Eine
schier erdrückende Fülle an pädagogischen Fachbeiträgen
finden wir allmonatlich in den entsprechenden Zeitschriften oder als
Monographien. Bedauerlicher Weise aber werden diese Publikationen von
denen, für die sie verfasst wurden, kaum zur Kenntnis genommen.
Verlage geben auf die Frage nach der Zahl und Profession ihrer Abonneten,
hier sind Einzelpersonen gemeint, keine Auskunft. Es bleibt mir darum
nur übrig, auf persönlicher Erfahrungen zu deuten. Ich lehrte
zwanzig Jahre an einer Pädagogischen Hochule mit der ich, rechne
ich die eigenen Studienzeiten hinzu, insgesamt siebenundzwanzig Jahre
eng verbunden war. In dieser Zeit lernte ich meine Kolleginnen und Kollegen,
die dort hauptberuflich tätig waren, sowohl in dienstlichen als
auch in privaten Zusammenhängen kennen. Ich kann mich an keinen
Einzigen erinnern, der auf private Rechnung eine Zeitschrift seines
Faches abonniert hätte. Statt dessen schafften die Hochschullehrer,
die für sie jeweils besonders interessanten Zeitschriften und Bücher
auf Kosten der PH über die Bibliothek an. Dort wurden sie in die
Semesterapparate eingestellt. Viele Bücher wanderten auch nach
Hause in die Studierstube und blieben dort, bis die Bibliotheksverwaltung
sie wegen einer Bestellung der Ausleihe wieder anforderte. Nun mag das
ein allgemein verbreitetes Privileg von angestellten Hochschullehrern
sein und ich möchte annehmen, dass die betreffenden Schriften auch
gelesen wurden. Zumindest wurde dies von den Studierenden erwartet und
sogar als Seminarbeiträge inhaltliche Wiedergaben neu auf dem Markt
erschienener Bücher und Aufsätze vergeben. Wenn eine vom Studierenden
selbst erarbeitete Akzentuierung oder kritische Analyse dazu gehörte,
konnte mit erfolgreicher Lösung der gestellten Aufgabe gelegentlich
sogar ein Schein erworben werden. Es darf unterstellt werden, dass diese
Schriften von den Dozenten zuvor ebenfalls gelesen worden waren. Außerdem
sorgten Prüfungsanforderungen und dazu gehörende Literaturlisten
dafür, dass sich alle Examenskandidaten, ganz gleich welche Fächerschwerpunkte
sie studiert hatten, mit den angegebenen Texten aus der mehr oder weniger
vollendeten Vergangenheit des jeweiligen Faches beschäftigten.
Das was für den Hochschulbereich gilt, ist auch an den sozialpädagogischen
Fachschulen anzutreffen.
Ich
halte darum verallgemeinernd fest:
Lehrende greifen nur dann zu Literatur ihres Faches, wenn sie sie für
ein bestimmtes Thema brauchen. Neues wird nur von jenem Autor zur Kenntnis
genommen, der von dem betreffenden Dozenten geschätzt wird oder
ähnliche Meinungen vertritt. Gelegentlich ist das nur der Lehrende
selbst. Die Position eines Professors, der mit dazu erklärte "sagen
Sie selbst: es lohnt sich doch nicht Andere zu lesen, wenn man selbst
viel besser schreibt", dürfte nicht selten anzutreffen sein.
Studierende lesen nur dann mehr als sie sollen, wenn sie wissbegierig
genug sind und gern zu Fachbüchern greifen. Ist die Ausbildung
abgeschlossen, greifen sie nur noch zu jener Literatur, von der sie
sich Hilfen für ihre pädagogische Arbeit versprechen. In meinem
Aufsatz "Schule ohne Pädagogik" wird am Beispiel der
Lehrerbibliothek eines Gymnasiums deutlich, wie kümmerlich das
Interesse an Schriften pädagogischen, didaktischen oder gar psychologischen
Inhalts unter den Gymnasiallehrern ist. Und bei den Erzieherinnen in
sozialpädagogischen Einrichtungen sieht es ganz ähnlich aus.
Und der Chefredakteur einer pädagogischen Fachzeitschrift, der
zugleich an einer Universität lehrt, schreibt mir zu diesem Phänomen:
"Bezüglich der Wahrnehmung von (Titel der Zeitschrift),
aber auch von anderen Zeitschriften weiß ich aus eigener beruflicher
Erfahrung, dass man hier keine übertriebenen Hoffnungen haben
darf. Viele KollegInnen lesen fast nichts. Ich halte das für
einen sehr bedauerlichen und beklagenswerten Zustand, denn das ist
für eine Profession kein gutes Zeichen..."
Wenn
ich nun auf diesen Seiten Einiges einstelle, was ich für wichtig
halte, aufgezeichnet und bewahrt zu werden, dann darf ich damit also
nicht die Illusion verbinden, dass diese Texte gelesen werden oder gar
irgendein Echo hervorrufen. Als ich 1993 in dem bereits oben genannten
Aufsatz in einer Fachzeitschrift für die Schule, die Leserinnen
und Leser aufforderte, Widerspruch einzulegen, kam keine einzige Reaktion.
Entweder, weil meine Annahmen von der Leseunwilligkeit unserer Pädagogen
mit den Erfahrungen lesender Lehrer übereinstimmten oder - weil
niemand meinen Beitrag bzw. diese Zeitschrift gelesen hatte. Dennoch
hören die Bemühungen aller, die etwas mitzuteilen haben, von
dem sie annehmen, dass es unverzichtbar und wichtig sei, nicht auf.
Und von den meisten wird auch erwartet, dass sie etwas veröffentlichen.
Pater Professor Dr. Karl Erlinghagen, in den sechziger Jahren ein vielbeachteter
Vertreter der Katholischen Pädagogik, sagte in einem Seminar einmal:
"Wer nicht schreibt, existiert nicht" und erläuterte
seine Erkenntnis mit dem Hinweis, dass Wissenschaftler publizieren müssen,
wenn sie anerkannt sein wollen. Und jeder, der sich um das Lehramt an
einer Hochschule bewirbt, muss noch heute die Liste seiner Veröffentlichungen
einreichen. Sie gilt als eine bedeutsame Eintrittsvoraussetzung in den
Wissenschaftsbetrieb. Folglich wird geschrieben was das Zeug hält
und jede junge Pädagogin oder Pädagoge ist froh über
jeden Beitrag, den eine Zeitschrift von ihm / ihr annimmt.
In
unserer Zeit eröffnet sich - ohne Rücksicht auf Verlagslektoren
oder Redaktionsstäbe nehmen zu müssen, die Möglichkeit
der Publikation über das Internet. Wenigstens diejenigen unter
den schreibfreudigen Pädagogen, die es zu Veröffentlichungen
drängt, haben nun eine Plattform gefunden. Ich gehöre zu diesem
Personenkreis und nutze diese Plattform dazu, meine Erfahrungen und
Einsichten anzubieten. Und die Anzahl der anonymen Besucherinnen und
Besucher meiner Seiten verrät mir, dass sie von mehr Personen aufgesucht
werden, als die Auflagenhöhe der Bücher, die ich schrieb.
Ein
für mich interessantes Thema sind die Schriften von Kollegen. Sie,
liebe Besucherin, lieber Besucher, finden auf der Salpeterer- Homepage
Einführungen in neuere Forschungsarbeiten zur Salpeterer-Geschichte
und hier stelle ich ebenfalls die Einführungen in Schriften ein,
die mir von den Autoren oder Herausgebern zu diesem Zwecke zugeschickt
wurden.
Zum
Thema "Heimerziehung" sind das im Jahre 2003 Einführungen
in die Arbeiten von Adam und
Peters und Flosdorf
und Patzelt. Es lohnt sich, die Seiten anzuschauen, da sie interessante
Einblicke in wissenschaftliche Bemühungen im Jugendhilfebereich
ermöglichen.
Eine
kritische Analyse des Buches von Spitzer
über das Lernen biete ich ebenfalls an und weise nach, dass Spitzers
Erkenntnisse die der Pädagogen ergänzt haben.
Meine
Erfahrungen als verantwortlicher Mitarbeiter in
Jugendhilfeeinrichtungen und aus der Beratungstätigkeit für Schulen mit einst in der DDR ausgebildeten pädagogischen Fachkräften teile ich in dieser Abteilung ebenfalls mit.
Der Sozialpädagogik als einer eigenständigen erziehungs- bzw. sozialwissenschaftlicher Disziplin ist ein eigener Beitrag gewidmet.Dass
Berufspädagogen kaum Fachliteratur in die Hand nehmen, wird alle
diejenigen kaum überraschen, die sich in diesen Berufsfeldern
auskennen. Ich habe zu dieser Leseabstinenz
einen Beitrag eingestellt, der sich zwar (leider) nicht auf empirisch
gewonnene Erhebungen wohl aber auf eigene Erfahrungen stützt.
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