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Schriften zur Erziehung und Bildung im WWW |
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Das Bedürfnis nach Förderung |
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Mit Förderung ist das gemeint, was im alten
Jugendwohlfahrtsgesetz Anspruch auf Erziehung zu seelischer, geistiger und körperlicher
Tüchtigkeit hieß. Eltern bemühen sich nicht selten um die geistige Förderung
ihres Kindes, wenn sie versuchen, es mit Hilfe von
"Nachhilfestunden" zu fördern, um ihm etwas vermitteln zu lassen,
was es einfach nicht begreift. Diese Form der Förderung ist nicht gemeint.
Hier geht es um mehr. Das, was Förderung umfasst, beginnt bereits im
Säuglingsalter, wie wir auf der Seite über das Lernen http://www.rumpfs-paed.de/Werte/Lernbereitschaft.htm bereits erfahren haben. Es lässt sich auch als einen
Weg hin zu „Bildung“ beschreiben,
wie unter noch näher ausgeführt wird. Genau hier liegt das Geheimnis der Freude und des
Interesses an der Leistung. Gerade bei allen Angeboten, die die Kreativität
eines Kindes oder jungen Menschen herausfordern, spielt das eine große Rolle. Wir bieten unserem Kind als einem von Natur aus aktiven
Erkunder die Gelegenheit an, die Welt selbst
zu erkunden und sich im Entdecken, Ausprobieren und dann weiter beim Spiel zu
üben. Dazu braucht es sicher Möglichkeiten, sich zu bewegen, auszutoben, sich
im Freien zu tummeln, aber auch einen Platz in unserer Wohnung, eine Ecke, in
der es ungestört spielen kann. Spielzeug werden wir ihm kaufen oder schenken
lassen, das das Bedürfnis nach aktiver Auseinandersetzung fördert. Dem
achtjährigen Jungen der Familie K. schenkten Verwandte einen Roboter aus
Blech. Doch das einzige, was das Kind mit diesem Roboter zunächst tun konnte
war, ihn aufzuziehen. Dann drehte sich der Roboter um seine eigene Achse.
Höflich bedankte sich der Junge, denn er wusste, was sich gehört. Dann zog er
mit dem neuen Spielzeug ab in sein Zimmer. Als die Eltern und die
Verwandtschaft einige Zeit später nach ihm schauten, konnten sie sich davon
überzeugen, dass es noch eine weitere Variante (außer dem Aufziehen) gab, um
sich aktiv mit dem neuen Spielzeug zu beschäftigen. Mit Hilfe seines
Werkzeugkastens hatte der Junge den Roboter zerlegt und versuchte, das
Uhrwerk mit Elementen eines Technik-Baukastens zu verbinden. Die Eltern
freuten sich über die Kreativität ihres Jungen. Die Verwandten aber zogen
enttäuscht von dannen. In ihren Augen hatte der Junge das Geschenk
"kaputt" gemacht. Am besten ist es, wenn wir unsere Kinder mit Dingen
spielen lassen, die sie in vielfältiger Weise herausfordern. Es gibt zum
Beispiel heute bereits Kindergärten, die tageweise oder ganz auf fertiges
Spielzeug und andere, industriell gefertigte Spielmaterialien verzichten. Die
Kinder langweilen sich keineswegs. Aus "wertlosem Material", wie
Papprollen, Holzstücken oder Stoffresten können phantastische Gebilde
entstehen. Und draußen können Kinder mit Sand, Erde, Steinen und Ästen lange
spielen ohne sich zu langweilen. Kinder sind von Natur aus kreativ und
wissbegierig; man kann auch sagen: sie lernen gern! Wir
Erwachsenen müssen ihnen nur die Gelegenheit dazu geben! Die Fähigkeit, ständig
Neues zu lernen bleibt uns Menschen während unseres ganzen Lebens erhalten Dass
es aber auch anders sein kann und Kinder geradezu daran gehindert werden,
ihre natürlichen Kräfte zu entfalten, zeigt das Schicksal von Heinz. In der
Familie, in der er heranwuchs, bestimmte der Fernseher, gekoppelt mit einem
Video-Gerät, die Freizeiten. Das Gerät wurde morgens angestellt, und weil die
Mutter jede freie Minute vor dem Fernseher hockte, taten die drei Kinder ihr
das nach. Am Nachmittag und an den Wochenenden setzte sich noch der Vater
hinzu, holte die ausgeliehenen Videofilme aus der Tasche und ließ sie
ablaufen. Dabei war es den Erwachsenen gleich, ob die Filme für die noch
nicht schulpflichtigen Kinder geeignet waren oder nicht. Als Heinz
eingeschult werden sollte, wurde gleichsam aktenkundig, was Erzieherinnen bei
seinen sporadischen Kindergartenbesuchen bereits festgestellt hatten: Heinz
war (unter anderem) in seiner Sprachentwicklung erheblich zurückgeblieben. In der Familie von Heinz waren ganz einfache Muster des
Lernens unbeachtet geblieben: Sprechen
lernt ein Kind, wenn es viel spricht und alles benennt oder wenn die Eltern
auf seine Fragen antworten; soziale Verhaltensweisen lernt es, wenn es mit
anderen Kindern spielt; seinen Körper lernt es zu beherrschen, wenn es läuft,
springt und sich vielfältig bewegt. Sehen lernt es, wenn es beobachtet,
Fahrrad fahren, wenn es Fahrrad fährt und nicht vom Zuschauen. Kinder lernen also am ehesten, wenn sie etwas tun. An
allem Tun sollten möglichst viele seiner Sinne beteiligt sein. Zwingen wir
aber ein Kind dazu, passiv zu sein, nimmt es Schaden an Geist und Seele. Es
sind gerade die Forschungsergebnisse von Manfred Spitzer (2002) oder Joachim
Bauer (2005), die uns heute aus neurologischer Sicht nachweisen, auf welche Weise
Kinder gefördert oder auf welche Weise der kindlichen Entwicklung erheblicher
Schaden zugefügt werden kann. Eines Tages wird es gar nicht mehr aktiv sein
wollen. Das angeborene Interesse am eigenen Erkunden wird dem ebenfalls
angeborenen Hang zur Bequemlichkeit Platz machen. Erst wurden die natürlichen
Bedürfnisse eines Kindes übersehen oder missachtet. Bald kommt der Zeitpunkt,
wo es nicht mehr will. Später wird es zum Verweigerer, der jede Anstrengung
scheut und zu nichts "Lust" hat. Es fallen aber
noch andere Faktoren in des Menschen Entwicklung ins Gewicht: Zum Beispiel,
die Gelegenheit, den schier unerschöpflichen Bewegungsdrang der Kinder
ausleben zu können – auch und nicht zuletzt in Freien -, die Art und Weise
der Vermittlung von Wissen, die entsprechenden didaktischen Kenntnisse und
Strategien der Pädagoginnen und Pädagogen oder die Arbeitsatmosphäre. Für die
pädagogische Arbeit, in der die allseitige Förderung der kindlichen
Entwicklung in einem Kindergarten zentrale
Aufgabe ist, zum Beispiel gilt: Je
mehr wir ein Kind bei seinen Leistungsbemühungen ermutigen, umso größer das
Interesse. Je weniger wir seine Bemühungen anerkennen und nur das Ergebnis im
Auge haben, umso größer die Gefahr, dass ein Kind resigniert. "Versuche es
noch einmal! Du schaffst das schon!" sollte ein Kind häufiger hören als:
"Lass die Finger davon, dazu bist Du noch zu klein (zu dumm, zu
ungeschickt)". |
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Bildung“ das ist nicht
zuletzt als Prozess und Ergebnis das“ – hier verstanden als das natürliche
Streben nach Angenommen sein, Anerkennung, Geltung - und „Sollen“ – hier
verstanden als die von einer Gesellschaft
geschaffenen Rahmenbedingungen wie Schulpflicht oder Ausbildungen, sei
es in einer wie Lehre Handwerk oder Hochschulstudien mit ihren Abschlüssen. Genau
hier liegt das Geheimnis der Freude und des Interesses an der Leistung.
Gerade beim schulischen Lernen spielt das eine große Rolle. Dort fallen aber
noch andere Faktoren ins Gewicht: Zum Beispiel die Art und Weise der
Vermittlung von Wissen, die entsprechenden didaktischen Kenntnisse und
Strategien der Lehrpersonen oder die Lernatmosphäre. Je frühzeitiger ein Kind
in Bezug auf schulisches Arbeiten in die eigene Verantwortung gestellt wird,
und je konsequenter und überzeugter die Eltern der Fähigkeit ihres Kindes
vertrauen für seine Angelegenheiten selbst die Verantwortung zu übernehmen,
umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es das Schulziel nicht
erreicht. Eltern
und Erziehern fällt es nicht leicht, sich aus den Angelegenheiten von Kindern
herauszuhalten. Dies gilt ganz besonders dann, wenn es um die Schule geht, in
der, wie wir am eigenen Leibe erfahren haben, so manche Weichen gestellt
werden. Das Gebot der Zurückhaltung meint keineswegs, dass wir uns überhaupt
nicht um die schulischen Belange kümmern sollten. Denn wenn unsere Kinder den
Eindruck erhielten, uns wäre die Schule gleichgültig, dann wäre sie ihnen
auch bald gleichgültig: denken wir nur an die Bedeutung vorbildlichen
Verhaltens. Nein, wir sind sehr interessiert an dem, was die Kinder tun.
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In
der Küche einer Familie waren über der Küchentheke mehrere DIN A 4 Blätter
hintereinander auf die Kacheln geklebt. Darauf war der lange Zug zu sehen,
den der Sohn im Kindergarten gemalt hatte. Frühzeitig erkennen wir also die Leistungen
unserer Kinder an; und zwar vorbehaltlos! Die anderen Kinder und die
Geschwister werden schon genug daran herummäkeln. Selbstvertrauen gewinnt ein
Mensch nur über die Anerkennung durch die Personen, an deren Anerkennung ihm
etwas liegt. Also freuen wir uns über die Leitungsbemühungen unseres Kindes
so, wie wir uns einst über sein erstes gesprochenes Wort freuten. Kinder sind
von Natur aus kreativ und wissbegierig; man kann auch sagen: sie lernen gern!
Sinnvoll
sind Nachhilfeunterricht und andere Fördermaßnahmen für unsere Kinder in
folgenden Situationen: 1
wenn durch längere oder kürzere Schulausfälle, zum Beispiel durch Krankheit
oder wegen Schulschließungen wie wir es zum Beispiel wegen der Corona-Pandomie erleben, Stoff nachzuholen ist, 2
wenn sich nach einem Schulwechsel, zum Beispiel aus Anlass des Umzuges an
einen neuen Wohnort, herausstellt, dass man im Unterrichtsstoff allgemein
oder in bestimmten Fächern an der neuen Schule weiter vorangekommen ist, als
an der alten Schule. So etwas kann vor allem beim Wechsel von einem
Bundesland in ein anderes leicht vorkommen. 3
Bei vorübergehenden Problemen in Bezug auf das Verstehen bestimmter
Lerninhalte. Zu denken ist da zum Beispiel daran, dass einem Kind der Zugang
zu typischen Strukturen eines Wissensbereichs schwer fällt. Es kann
vorkommen, dass ein in sprachlichen Bereichen begabtes Kind - es liest gern
und gut - in mathematischen Verständnisschwierigkeiten hat oder umgekehrt.
Ist in derartigen Fällen durch eine hierfür kompetente schulpädagogische
Instanz wie Beratungslehrer/innen oder eine Bildungsberatungsstelle,
festgestellt worden, dass eine Förderung über einen begrenzten Zeitraum
hinweg hilfreich sein wird, dann hat eine für dieses Kind und auf sein
spezielles Verständnisproblem hin abgestimmte Fördermaßnahme ihren Sinn. Unsinnig
bis unverantwortlich sind alle Bemühungen von Seiten der Eltern, ihrem Kind
mit Hilfe von Nachhilfeunterricht zu schulischen Leistungen zu führen oder
ihr Kind in bestimmten Schulen zu halten, die das Kind von seiner geistigen
Entwicklung und/oder seinen Interessen und/oder seiner Begabung her nicht
oder nur sehr mühsam erbringt. Auch so genannte Hausaufgabenkreise dienen
eigentlich nur jenen Eltern, die sich selbst um die schulischen
Angelegenheiten ihrer Kinder nicht in dem oben vorgetragenen Verständnis
kümmern können oder wollen. Gelegentlich bieten aber außerschulische Förder-
oder Nachhilfeeinrichtungen, meist von privaten Unternehmen betrieben, mehr
als die staatliche Schule. Das gilt besonders in all jenen Institutionen, wo
sowohl die technische Ausstattung als auch die fachliche und persönliche
Kompetenz der Lehrpersonen denen an öffentlichen Schulen überlegen ist. Dann
könnte ein Besuch derartiger Bildungseinrichtungen zu einer ernstzunehmenden
Konkurrenz für das staatliche Schulwesen heranwachsen. Auf das einzelne Kind
gesehen, muss das kein Schaden sein, wenn es dadurch Erfolge erlebt, die es sonst
in der Schule nicht hatte. Es muss aber auf Grund der vorliegenden
Erkenntnisse aus der Leistungsmotivationsforschung davon ausgegangen werden,
dass keine Hilfe sinnvoll und nützlich ist, die nicht zu einem intrinsischen,
also von innen heraus kommenden, Interesse des Kindes am Lernen führt. Eltern
und älteren Kindern geht es möglicher Weise nur darum, das Klassen- oder
Schulziel zu erreichen, ganz egal, ob ein Kind dabei etwas begriffen hat von
dem was es gepaukt hat oder nicht. Eltern und Lehrer bedauern dann
gelegentlich, dass Kinder um der Zensuren willen lernen und eigentlich wenig
an den Unterrichtsinhalten interessiert sind. Sie lernen zwar ein Gedicht -
doch die Botschaft der Verse erreicht sie nicht. Was diese Kinder zum
Auswendiglernen motiviert, ist die Zeugnisnote bis hin zum Notendurchschnitt
im Abschlusszeugnis. Das heißt also: nicht für das Leben, sondern für die
Noten wird gelernt. Günstigenfalls werden nur die Unterrichtsinhalte
behalten, die in Neigungsfächern vermittelt werden. Dass das so ist, können
wir unseren Kindern nicht anlasten. Sowohl unser Schulsystem als auch unser
Berechtigungswesen wie die Zugänge zu Ausbildung und Studium nötigen uns und
unsere Kinder zu einem derartigen Verhalten. Ein
nicht zu vernachlässigendes Element unserer Förderungsbemühungen sind die
sozialen Fähigkeiten unserer Kinder. Auch hier bleibt die alltägliche Praxis
die optimalste Methode: |
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„Kinder brauchen andere Kinder“ lässt sie sich
überschreiben. Doch ist es nicht leicht, diese Einsicht, die ich sogar als
eine der Grundbedingungen einer positiven sozialen Entwicklung betrachte, zu
erklären. Hierbei kommen uns Eltern und Berufserziehern zwei Tendenzen in den
Blick, wenn wir an entsprechende soziale Kontakte denken: eine negative, wenn
wir meinen, dass unser Kind in seiner Entwicklung gefährdet wird Soziale
Kontakte als ein herausragendes Element ihrer Entwicklung pflegen Kinder bis in das Jugend- und
Erwachsenenalter umso unbefangener und lieber, wenn sie sich auch in diesem
Lebensbereich an Vorbildern orientieren können. Da ist zunächst und vor allem
anderen an die eigenen Eltern und allen anderen Familienangehörigen zu
denken. Halten sich auch diese erwachsenen Bezugspersonen hier zurück,
„isolieren“ sich gleichsam aus Neigung und/oder Gewohnheit, dann fällt es
auch unseren Heranwachsenden schwerer, soziale Kontakte bis hin zu
Freundschaften zu realisieren und nicht später einmal, als Erwachsene, in
eine ebenso ungewollte wie u. U. leidvolle Isolation zu geraten. Ich selbst
wuchs in einer Familie heran, in der es selbstverständlich war, sich gegen
andere Familien/Personen/Personengruppen abzugrenzen und u. a. uns Kindern zu
vermitteln, mit wem wir Kontakte pflegen dürfen bzw. sollen und mit wem
nicht. Nicht selten, ohne uns diese Ge- und Verbote
zu begründen. Dr.
Joachim Rumpf |
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