Fangen
wir bei uns selber an: Wir wünschen uns bei allen Gelegenheiten "frohe
Festtage, Gesundheit und Freude". Sich auf etwas freuen dürfen und freuen
können gilt seit langem als ein Gefühl, das dazu beiträgt, das
Leben lebenswert zu machen. Friedrich Schiller widmete dieser - nur dem Menschen
eigentümlichen Grundstimmung - ein Gedicht, das Ludwig van Beethoven vertonte
und an den Schluss seiner Neunten Symphonie setzte. Die "Ode an die Freude"
ist zu einer Welthymne geworden. Auch die christliche Botschaft, und hier besonders
das Weihnachtsevangelium stellt die Freude in das Zentrum. Während wir Erwachsenen
uns aus gutem Grund "Freude" wünschen, weil wir oft verlernt haben,
uns zu freuen, freuen sich Kinder gleichsam von Natur aus. Hier ist uns Menschen
die Bereitschaft zu einer Stimmung angeboren, die wir nicht erst lernen müssen.
Alle Kinder, denen kein Leid angetan wird und deren Bedürfnisse eine hinreichende
Befriedigung erfahren, freuen sich bei vielen Gelegenheiten. Frohsinn und Lebensfreude
bringen sie ebenso unmittelbar mit ihrem ganzen Körper zum Ausdruck, wie
sie ihrem Kummer in elementarer Weise so zum Ausdruck bringen, als stürze
die ganze Welt zusammen. Freude und Leid liegen noch ganz dicht beieinander. Und
wir Eltern und Erzieher möchten unseren Kindern recht viel Freude bereiten.
"Mein
Kind macht mir viel Freude" sagen wir dann gern und bringen damit zugleich
zum Ausdruck, dass auch unser Kind viel Freude hat. Denn wer Freude schenkt, dem
wird Freude gegeben. Oder, wie es im Volksmund heißt: "Wie es in den
Wald hinein schallt, so ruft es wieder raus."
Freude
schenken ist bei Kindern nicht schwer. Gerade weil sie sich noch über alles
freuen können, brauchen wir nicht, wie bei Erwachsenen, lange zu überlegen.
"womit könnte ich ihr/ihm nur eine Freude machen?" Zugleich aber
könnte diese Frage Maßstab dessen sein, was wir "Verwöhnen"
nennen. Kinder die alles bekommen, eigentlich noch bevor sie ein begehrliches
Auge darauf geworfen haben, werden rasch verlernen, sich zu freuen. Ihnen wird
das Leben öde und langweilig. Bereits unsere alten Volksmärchen wussten
davon zu erzählen: Nur wer noch Wünsche hat, kann sich auch auf etwas
freuen.
Doch
brauchen wir gar nicht an Geburtstage oder andere Gelegenheiten zum Schenken zu
denken. Und voller Vorfreude fragen Kinder gern, wenn Eltern nach Hause oder Großeltern
zu Besuch kommen: "Habt ihr mir auch was mitgebracht?" Nicht selten
beginnt dann ein für das Kind spannendes Spiel, wenn es selbst suchen darf,
in welcher Tasche denn ein für es bestimmtes Päckchen drin ist. Und
erst die Freude beim Auspacken! Jede Kleinigkeit ist hoch willkommen. Es geht
einem Kind gar nicht einmal in erster Linie darum, seinen Schätzen an Spielzeugen
oder an Süßigkeiten noch etwas hinzuzufügen. Von zentraler Bedeutung
sind die mit einer Zuwendung verbundenen Botschaften:
Wir haben an dich gedacht.
Du bist uns wichtig. Wir haben dich lieb!
Die Freude eines Kindes wächst
auch aus bestaunenswerten Begegnungen und Entdeckungen im Alltag. "Schau
mal!" ruft der zweijährige Karl beim Spaziergang und strahlt vor Aufregung
und Vergnügen und zeigt uns einen Käfer, der gerade über den Weg
eilt. Und so entdecken unsere Kinder die Welt, sind freudig erregt und können
sich vor Freude gar nicht lassen, wenn sie etwas sehen, was ihnen neu ist und/oder
gefällt. Nehmen in derartigen Situationen die Eltern keinen Anteil an dieser
spontanen Freude (weil sie schlechte Laune haben, weil sie nichts dabei finden,
weil sie vermeintlich Wichtigeres zu tun u .a. m. haben), dann wird das Kind verstummen.
Es braucht das Echo unserer Teilnahme an allem was es tut und besonders an seiner
Freude!
Mehr als alles, was Geld kostet, schätzt unser Kind die Kontakte
mit den Eltern und anderen Verwandten, die ihm lieb sind. Also schenken wir ihm
unsere Zeit und unternehmen gemeinsam soviel wie möglich. Wir denken zum
Beispiel an einen Besuch im Zoologischen Garten, einen Ausflug an einen See, an
den Spaziergang an einem Bach oder wir denken bei der Planung von Ferien und der
Fahrt zum Urlaubsort an unsere Kinder: so können wir Freude bereiten.