Das
Bedürfnis
nach Sinn |
Für
uns Erwachsene ist die Frage nach dem Sinn unseres Lebens von
existentieller Bedeutung, denn die Suche nach Sinn ist eine "nach
Ordnungen, Strukturen, Ganzheiten... nach Verstehen/Begreifen und
Gestalten/Eingreifen" (Elisabeth Luksa: Der Schlüssel zu einem sinnvollen Leben. München 2011, S. 31),
Unsere Kleinen hingegen wachsen zunächst noch heran, ohne über
sich nachzudenken. Unsere Kinder sind im Kreise von Eltern und Geschwistern geborgen
und wenn sie auf die Frage nach dem Sinn ihres Daseins antworten könnten,
dann würden sie vermutlich sagen: "Mein Leben hat den Sinn, dass ich
da bin". Tatsächlich fließt unseren Kindern, vor allem zunächst
im Kleinkindalter, der Lebenssinn durch uns Erwachsene zu: Wenn wir uns darüber
freuen können, dass dieses Menschlein auf der Welt ist und wächst und
gedeiht, darüber, dass es lächelt, laufen lernt und zu sprechen beginnt,
dann teilt sich dem Kind diese Freude mit. Auf diese Weise lernt das Kind, sich
seines Daseins zu freuen, sich positiv zu erleben. Diese Grunderfahrung ist die
Voraussetzung dafür, dass unser Kind, je älter es wird umso mehr, ein
gutes Bild von sich selbst aufbauen und einen Sinn in seiner Existenz sehen kann.
Auch
ein Kind, das durch Krankheit und Behinderung früh gezeichnet ist, lernt,
sein Dasein anzunehmen, in erster Linie durch die positive, fürsorgende Zuwendung,
die Freude an seiner Existenz, die die Eltern dem Kind zeigen. Es sind gerade
die belastenden, die seelischen Kräfte von Eltern und Kindern besonders herausfordernden
Lebenssituationen, aus denen allen Beteiligten Lebenssinn zuwächst. Der Wiener
Arzt und Psychotherapeut Viktor Frankl, der die Bedeutung der Sinnfrage im menschlichen
Leben in den Vordergrund seiner Arbeit stellte, sagt unter anderem, dass jeder
Mensch selbst die Antworten auf die Fragen nach dem Sinn seines Lebens finden
kann. Er findet sie mit Hilfe seines Gewissens, das ihm sagt, auf welche Weise
er auf die Lebenssituation, in der er sich befindet, antwortet, sie verantwortet. Mit
dieser Erkenntnis wird uns die Bedeutung des Gewissens vor Augen geführt,
das uns in allen kleinen und großen Entscheidungen unseres Lebens berät.
Also ist die Frage nach dem Sinn eng mit der Herausbildung eines Gewissens verknüpft.
Unser Gewissen entwickelt sich gleichsam im Dialog mit unseren Eltern und den
anderen Menschen und in den Situationen, die wir erleben. Hier ist zum Beispiel
anzuknüpfen an das Bedürfnis des Kindes nach "klärenden Antworten"
wie sie oben erwähnt wurden. Diese Antworten durch uns Eltern, durch Erzieherinnen
/ Erzieher und Lehrerinnen / Lehrer sind es, die maßgeblich das Gewissen
formen. Aber auch die Erfahrungen von Sicherheit, Liebe, Anerkennung, Vertrauen,
Geduld, Förderung oder Frieden beeinflussen unsere Maßstäbe und
damit unser Gewissen. Jeder
von uns hat vielfach im eigenen Leben erfahren,
dass eigene Leistungen und der Verzicht unsere Gewissensbildung beeinflussen.
Denken wir zum Beispiel an die "Erziehung zur Sauberkeit": Unser Kind
lernt durch unsere Ermunterung und Freude, seine Ausscheidungen "herzugeben"
und zugleich seine Darm- und Blasenfunktionen zu "beherrschen". In ähnlicher
Weise werden wir von ihm später Verzicht und Leistung erwarten, wenn es darum
geht, eine Tätigkeit zu unterbrechen und zum Essen zu kommen oder uns hier
und dort ein wenig zur Hand zu gehen oder, was wohl sehr häufig geschehen
wird, seine spontanen Wünsche, die wir ihm nicht erfüllen ("Mutti
ich will ...," "Mutti, kauf mir..."), zu verarbeiten. In dem Ausmaß,
in dem es uns im Großen und Ganzen gelingt, aus Leistung und Verzicht gleichsam
einen seelischen Erfolg werden zu lassen, helfen wir am Aufbau eines Gewissens
und damit zum Fundament späterer Sinnerfüllung. Denn nach solchen Situationen
hat ein Kind in seinem Innern ein gutes Gefühl, weil es seine eigene Trägheit
oder seine momentane Begehrlichkeit überwand. Voraussetzung unserer Bemühungen
freilich ist, und dies gilt gerade im Zusammenhang mit der Erziehung zu Sinn und
Wert eines Lebens, dass Eltern selbst Sinn und Werte vorleben.
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Und
noch ein Beispiel: Sinnerfüllung findet der Mensch in der Hingabe an eine
Aufgabe. In Bezug auf Kinder sagen wir gerne, dass sie selbstvergessen spielen.
Unseren Kindern diese Erfahrung zu ermöglichen, dass sie sich einem Spiel
beziehungsweise einer Tätigkeit voll "hingeben" können, lehrt
sie, dass aus dieser Hingabe Sinn wächst. In den späteren Jahren, im
Jugend- und Erwachsenenalter, empfinden wir den Mangel oder das völlige Fehlen
einer Aufgabe (wir sagen dann: "für die es sich zu leben lohnt")
als existentielle Frustration. Frustration aber kann in Abhängigkeit, in
Aggression und zu seelischer Erkrankung führen. In diesen Zusammenhang
gehören auch die humanistischen Prinzipien der "Selbstverwirklichung"
und "Autonomie", wie sie u. a. Abraham Maslow in seinem Modell von der
"Bedürfnishierarchie" beschreibt. Bereits Johann Heinrich Pestalozzi
sah die Aufgabe eines jeden Menschen im Leben darin, "Werk seiner selbst"
zu werden. Und wenn es in unserer Zeit Menschen gab, die die Stirn runzelten,
wenn sie von dieser sinnstiftenden Aufgabe hörten, die wir seit Pestalozzi,
Frankl und Maslow als "Selbstverwirklichung" kennen, dann zeigt sich
hier lediglich ein Missverständnis. Ein Leben, dass überwiegend vom
Streben nach Berufserfolg, materiellen Reichtum, Lustgewinn oder Kick so oft wie
möglich und koste es was es wolle (bzw. auf wessen Kosten auch immer) bestimmt
wird, ist also mit "Selbstverwirklichung" nicht gemeint! Unser Gewissen
sagt uns stattdessen, dass wir uns in dem Ausmaß (als Menschen) verwirklichen,
in dem wir uns "selbstvergessen" einer Aufgabe, einer Pflicht widmen,
die von uns den vollen Einsatz unserer Persönlichkeit fordert. In dem
Maße, in dem jeder von uns seinen Sinn findet und lebt, verwirklicht er
sich selbst. Unverzichtbar aber bleibt - gerade in diesem hier nur angedeuteten
existentiell ebenso bedeutsamen wie sensiblen Bereich - das gute Vorbild aller,
die für einen Heranwachsenden Bedeutung haben. "Vorbild ist die beste
Erziehung" sagt Heinrich Pestalozzi.
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Der
Sinn meines Lebens fließt mir aber nicht allein aus meiner unmittelbaren
sozialen Umwelt zu, er ist auch nicht ausschließlich aus dem Bekenntnis
zu höheren (geistigen, religiösen, weltanschaulichen) Welten ableitbar
sondern auch, ihn begründend oder ergänzend, ein Ergebnis meiner eigenen
Vorstellungen über die Ziele und Zwecke meiner Existenz. Vor allem in unseren
pubertären Phasen werden uns Antworten auf Fragen nach dem Sinn unseres Lebens
wichtig. Und gerade in dieser Periode unserer Entwicklung genügen einem jungen
Menschen häufig nicht die Sinnangebote der Erwachsenenwelt. Es verknüpfen
sich die Sinnfragen mit denen nach Lebenszielen und -Perspektiven. Und wer immer
in dieser Zeit seine Antworten im Dialog mit sozialen Umwelten sucht, wird, nicht
selten vorgeprägt durch sein Kindheitsschicksal, die Weichen für Erfolg
oder Misserfolg seiner eigenen Zukunft stellen. Wir Eltern und Berufserzieher
tragen während der Kindheit unserer Mädchen und Jungen wesentlich dazu
bei, dass sie auf die Fragen nach dem Sinn ihres Lebens, die sie ganz eigenständig
optimistische, sie selbst herausfordernde Antworten finden. Es verbinden sich
also mit der Sinnfrage oder gar mit dem Verzicht auf die "...Suche nach Sinn"
(so aus einem Buchtitel von Viktor Frankl. Freiburg 1972) zugleich die nach der
Lebensperspektive eines Heranwachsenden. Und wenn es in der Gegenwart immer mehr
junge Menschen gibt, die sich sagen müssen, dass "alles so sinnlos"
sei, dann hat diese verzweifelte Skepsis ihre Wurzeln nicht selten in den wirtschaftlichen
und politischen Rahmenbedingungen, innerhalb derer Familien leben. Wenn zum Beispiel
von 51 Entlassschülerinnen und -Schülern der Berliner Kepler-Oberschule,
in der der Bundespräsident Köhler vor einiger Zeit am Tag des Kindes
auftrat, nur einer eine Lehrstelle erhalten hatte, dann kann nicht mehr von positiven
Perspektiven gesprochen werden. Die Vernichtung von Ausbildungsplätzen und
einer Zukunft mit Arbeit bedeutet die Liquidierung von Zielen, für die sich
Engagement und Verzicht eines Heranwachsenden lohnen. Und weil eine sinnhafte
Existenz auf die Ziele aufbaut, die sich ein Mensch gibt beziehungsweise, die
er anstrebt, weil er sie für sich als lohnenswert und erreichbar betrachtet,
nimmt ihm jeder die Möglichkeit einer sinnvollen Existenz, der ihm Perspektiven
nimmt. Wenn eine zunehmende Verwahrlosung der Jugend beklagt wird, dann hat sie
auch (und vielleicht vor allem) ihre Ursache, dass sowohl vielen Eltern und auch
ihren Kindern ihre Zukunftschancen genommen werden, weil Arbeitsplätze wegrationalisiert
und keine neuen geschaffen wurden. Eltern
und Berufserzieher werden sich die Frage stellen, was sie - über das eigene
Vorbild hinaus - dafür tun können, dass bei ihren Kindern die mit einer
Sinnerfüllten Existenz verbundene seelische Gesundheit ihre Kinder ermöglicht
wird. Ich sehe diesen Weg nicht als gar zu schwierig an. Gewiss wäre es müßig,
über die Sinnfrage mit Kindern vor den pubertären Phasen diskutieren
zu wollen. Statt dessen vertrauen wir auf das jedem Menschen innewohnende Bestreben,
seine in ihm vorhandenen Möglichkeiten (Begabungen, Neigungen, Charaktereigenschaften
u. ä.) zur Entfaltung zu bringen, sein Leben selbst zu verantworten und weitgehend
unabhängig zu sein - also mehr oder weniger bewusst und gezielt sein "Selbst"
verwirklichen zu wollen. Diese, nach Carl Rogers, von Natur aus vorhandenen guten
Strebungen, bedürfen im Alltag Zielvorgaben.
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Der
zweijährige Fabian, der von seiner Mutter in eine Kleinkindergruppe gebracht
wurde und dort auf andere Kinder traf, "vergaß" nach kurzer Zeit
die Mama. Die anderen Kinder waren ihm wichtig und selbstvergessen nahm er die
vielen Gelegenheiten zu sozialen Kontakten im gemeinsamen Spiel wahr. Das Streben,
sich als Teil einer Gemeinschaft zu erleben, die nicht die eigene Familie ist,
dort angenommen und wahrgenommen zu werden, zieht alle Kinder - genau wie Fabian
- zu anderen Kindern. Diese sozialen Kontakte vermittelten schon sehr früh
bewusste Ziele. Wenn ein Kind erlebt, dass ein anderes Kind etwas kann beziehungsweise
tut, was ihm noch fremd ist aber reizvoll erscheint, wird es das ebenfalls tun
wollen. Einen Drachen steigen lassen, ein Modellflugzeug bauen: das Leben eines
Kindes ist überreich an Anregungen, die ihm aus der sozialen Umwelt zuwachsen
und die ihm Ziele vorgeben. Wir Erziehenden greifen lenkend und fördernd
ein und achten darauf, dass nicht das "Haben" das Grundmotiv ist (oder
gar bleibt), sondern das bewusste Streben nach einem Ziel. Nicht also der Besitz
eines Konstruktionsspielzeugs zum Beispiel, wie es ein Modellflugzeug sein kann,
sondern der Bau und die Flugfähigkeit - also das "Tun" steht im
Vordergrund. Um diese Ziele zu erreichen, braucht es nicht wenig Geduld, Geschick,
Lernbereitschaft und Ausdauer. Aber auch Verzicht wird geübt, wenn stattdessen
andere, vielleicht leichtere und bequemere Spielalternativen zurückgestellt
werden müssen. Fabian ist inzwischen drei Jahre alt und beginnt, sich
für Spielzeug zu interessieren, das vergleichbare Anforderungen stellt, wie
das Beispiel vom Modellflugzeug. Die Angehörigen und die Berufserzieher in
der Tagesstätte haben diese Interessen im Auge und stimmen ihre Angebote
darauf ab. So wie bei ihm tun das in einer guten Einrichtung alle Berufspädagogen
in Bezug auf alle Kinder und achten darauf, welche Angebote welche Kompetenzen
zu fördern vermögen und den betreffenden Kindern Erfolgserlebnisse vermitteln.
Diese Schritte: Angebot / Anregung - Ziel (das will ich können / erreichen)
- Durchführung (Leistung) - und Erfolg (Produkt) erleben ein Kind und seine
Eltern und Erzieher als Freude (Stolz). Nehmen wir die Erkenntnis von der Bedeutung
einer Sinnhaften Existenz in den Blick, dann wissen wir jetzt, dass diese scheinbar
winzig kleinen Schritte einen Heranwachsenden zu ermöglichen, seinem Leben
Ziele und damit Sinn zu geben. Was
aus einer derartigen Entwicklung erwächst, kann jeder an sich selbst nachprüfen.
Hier zwei weitere Beispiele aus späteren Entwicklungsphasen. Im
Tagebuch eines fünfzehnjährigen Gymnasiasten finden sich die folgenden
Zeilen: "Papa
fragte mich heute, was ich einmal werden wolle. Ich sagte ihm, das weiß
ich noch nicht. Im Grunde, liebes Tagebuch, weiß ich das ja schon lange.
Ich träume davon, später einmal Schriftsteller zu werden." und
drei Jahre später schreibt der junge Mann: "Ganz gleich, was ich tue
und lernen werde. Ich möchte alle Höhen und Tiefen des menschlichen
Lebens erleben. und später einmal alles schriftstellerisch verarbeiten...". Im
Bewerbungsschreiben eines Zwanzigjährigen an eine Textilfirma in Südwestdeutschland
steht unter anderem: "... ich möchte gern eine Aufgabe haben, die
mich ganz erfüllt und für die es sich lohnt, alle meine Kräfte
einzusetzen"
Beide
erhielten ihre Chance und beide nutzten sie und erreichten ihre Ziele - auch wenn
es Jahrzehnte dauerte. Was immer in diesen Lebenswegen geschah, stets floss beiden
Sinn aus den jeweiligen Ereignissen zu, weil die Ziele nicht aus den Augen verloren
gingen. "Sinn
statt Sucht" plakatierte eine Initiative zur Suchtprophylaxe in Baden-Württemberg.
Ganz abgesehen davon, dass mit der Hereinnahme dieser Aussage und der hinter ihr
stehenden Aufgaben, die Gemeinsamkeiten der Anliegen von Suchtprohylaxe einerseits
und Gewaltprophylaxe andererseits unterstrichen werden, wird auf eine gemeinsame
Ursache von Sucht und Gewalt gewiesen: Die vergebliche Suche der betroffenen Jugendlichen
nach Sinn. Ohne Sinn kann der Mensch nicht leben" sagt Viktor Frankl und
beschreibt "Wege zum Sinn". Bereits Antoine de-Saint Exupery hat hierin
die Bestimmung des Menschen gesehen und mit seinem eigenen Leben vorbildhaft verwirklicht.
Sein Gebot "Dem Leben einen Sinn geben" steht als bewusster oder unbewusster
Auftrag vor jedem Einzelnen und macht, sobald er seinen Lebenssinn gefunden hat,
einen guten Teil seiner seelischen Gesundheit aus. Unsere gewalttätigen jungen
Menschen aber demonstrieren die Sinnlosigkeit ihrer eigenen Existenz. Das schlimmste
ist, so sieht es Ralf Dahrendorf, dass die "Unterklasse und die Dauerarbeitslosen
keinen Einsatz im Spiel der Gesellschaft haben. Das Spiel findet ohne sie statt.
In einem durchaus ernsten Sinn gilt die moralisch unerträgliche Feststellung,
dass die Gesellschaft sie nicht braucht" (Der moderne soziale Konflikt. Stuttgart
1992, S. 239). Wenn zu der sozialen und wirtschaftlichen Benachteiligung bei Jugendlichen
noch die Langeweile hinzutritt, dann kommt es rasch zu Gruppenbildungen derartiger
"Außenseiter" und gewalttätiger Randale. Zu den vorbeugenden
Leistungen für die hier gemeinten Jugendlichen, wie junge Ausländer
oder Mädchen und Jungen ohne Schulabschlüsse, gehören Ausbildungsmöglichkeiten
und Arbeitsplätze, nicht selten Unterkünfte außerhalb ihrer Familien
und andere Hilfen. Doch ist dies nur die eine Seite, die materielle, die hier
angesprochen wurde. Zu den Wegen zu einem Sinnerfüllten Leben gehören
"sinnvolle" Freizeitaktivitäten. Ein vielseitiges Angebot,
am besten im Sinne der Ermöglichung eigenständiger und ständig
neuer Gestaltungsräume, die sich nicht beschränken dürfen auf eine
Erweiterung kommerzieller Angebote, ist zweckmäßig. Und die kann nicht
eine Gemeinde allein, ein Jugendhaus, ein Verein für sich schaffen. Hier
gehören alle an einen Tisch. Vor allem die jungen Menschen selbst. Wobei
wir uns dessen bewusst sein sollten, dass das, was wir heute gemeinsam mit jungen
Menschen einrichten oder von ihnen eingerichtet wird, morgen - wenn eine neue
Generation herangewachsen ist - so nicht übernommen wird. Ein junger Mensch
muss und will selbst gestalten und sieht keinen Reiz darin, sich in ein gemachtes
Bett zu legen. Wer Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben begleitet,
sollte ihnen Herausforderungen anbieten, Aufgaben stellen aber auch eigenen Interessen
Raum geben, die ihren Möglichkeiten entsprechen und für sie "reizvoll"
sind. Nicht selten treten sie hierbei in die Fußstapfen der Eltern. Wenn
Mutter oder Vater musizieren, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass
auch ein Kind Freude daran hat, ein Instrument spielen zu lernen. Es sind - auch
dieses Beispiel deutet es an - die Eltern als Vorbilder, die die Wege zu einem
sinnerfüllten Leben ebnen können. "Den
Sinn des Lebens anzunehmen, als den konkreten Inhalt dieses konkreten einmaligen
Lebens, macht aus, mit meinem Eigentlichen identisch zu sein". (Monika
Maron: Flugasche. Frankfurt a. M. 1981, S. 99)
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