehr im Hause war, fehlte ihm eine häusliche Autorität. Er kam nicht mehr regelmäßig zum Unterricht. Zwangsmaßnahmen hatten keinen anhaltenden Erfolg. Durch sein häufiges Fehlen und anderweitige Interessen konnte Dieter in weiten Teilen mit dem Lernfortschritt der Klasse nicht mehr mithalten… Dieter kann aufgrund seiner Leistungsverweigerungen nicht in die Klasse 7 übernommen werden…“

Dieter kam in die siebente Klasse der öffentlichen Hauptschule, die die Heimkinder besuchen. Die Wiederholung half ihm, sich leistungsmäßig zu stabilisieren und versetzt zu werden. Er wird im kommenden Schuljahr den Hauptschulabschluss ohne Probleme erreichen. In der Schule hatte er keinen Tag mehr gefehlt. Nicht einmal krank ist er gewesen Jedes Kind im Heim hat seine eigene Geschichte mit einem jeweils anderen familiären Hintergrund. Das in der Herkunftsfamilie erfahrene Leid aber offenbart sich bei allen Kindern in der Schule. Dort werden sie auffällig, wenn sie nicht mehr lernen können, nicht mehr lernen wollen oder gar dem Unterricht ganz oder teilweise fern bleiben. Dürfen diese Mädchen und Jungen das die Störungen verursachende soziale Milieu verlassen und gehen zum Beispiel in ein Heim, dann wird, gleichsam von heute auf morgen deutlich, dass die Schulverweigerungshaltungen nur „aufgesetzt“ waren. Es lassen sich folgende Gemeinsamkeiten, bezogen auf das Schulbesuchsverhalten und das schulische Arbeiten von schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen in einem Heim und bezogen auf einen Zeitraum von 35 Jahren festhalten:

 

 

1.         Ganz gleich aus welchen Gründen die betreffenden Kinder und Jugendlichen sich geweigert hatten, eine Schule zu besuchen, so fügten sich die meisten sofort und einige nach wenigen Versuchen ausnahmslos, in die im Heim gelebten Norm: Jeden Morgen gehen alle Kinder zur Schule.

2.         Kein Kind musste mit irgendwelchen pädagogischen Mitteln (Drohungen, Strafen, Belohnungen) gezwungen werden, zur Schule zu gehen. Es gab aber auch keine Diskussion darüber. Im Gegenteil: die Routine half den meisten Kindern, sich nicht schon am frühen Morgen der Schule zu verweigern.

3.         Unter den 268 ehemaligen Heimbewohnern gab es auch 37, die erst nach Vollendung des 14. Lebensjahres in das Heim eintraten. Diese Jugendlichen befanden sich dann bereits im achten oder gar neunten Schuljahr. Obwohl gerade in diesen Altersgruppen die massivste Schulverweigerung anzutreffen ist und ausnahmslos zu den Aufnahmegründen gehörte, besuchten diese Jugendlichen wie alle anderen und wie selbstverständlich den Unterricht vom ersten Aufenthaltstage an bis zum Ausscheiden aus der Einrichtung.

4.         Der Schulbesuch einerseits und das Verhalten in der Schule oder das Arbeiten für die Schule andererseits waren allerdings nicht identisch. In der Schule kam es nicht selten zu Leistungsverweigerungen und anderen Konflikten. Die brachten den betroffenen Kindern, auch wenn sie eine Schule für Erziehungshilfe besuchten, Schulstrafen ein, die bis zu kurzfristigen Schulausschlüssen führen konnten. Die betreffenden Kinder waren dann allein im Hause. Sie erhielten zwar eine schulische Einzelbetreuung durch ihre ErzieherInnen, wofür die Lehrer Aufgaben zur Verfügung stellten. In den Ausgang durften sie am Nachmittag aber nicht. Es gehört zur Norm in dieser Einrichtung, die von Allen strikt beachtet wird, dass die, die nicht zur Schule gehen, auch das – allerdings sehr weitläufige - Heimgelände nicht verlassen. Darum bemühten sich diese Jugendlichen sehr um das Wohlwollen von Erziehern und Lehrern, um bald wieder zur Schule gehen zu können, da dort die anderen Gefährtinnen und Gefährten waren und es allerlei Kurzweil gab und nicht so langweilig und öde ist, wie am Vormittag allein im Heim.

5.         Es kam vor, dass Kinder „abhauten“. Sie taten das dann gern im Zusammenhang mit dem Schulweg. Sie stiegen also in den Schulbus ein, gingen aber an den Schulen, von denen auch einige in der nahe gelegenen Kreisstadt sind, vorbei. Die Motive dieser Kinder aber waren weder in der Schule noch im Heim zu suchen, sondern wurzelten ausschließlich in ihrer Sorge, von den Angehörigen vergessen worden zu sein oder gar verlassen zu werden. Ab und zu beendeten die Personensorgeberechtigten dann die Jugendhilfemaßnahme und nahmen die Kinder wieder bei sich auf.

6.         Alle Mädchen und Jungen, die von den Personensorgeberechtigten nicht vorher wieder in die Familien aufgenommen wurden [10] , erreichten während ihres Heimaufenthalts wenigstens einen Hauptschulabschluss. Das waren von den 268 Kindern 173. Oder anders gesagt: Wenn zum Ziel der Hilfen gehörte, dass ein Kind vom Heim aus einen Schulabschluss erreichen sollte, dann wurde dieses Ziel auch erreicht, wenn die Angehörigen die Maßnahme nicht von sich aus aufkündigten. Bei denen, die nach ihrem Schulende vom Heim aus noch eine Lehre absolvierten oder gar eine weiterführende Schule besuchen wollten, beobachteten wir ausnahmslos eine Veränderung hin zu mehr Selbständigkeit bei der Regelung ihrer schulischen Angelegenheiten und eine deutlich veränderten Motivation für die schulischen Anforderungen. Und das auch bei jenen, bei denen Schulschwänzen die Hilfe begründeten und/oder der tägliche Verdruss in der Hausaufgabenstunde am Nachmittag im Heim besonders groß war..

7.         Es geht hier, das muss ausdrücklich betont werden, um den regelmäßigen Schulbesuch auch jener Kinder, die daheim die Schule verweigerten und auf unterschiedliche Weise den schulischen Anforderungen Widerstand entgegensetzten. Mit dem Eintritt in ein Heim änderte sich in Bezug auf die Haltung schulischen Ansprüchen gegenüber jedoch nichts. Im Heim wird darauf geachtet, dass die Kinder zur Schule gehen, die Arbeiten für die Schule erledigt werden, dass ihr schulische Werkzeug stets in Ordnung und vollständig ist, dass diejenigen eine Förderung erhalten, die sie brauchen und dass mit den LehrerInnen kooperiert wird [11]

.Alles dies kann ohne Übertreibung als die den Alltag dominierende Herausforderung für die Kinder und ihre Erzieherinnen und Erzieher betrachtet werden. Freude am Lernen, so wie Manfred Spitzer sie unter dem Schlagwort „Schule soll Spaß machen“ [12] einfordert, wurde dadurch nicht erreicht. Das Heim übernimmt in Bezug auf schulisches Lernen jene Leistungen, die in unserer Gesellschaft von Eltern erwartet werden. Weder Heimerzieher noch Eltern aber haben auf die pädagogischen Konzeptionen eines Lehrers oder einer Schule Einfluss.

8.         Für die schulpflichtigen Kinder (nicht nur) in dieser Einrichtung und ihre Erzieherinnen und Erzieher wäre das Leben erleichtert worden, wenn sich bereits in allen Schulen und bei allen Lehrern jene Veränderungen gezeigt hätten, die sowohl die Schulforschung im Allgemeinen als auch die Schulverweigerungsforschung im Besonderen als zeitgemäß und dringend notwendig anmahnen [13]

Gemeint sind hier weniger die unterschiedlichen Vermittlungsstrategien im Unterricht als vielmehr die Art und Weise der zwischenmenschlichen Umgangsweisen im Raum der Schule. Das gilt in ganz besonderer Weise für die pädagogische Arbeit der Schule für Erziehungshilfe, deren Erziehungspraxis, sich trotz der bedeutend geringeren Schülerzahlen und sozialpädagogisch orientierter Leistungsbeschreibungen, von der in anderen Schularten nicht überall unterscheidet. Als unsere diesjährigen Schulabgänger danach gefragt wurden, was sie am meisten in der Schule vermisst haben, erklärten sie, dass sie gern als „vollwertige Menschen“ behandelt worden wären. Würde dies, von Seiten der Lehrer vorbehaltlos, geschehen, hätten es alle Betroffenen, Schüler, Eltern bzw. Erzieher und Lehrer leichter.

Eine provozierende Bemerkung zum Schluss:Im Ergebnis dieser hier angedeuteten Beobachtungen, ließe sich an die Adresse jener gerichtet, die sich den Kopf darüber zerbrechen, wie man Schülern das Schwänzen wieder abgewöhnen könnte
- in Karlsruhe zum Beispiel soll sich die Polizei darum kümmern, in Bremen wollte man den Eltern das Kindergeld kürzen, in Berlin werden Geldstrafen verhängt und im Land Brandenburg denkt ein Innenminister darüber nach, Schulschwänzern elektronische „Fußfesseln“ zu verpassen, -
vereinfacht antworten:
wenn sich Eltern verweigern oder aber selbst als hilflos erleben, schafft Alternativen! Nicht die Kinder oder Jugendlichen müssen verändert werden, sondern die Milieus.

 

 

[1] Warzecha, Birgit: Schulschwänzen und Schulverweigerung. Eine Herausforderung an das Bildungssystem. Münster 2001
[2] Eine Fülle an empirischen Studien, die die Erfolge dieser Jugendhilfeform belegen, angefangen bei der kritischen Analyse von Liselotte Pongratz und Hans-Otto Hübner: Lebensbewährung nach öffentlicher Erziehung. Darmstadt 1959 bis in die Gegenwart werden von Wolfgang Trede in seinem Beitrag „Heimerziehung nach zehn Jahren KJHG – eine Standortbestimmung“ genannt. In: In: Hast, Jürgen u. a.: Heimerziehung im Blick. Perspektiven des Arbeitsfeldes Stationärer Erziehungshilfen. Frankfurt a. M. 2003, S. 65-86
[3] Vgl. hierzu die Situationsanalyse von Ulrich Bürger: Stellenwert der Heimerziehung im Kontext erzieherischer Hilfen – Entwicklungslinien und Standort erzieherischer Hilfen nach § 34 KJHG. In: Hast, Jürgen u. a. : Heimerziehung im Blick. Perspektiven des Arbeitsfeldes Stationärer Erziehungshilfen. Frankfurt a. M. 2003, S. 17-42
[4]   Thimm ist, folgt man seinen entsprechenden Veröffentlichungen seit 1994, gleichsam Experte für diesen Gegenstandsbereich. Hier beziehe ich mich auf sein Buch: Schulverweigerung. Zur Begründung eines neuen Verhältnisses von Sozialpädagogik und Schule. Münster 2000
[5] Wenn auch nachgewiesen ist, dass es vor allem der Unterricht an den weiterführenden Schulen ist, der Schulverdrossenheit und Schulversagen fördert, so dürfen die außerschulischen sozialen Milieus nicht unterschätzt werden. Vor allem der Familie kommt schon immer eine zentrale Bedeutung zu, wenn es um erfolg oder Versagen eines Kindes geht. Vgl. hierzu z. B. die Rolf Kühn: Bedingungen für den Schulerfolg. Göttingen 1983
[6] Vgl. z. B.: JULE: Leistungen und Grenzen von Heimerziehung. Eine Evaluationsstudie stationärerer und teilstationärer Erziehungshilfen. Bonn 1998. Goldammer Martina: Die Situation ehemaliger Heimkinder. Unveröffentl. Diplomarbeit. PH Freiburg 1986
[7] Blandow, Jürgen: Heimerziehung heute: eine Zerreißprobe zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und pädagogischem Auftrag. In: In: Hast, Jürgen u. a. : Heimerziehung im Blick. Perspektiven des Arbeitsfeldes Stationärer Erziehungshilfen. Frankfurt a. M. 2003, S. 61 f.
[8] Vgl. dazu: Rumpf, Joachim: Warum kommen Kinder in ein Erziehungsheim? Unveröffentl. Diplomarbeit PH Freiburg 1976
[9] Diese Erkenntnis fußt auf der Analyse aller entsprechenden Unterlagen in einem Heim, die ich durchführte.
[10] Da gab es im Hilfeplan vorgesehene Befristungen, die einen Heimaufenthalt bis zum Ende der Schulzeit nicht vorsahen, und es gab gleichsam willkürliche Abbrüche, wenn Eltern einseitig die Hilfemaßnahme beendeten. Im Gegensatz zu einem alten Klischee, haben Familien eine sehr starke Position und sind Herren ihrer Entscheidungen. Kinder von Eltern, denen ein Gericht das Sorgerecht entzog, sind immer seltener in den Heimen anzutreffen.
[11] Über die Praxis dieser Kooperation vgl.: Rumpf, Joachim: Die Kooperation zwischen Heim und Schule. Dachsberg 1989
[12] Vgl. dazu das Buch: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg 2002, S. 421
[13]   Zu denken ist hier u. a. an die Veröffentlichungen von Peter Struck: Neue Lehrer braucht das Land. Darmstadt 1994 und: Die Schule der Zukunft. Darmstadt 1996

vgl. zu dieser Seite auch den Aufsatz "Es geht auch ohne schwänzen"

Dezember 2003
Aktualisiert November 2006

 

 

Diesen Bericht hatte ich einer Jugendhilfezeitschrift zur Veröffentlichung angeboten. Er wurde mit folgendem Brief abgelehnt:

Von: Josef Koch [Josef.Koch@igfh.de]
Gesendet: Montag, 22. Dezember 2003 14:34
An: j.rumpf@gmx.de
Betreff: beitrag ForE

Lieber Herr Dr. Rumpf,
es steht von meiner Seite noch eine Rückmeldung bezüglich Ihres Beitrages aus. Der Beitrag war in der Redaktion durchaus umstritten.
Angemerkt wurde, dass er ein bisschen als reine Werbemaßnahme für die Heimerziehung angesehen werden kann. Er widerspricht sich auch, wenn er von Schülern berichtet, die wegen nicht in der Schule liegenden Gründen dann aus dem Schulbus nicht in die Schule gehen (um die geht es ihm doch schließlich). Als Diskussionsbeitrag ist er aber - meines Erachtens - interessant und akzeptabel für das Forum E., wenn in der Vehemenz der Wunderheilung durch Heimerziehung etwas entschärft würde, so der Tenor der Beratungen. Am besten unterhalten wir uns nochmal im Januar darüber und Sie melden sich kurz bei mir bzw. ich bei Ihnen.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und einen ruhigen Jahreswechsel
Ihr
Josef Koch

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Internationale Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH) -
Sektion Deutschland der Fédération Internationale des Communautés Educatives (FICE) e.V.
Der Geschäftsführer
Schaumainkai 101-103, D-60596 Frankfurt/Main
Telefon +49-(0)69-633 986-0, Fax: -25,
E-Mail: josef.koch@igfh.de,
Internet: www.igfh.de; www.integra-igfh.de

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Anmerkung:
Es kam zu keiner weiteren Kommunikation zwischen uns. Auf einen im November 2005 eingesendeten Aufsatz erfolgte nicht einmal mehr eine Rückmeldung.

Joachim Rumpf
24.10.2007

 

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